Wirsing – Standort, Anbauen und Ernte

Wirsing – Standort, Anbauen und Ernte

© akf - Fotolia.com
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Der vitamin- und magnesiumreiche Wirsing (Brassica oleracea convar. capitata var. sabauda) ist ein sehr beliebtes Wintergemüse und unter den Kohlpflanzen am engsten mit Weißkohl, Rotkohl und Spitzkohl verwandt. Wie sie ist Wirsingkohl eine Unterart des als Gemüsekohl bekannten Kopfkohls und folgt daher auch ähnlichen Anbaukriterien. Allerdings unterscheiden sich die Kohlköpfe des Wirsings entschieden von denen seiner Artgenossen. Seine gelbgrünen bis dunkelgrünen Kohlblätter sind anders als bei vielen anderen Kohlarten nämlich nicht glatt, sondern kraus gewellt. Auch besitzt er gemeinhin einen zarteren Geschmack als andere Kohlarten, und dass obwohl seine Blätter ungewöhnlich fest und knackig sind. Erfahren Sie in diesem Ratgeber Einzelheiten zum Anbau von Wirsing im Garten und was bei der Pflege von Wirsingkohl zu beachten ist.

Wirsing anbauen – Standort und Aussaat

Wie alle Kohlpflanzen gehört auch Wirsingkohl zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Ursprünglich stammt er aus dem Mittelmeerraum, wohingegen er in Deutschland erst seit dem 18. Jahrhundert angebaut wird. Das tut der Beliebtheit von Wirsing hierzulande aber keinen Abbruch. Ob in Kohlrouladen, Eintöpfen oder Suppengrün – Wirsing findet in der deutschen Küche auf vielerlei Arten Verwendung. Wer Wirsing dabei im eigenen Garten anbauen möchte, sollte auf jeden Fall einen Standort in der Sonne oder zumindest im hellen Halbschatten wählen, damit sich die Kohlköpfe auch gut entwickeln.

In Sachen Standortsubstrat benötigt Wirsing ein humusreiches und gut durchlässiges Substrat, das getrost einen hohen Kalkgehalt aufweisen darf. Der pH-Wert des Bodens sollte im neutralen Bereich, zwischen 6,5 und 7,5 Punkten liegen. Des Weiteren sollte beim Wirsinganbau die richtige Fruchtfolge beachtet werden, denn Kohlpflanzen zählen gemeinhin zu den Starkzehrern und dürfen darum nur alle drei Jahre am selben Standort angebaut werden. Zudem entzieht Kohl dem Boden meist sehr viele Nährstoffe, weshalb eine großflächige Mischkultur aus verschiedenen Kohlarten das Gemüsebeet stark strapaziert. Als Pflanzpartner besser geeignet sind Bohnen, Kartoffeln, Möhren, Paprika, Salat, Sellerie und Spinat.

Einzelheiten zum Standort für Wirsing:

  • Wirsing benötigt einen Standort in der Sonne oder im hellen Halbschatten
  • das Standortsubstrat sollte humusreich, gut durchlässig und kalkhaltig
  • pH-Wert des Bodens: neutral, zwischen 6,5 und 7,5
  • gute Pflanzpartner: Bohnen, Kartoffeln, Möhren, Paprika, Salat, Sellerie und Spinat
  • das vitamin- und magnesiumreiche Wintergemüse ist ein Starkzehrer
  • eine Fruchtfolge von mindestens 3 Jahren ist darum wichtig
  1. Schritt – Aussaattermin wählen: Die richtige Zeit für die Aussaat von Wirsing richtet sich nach der jeweiligen Sorte. Frühsorten lassen sich bereits im Februar aussäen, wohingegen die Aussaat von Sommer- und Spätsorten gewöhnlich zwischen März und August erfolgt. Am besten zieht man die Kohlpflanzen im Gewächshaus, Frühbeet oder im Topf auf der Fensterbang vor. Insgesamt nimmt die Anbauzeit für das Wintergemüse sortenabhängig 26 bis 40 Wochen in Anspruch.
  2. Schritt – Boden vorbereiten: Vor der Aussaat ist der Standortboden des Wirsings sorgfältig vorzubereiten. Lockern Sie das Substrat tiefgründig auf und reichern Sie es bei Bedarf mit Humus und Kalk an. Bei Standorten auf der Fensterbank ist darauf zu achten, dass das Anzuchtsubstrat keine direkte Heizungsluft abbekommt, denn dies könnte den Keimerfolg schmälern.
  3. Schritt – Wirsingkohl säen: Die richtige Pflanztiefe für Wirsing beträgt 1 cm. Der Mindestabstand zwischen einzelnen Samen sollte bei 5 cm liegen. Bei Topfkulturen muss hier zusätzlich eine perforierte Plastikfolie über das Gefäß gespannt werden, denn nur so ergibt sich ein ausreichend feuchtes Klima mit guter Belüftung. Eine regelmäßige Bewässerung der Keimlinge versteht sich von selbst.
  4. Schritt – Wirsing pikieren: Sobald der junge Wirsingkohl zwei Blattpaare entwickelt haben, ist es an der Zeit, diese an ihren endgültigen Standort zu verfrachten. Als Pflanzabstand gilt nun ein Richtwert 60 bis 80 cm.

Kurzschritte zur Aussaat im Überblick:

  • Anbauzeit für Wirsingkohl beträgt zwischen 26 und 40 Wochen
  • Aussaattermin für Wirsing richtet sich nach der jeweiligen Sorte
  • Vorzucht von Frühsorten: Februar bis März unter Glas
  • Vorzucht von Sommersorten: März bis Mai, ab Mitte April im Freiland
  • Vorzucht von Spätsorten: April bis August im Freiland
  • vor der Aussaat den Standortboden auflockern
  • ggf. mit Humus und Kalk anreichern
  • Topfkulturen auf der Fensterbank dürfen keiner Heizungsluft ausgesetzt sein
  • auch wird hier eine perforierte Plastikfolie über das Anzuchtgefäß gestülpt
  • Saattiefe für Wirsingsamen: 1 cm / Saatgutabstand: 5 cm
  • während der Keimphase das Saatgut regelmäßig bewässern
  • sobald die Keimlinge 2 Blattpaare besitzen, werden sie pikiert
  • finaler Pflanzabstand: 60 bis 80 cm
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Pflege des Wirsings – gießen, ernten und vermehren

Wirsingkohl besitzt eine kräftige Blattmasse, für deren Ausbildung der Kohl gerade in den Sommermonaten einiges an Wasser benötigt. Er reagiert daher überaus empfindlich auf trockenen Boden. Doch auch Staunässe ist ihm zuwider und kann Krankheiten wie Wurzelfäule oder Kohlhernie befördern. Etwas Augenmaß ist bei der Bewässerung also von Nöten. Allerdings können Sie hierfür ohne Bedenken kalkhaltiges Leitungswasser verwenden, denn Wirsing liebt das Mineral außerordentlich.

Als Starkzehrer benötigt Wirsingkohl natürlich auch ausreichende Nährstoffgaben. Diese lassen sich am besten durch die Gabe von organischem Dünger wie Kompost oder Hornspänen erreichen. Die Düngung des Kohls erfolgt von April bis Oktober, je zweimal im Monat. Sollte kein organischer Dünger zur Verfügung stehen kann auch mit flüssigem Gemüsedünger oder Langzeitdünger aus dem Fachhandel gearbeitet werden. Ein hoher Kalkgehalt ist hier wie schon bei der Bewässerung entscheidend.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Wirsing benötigt zur Ausbildung seiner Kohlblätter viel Wasser
  • insbesondere in Trockenphasen muss häufig nachgegossen werden
  • zugleich verträgt Wirsingkohl aber auch keine Staunässe
  • diese kann vermehrt zu Wurzelfäule und Kohlhernie führen
  • das magnesiumhaltige Wintergemüse mag kalkhaltiges Leitungswasser
  • die Vitamine des Wirsings bilden sich am besten durch organische Düngung aus
  • geeignet sind hier Kompost, Hornspäne, Langzeitdünger oder flüssiger Gemüsedünger
  • insgesamt von April bis Oktober 2-mal im Monat Nährstoffe ausbringen

Zur Verwendung als Wintergemüse eignen sich insbesondere späte Sorten des Wirsings. Doch auch die Langlebigkeit einiger Sommersorten lässt sich mit der richtigen Schnitttechnik während der Ernte bis in den Herbst verlängern. Hierzu ist es wichtig, die Kohlblätter von außen nach innen und nur in der benötigten Menge abzuschneiden. Das Kohlherz muss dabei unbeschädigt bleiben. Auch sollten die Blätter mit einem scharfen Messer abgeschnitten werden, um Krankheiten an unsauberen Schnittflächen vorzubeugen.

Wer anstatt des schrittweisen Aberntens den ganzen Kohlkopf ernten möchte, der schneidet Wirsingpflanzen einfach unterhalb des Kopfes an der Basis ab. Im Kühlschrank gelagert, hält sich der Kohl dann bis zu 1 Woche. Auch eine Einlagerung im dunklen, kühlen und trocknen Keller ist möglich und kann die Haltbarkeit des Kohls eventuell bis auf 14 Tage verlängern. Wichtig ist, dass Wirsingkohl wie jeder Kohl nicht neben Obst gelagert werden darf, denn hier droht das Wintergemüse leicht zu faulen und zu vergilben. von außen nach innen mit einem scharfen Messer abzutrennen. Das sogenannte Pflanzherz wird dabei verschont, da dieses in regelmäßigen Abständen neue Blätter bildet. Für eine spätere Verwendung kann die Einlagerung in einem Keller durchaus erfolgen.

Tipps zum Ernten und Lagern:

  • Spätsorten des Wirsings sind am besten als Wintergemüse geeignet
  • Langlebigkeit von Sommersorten lässt sich durch richtigen Schnitt verbessern
  • Kohlblätter hierzu in gewünschter Menge von außen nach innen ernten
  • bei der Ernte des ganzen Kohlkopfes den Wirsing an der Basis abschneiden
  • im Kühlschrank hält sich Wirsingkohl dann bis zu 1 Woche
  • im Keller ist Wirsing bis zu 14 Tage haltbar
  • Wirsingkohl niemals neben Obst lagern, denn hier droht Fäulnis

Interessante Sorten des Brassica oleracera convar. capitata var. sabauda

Wirsingsorten unterscheiden sich maßgeblich durch ihre Aussaat- und Erntezeit, sowie die Krausung und Färbung ihrer Blätter. Ein paar besonders schöne Sorten haben wir nachstehend für Sie herausgesucht:

SorteBeschreibung
Wirsing 'Goldvital'
Brassica oleracera convar. capitata var. sabauda ‘Goldvital’

Erntezeit: Juli bis Oktober
Kohl: schwach gekrauste, hellgrüne Blätter
Besonderheiten: Sommersorte
Wirsing 'Smaragd'
Brassica oleracera convar. capitata var. sabauda 'Smaragd'

Erntezeit: September bis Dezember
Kohl: stark gekrauste, hellgrüne Blätter
Besonderheiten: Spätsorte
Wirsing 'Vertus'
Brassica oleracera convar. capitata var. sabauda 'Vertus'
Erntezeit: Oktober bis November
Kohl: feingekrauste, dunkelgrüne Blätter
Besonderheiten: Spätsorte
Wirsing 'Verza S. Michele'
Brassica oleracera convar. capitata var. sabauda 'Verza S. Michele'

Erntezeit: Oktober bis Januar
Kohl: schwach gekrauste, rotgrüne Blätter
Besonderheiten: Spätsorte
Wirsing 'Vorbote 3'
Brassica oleracera convar. capitata var. sabauda 'Vorbote 3'

Erntezeit: Mai bis Juli
Kohl: feingekrauste, dunkelgrüne Blätter
Besonderheiten: Frühsorte
Wirsing 'Winterfürst'
Brassica oleracera convar. capitata var. sabauda 'Winterfürst'

Erntezeit: Oktober bis Februar
Kohl: feingekrauste, blaugrüne Blätter
Besonderheiten: Spätsorte
Wirsing 'Wirosa'
Brassica oleracera convar. capitata var. sabauda 'Wirosa'

Erntezeit: Juli bis August
Kohl: feingekrauste, hellgrüne Blätter
Besonderheiten: Sommersorte


Wirsing – mögliche Krankheiten und Schädlinge

© Digitalpress - Fotolia.com
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Obwohl Wirsing als sehr robustes Wintergemüse gilt, ist er doch oftmals von den Schädlingen befallen. Eine falsche Pflege und ein zu geringer Mindestabstand bei der Bepflanzung führen häufig dazu, dass sich Schädlinge wie Schnecken, Erdflöhe, die Kohlmottenschildlaus oder der Kohlweißling besonders üppig vermehren. Gebührende Pflanzabstände, die richtige Bewässerung und Düngung, ebenso wie Schneckenzäune und Gemüsenetze sind aber eine gute Möglichkeit, um einen derartigem Schadbefall vorzubeugen.

Neben den Schädlingen ist an Kohlpflanzen vor allem die Kohlhernie als Krankheit sehr gefürchtet. Hierbei handelt es sich um einen Schleimpilz, der sich auch am Wirsing ausbreiten kann. Die Erkrankung ist äußerst hartnäckig und kann bis zu 10 Jahre im Boden überdauern. Befallene Pflanzen müssen deshalb sofort im Restmüll entsorgt werden. Vorbeugend ist auch hier die richtige Pflege entscheidend. Vermeiden sie also Staunässe, wie übermäßig Bodentrockenheit und pflanzen Sie Wirsingkohl in angemessenem Abstand sowie in ausreichend heller Lage damit sich Pflanzkrankheiten nicht epidemisch im Gemüsebeet ausbreiten können.

Fazit

Der Wirsing ist ein widerstandsfähiges Wintergemüse, das in der Küche vielseitig verwendet werden kann. Entscheidend beim Anbau ist neben einem ausreichend hellen Standort und dem richtigen Pflanzabstand vor allem die richtige Pflege in Form von genügend Bodenfeuchtigkeit unter Vermeidung von Staunässe. Ansonsten könnten Schädlinge, wie auch einschlägige Kohlkrankheiten rasch überhand neben und eine ertragreiche Ernte bedrohen. Auswählen können Sie bei Wirsingkohl zwischen verschiedenen frühen, mittelfrühen und späten Sorten, die sich in ihrer Aussaat- und Erntezeit, sowie in der Beschaffenheit ihrer Kohlblätter unterscheiden.

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