Weißkohl – Anbauen, Pflege und Ernte

Weißkohl – Anbauen, Pflege und Ernte

© Björn Wylezich - Fotolia.com
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Da die Ernte von Weißkohl (Brassica oleracea convar. capitata var. alba) maßgeblich in den Herbstmonaten stattfindet, wird der Blattkohl umgangssprachlich auch als Herbstkohl bezeichnet. Zu den gern verzehrten Gemüsearten gehört die Kohlart bereits seit der Steinzeit, was allerdings nicht bedeutet, dass sie in ihrer Aufzucht besonders pflegeleicht ist. Aus diesem Grund sollte man Weißkohl im Garten nur dann anbauen, wenn man bereits einiges an Erfahrung in der Kultivierung von Kohlgemüse sammeln konnte. Gelingt der Anbau jedoch, erfreut Weißkohl mit einer vitalstoffreichen Ernte, die neben bedeutenden Mengen an Vitamin C und E auch wertvolle Mineralstoffe wie Eisen enthält. Verwenden lässt sich die Kohlart zum Beispiel zur Herstellung von Sauer- oder Weißkraut. Doch auch für Eintöpfe, Krautsalat, Suppen und Kohlrouladen ist der Kohl wunderbar geeignet. Erfahren Sie in diesem Ratgeber worauf es beim Anbau von Weißkohl ankommt und was es bei der Pflege des Kohls zu beachten gilt.

Weißkohl anbauen – Standort und Ablauf

Wie alle Gemüsearten aus der Gattung Kohl gehört Weißkohl zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Er ist vor allem in Mittel- und Osteuropa eine wichtige Kulturpflanze, da er gerade im kargen Winter eine bedeutende Nährstoffquelle bietet. Nichtsdestotrotz benötigen Weißkohlpflanzen einen sonnigen Standort. Da er ähnlich den meisten Kohlarten als Starkzehrer gilt, sollte der Beetstandort des Weiteren jährlich gewechselt werden, um den Boden nicht überzustrapazieren. Insgesamt sollte man Weißkohl nur alle drei Jahre am selben Standort anbauen.

Mit Blick auf das richtige Standortsubstrat empfiehlt sich für Weißkohlpflanzen ein nährstoffreiches, frisch-feuchtes und lehmiges Substrat. Auch die Zugabe von Kalk kann zur Verbesserung der Standortqualität beitragen. Der Boden-pH-Wert sollte für Weißkohl im neutralen Bereich, zwischen 6,0 und 7,5 Punkten liegen. In Sachen Wurzelwachstum lässt sich der Blattkohl zu den Tiefwurzlern zählen. Ein tiefgründig gelockerter Boden ist demnach ebenfalls ratsam. Gute Beetnachbarn sind weniger starkzehrende Gemüsearten wie Mangold, Paprika, Rettich, Salat, Sellerie oder Spinat. Ähnlich nährstoffhungrige Pflanzen in Form anderer Kohlarten, Zwiebel- oder Lauchgewächse sind für eine Mischkultur mit Weißkohl dagegen ungeeignet.

Einzelheiten zum Standort für Weißkohl:

  • Weißkohl benötigt sonnigen Standort, der jährlich gewechselt werden muss
  • generell darf der Blattkohl nur im Turnus von 2 Jahren am selben Standort stehen
  • der Standortboden sollte nährstoffreich, frisch-feucht, kalkhaltig und lehmig sein
  • pH-Wert des Bodens: neutral, von 6,0 bis 7,5
  • geeignete Beetnachbarn: Mangold, Paprika, Rettich, Salat, Sellerie und Spinat
  • ungeeignet für Mischkulturen sind andere Kohlarten, sowie Zwiebel- und Lauchgemüse

 

  1. Schritt – Aussaattermin wählen: Auch wenn Weißkohlpflanzen gemeinhin auch als Herbstkohl bekannt ist, muss zwischen Frühlings-, Sommer- und Herbstsorten unterschieden werden. Frühe Sorten lassen sich dabei bereits Anfang März unter Glas vorkultivieren. Bei mittelfrühen und späten Sorten erfolgt die Vorzucht hingegen erst ab Anfang April. Alternativ können Sie Weißkohlsamen auch von August bis September ausbringen. Hier überwintern die Jungpflanzen bis zum nächsten Frühling und können dann im Frühling geerntet werden.
  2. Schritt – Boden vorbereiten: Bevor Sie Ihren Weißkohl anbauen, sollten Sie das Beet tiefgründig auflockern. Entfernen Sie zudem restlos alle Bodenhindernisse, damit sich die tiefwurzelnden Kohlpflanzen ungestört entwickeln können. Zur Nährstoffoptimierung geben sie am besten frischen Stallmist oder gut verrotteten Kompost, sowie etwas Kalk hinzu. Sollte der Boden etwas zu sauer sein, ist es sinnvoll, etwas Holzasche mit unterzumischen.
  3. Schritt – Weißkohlsamen säen: Das Saatgut des Weißkohls muss im Freiland etwa 1 cm tief in die Erde eingebracht werden. Hierzu eignen sich vorgezogene Saatrillen, in welche Sie die Samen dann unkompliziert ausbringen können. Bei Aussaat in Töpfe ist natürlich ein ausreichend großes Pflanzgefäß zu wählen.
  4. Schritt – Anzucht bewässern und pikieren: Bis zur Keimung benötigt Weißkraut bereits regelmäßige Wassergaben. Halten Sie den Standortboden daher immer leicht feucht. Nach etwa 2 Wochen sollten die Jungpflanzen dann bereit fürs Pikieren sein. Setzen Sie die Pflanzen ab da in einem Mindestabstand von 40 bis 50 cm ins Beet, damit jede von ihnen genügend Luft und Licht abbekommt und sich ihre Wurzeln beim Ausreifen nicht in die Quere kommen.

Kurzschritte zur Aussaat im Überblick:

  • Aussaattermin für Weißkohlpflanzen ist sortenabhängig
  • frühe Sorten lassen sich bereits ab März unter Glas vorziehen
  • mittelfrühe und späte Sorten erst von Anfang April anbauen
  • für Frühlingsernte das Saatgut zwischen August und September ausbringen
  • vor der Aussaat den Boden tiefgründig auflockern und Bodenhindernisse entfernen
  • zur Nährstoffoptimierung etwas Kalk, sowie frischen Stallmist oder Kompost einarbeiten
  • bei sauren Böden wirkt Holzasche wahre Wunder
  • Pflanztiefe für Weißkohlsamen: 1 cm
  • im Beet am besten entsprechend tiefe Saatrillen vorbereiten
  • bis zur Keimung das Saatgut konstant aber maßvoll bewässern
  • das Pikieren erfolgt dann nach etwa 2 Wochen
  • finaler Pflanzabstand im Beet: 40 – 50 cm
© Gabriele Rohde - Fotolia.com
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Weißkohl pflegen – gießen, ernten und vermehren

Starkzehrende Gemüsearten sind nicht nur nährstoffhungrig, sondern haben zudem auch einen hohen Wasserbedarf. Gießen Sie Ihre Weißkohlpflanzen deshalb regelmäßig, damit der Boden konstant feucht bleibt. Damit sich trotz intensiver Bewässerung keine Staunässe im Boden bildet, sollte vor dem Gießen eine Fingerprobe durchgeführt werden. An kalten Tagen muss das feuchte Substrat zum Schutz vor Bodenfrost abgedeckt werden. Da Weißkohlpflanzen Kalk lieben, dürfen Sie zur Bewässerung auch kalkhaltiges Leitungswasser verwenden.

Zur Düngung des Weißkohls eignet sich stickstoffhaltiger Gemüsedünger, Stallmist oder Brennnesseljauche. Letztere lässt sich unkompliziert mit ins Gießwasser mischen. Auch eine Mulchschicht aus getrocknetem Grasschnitt kommt dem Wachstum der Weißkohlpflanzen zu Gute. Gedüngt wird vorrangig in der Wachstumsphase, sowie nach der Ernte, um dem ausgelaugten Boden bei der Regeneration zu helfen. Überdüngungen sind trotz des hohen Nährstoffbedarfs der Pflanzen logischer Weise zu vermeiden.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Weißkohlpflanzen müssen regelmäßig gegossen werden
  • trotz konstanter Bodenfeuchte ist Staunässe aber zu meiden
  • bei drohendem Frost den feuchten Boden abdecken
  • kalkhaltiges Leitungswasser ist zur Bewässerung akzeptabel
  • Düngung des Weißkohls erfolgt mit stickstoffhaltigem Dünger
  • gelegentliches Anreichern des Gießwassers mit Brennnesseljauche ist optimal
  • vorrangig während der Wachstumsphase und nach der Ernte düngen

Zur weiteren Pflege der Weißkohlpflanzen muss das Beet kontinuierlich aufgelockert werden. Dies gewährleistet einen adäquaten Luftaustausch im Boden und minimiert das Risiko von Fäulniskrankheiten. Darüber hinaus können Sie die Pflanzen in regelmäßigen Abständen auf Schädlingsbefall kontrollieren. Frühzeitig erkannt lassen sich so Fressschäden von den Kohlköpfen abwenden.

In Abhängigkeit von der gewählten Weißkohlsorte erfolgt die Ernte des Blattkohls zwischen Juni und November. Bei Aussaat im Spätsommer oder Herbst können Sie sogar schon im März ernten. Nutzen Sie für die Ernte ein scharfes Messer, mit dem Sie das Blattgemüse unterhalb des Kohlkopfes einfach kappen. Entfernen Sie die reifen Kohlköpfe unbedingt rechtzeitig aus dem Beet, da diese ansonsten sehr leicht aufplatzen und in diesem Zustand leicht Schädlinge und Krankheiten ins Kohlgemüse einwandern. In kühlen und dunklen Räumen lassen sich insbesondere späte Sorten über Monate hinweg ohne Geschmacksverlust aufbewahren.

Kurztipps zur weiteren Pflege und Ernte:

  • für optimalen Luftaustausch das Weißkohlbeet hin und wieder auflockern
  • regelmäßige Schädlingskontrolle ist ebenfalls ratsam
  • Ernte erfolgt je nach Sorte im März oder von Juni bis November
  • hier mit scharfem Messer den Kohl knapp unter dem Kohlkopf kappen
  • Weißkohlpflanzen unbedingt vor dem Aufplatzen aus dem Beet entfernen
  • für längere Haltbarkeit die Kohlköpfe kühl und dunkel lagern
  • zur Lagerung geeignet sind vorrangig Spätsorten

Interessante Sorten des Brassica oleracea convar. capitata var. alba

Neben den gängigen Weißkohlsorten zählt man auch den Spitzkohl zu den Varianten des Brassica oleracea convar. capitata var. alba. Er unterscheidet sich von herkömmlichen Weißkohlpflanzen durch seine spitzen Kohlköpfe, die dem Spitzkohl folglich auch seinen Namen einbrachten. Zusätzlich gibt es auch einen Roten Spitzkohl, der eine Kreuzung aus Rotkohl und Spitzkohl ist.

Man Vermutet, dass sowohl Weiß- als auch Spitzkohl ursprünglich aus Asien stammen. In ihrem Geschmack sind beide Kohlvarianten gleich und auch in ihrer Verwendung gibt es kaum Unterschiede. Allerdings weist der Spitzkohl bislang nur eine geringe Sortenauswahl auf. Einzelheiten entnehmen Sie bitte der nachstehenden Übersicht:

SorteBeschreibung
Weißkohl (Herbstkohl)
Brassica oleracea convar. capitata var. alba

Erntezeit: Juni bis November
Gemüse: runde, grünlich-weiße Kohlköpfe
gute Sorten: 'Donator' (mittelfrühe Sorte), 'Domarna' (späte Sorte), 'Dottenfelder Dauer' (späte Sorte), 'Dowinda' (späte Sorte), 'Holsteiner Platter' (mittelfrühe Sorte), 'Marner Lagerweiß' (späte Sorte), 'Nagels Frühweiß' (frühe Sorte), 'Türkis' (späte Sorte)
Spitzkohl (Sommerkohl)
Brassica oleracea convar. capitata var. alba var. conica

Erntezeit: Mai bis Oktober
Gemüse: spitze, grünlich-weiße Kohlköpfe
gute Sorten: 'Erstling' (Frühsorte), 'Filderkraut' (Spätsorte)
Roter Spitzkohl
Brassica oleracea convar. capitata var. rubra
Erntezeit: Juli bis November
Gemüse: spitze, rotviolette Kohlköpfe
gute Sorten: 'Kalibos' (mittelfrühe bis späte Sorte)

 

Weißkohl – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

© Gabriele Rohde - Fotolia.com
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Auf dem Weißkraut lassen sich gerne Blattläuse und Erdflöhe nieder. Letztere setzen sich nicht so häufig fest, wenn der Boden ausreichend feucht ist, denn die Flöhe kommen mit Feuchtigkeit nicht zurecht. Ein guter Tipp ist hier abermals das Düngen mit Brennnesseljauche, denn diese hält Läuse und Flöhe zuverlässig fern. Anders sieht es hingegen bei Kohlfliegen und den Larven des Kohlweißlings aus. Kohlfliegen ähneln optisch der gewöhnlichen Stubenfliege und legen ihre Eier meist am Strunk des Weißkohls ab. Ihre Maden fressen mit Vorliebe die Weißkohlwurzeln an und behindern so das Wachstum der Pflanze. Die Raupen des Kohlweißlings hingegen ernähren sich bevorzugt von den Kohlblättern. Beikommen lässt sich diesen zwei Schädlingen nur mit Gemüse- bzw. Vogelschutznetzen und das auch nur, solange sie noch keine Eier am Kohl abgelegt haben.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind Krankheiten wie die Kohlhernie. Im Gegensatz zu Schädlingsbefall lässt sich hier nicht viel gegen das Schadbild ausrichten. Im Ernstfall muss eine erkrankte Kohlpflanze umgehend aus dem Beet entfernt werden, um benachbarten Gemüsearten eine Ansteckung zu ersparen. Entsorgt werden kranke Pflanzen stets im Restmüll, um eine Ausbreitung der Krankheitserreger via Kompostierung zu verhindern.

Fazit

Vom Altertum bis in die Neuzeit war Weißkohl in vielen europäischen Ländern unerlässlich, um selbst im Winter den körpereigenen Bedarf an Nährstoffen zu decken. Dass die Kohlart dabei recht pflegeintensiv ist, änderte nichts daran. Auch heute noch ist Weißkohl ein Dauerbrenner im Gemüsebeet. Dabei sollten sich aber nur erfahrene Kohlgärtner an die Aufzucht wagen. Von der Bodenqualität bis hin zur Bewässerung und Düngung zeigen sich Weißkohlpflanzen nämlich äußerst anspruchsvoll. Schon geringste Abweichungen können deshalb den Ertrag schmälern. Für Laien ist es darum ratsam, sich zunächst an weniger pflegeintensiven Kohlarten wie Kohlrabi zu versuchen, ehe Sie zur Königsdisziplin im Kohlanbau übergehen. Erst einmal dort angelangt, stehen Ihnen aber unzählige Weißkohlsorten für die Kultivierung zur Verfügung, von denen manche sogar einen Anbau im Winter ermöglichen.

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