Weintrauben (Weinreben) – Anbauen, Pflegen und Ernten

Weintrauben (Weinreben) – Anbauen, Pflegen und Ernten

© Tim UR - Fotolia.com
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Die Weintraube oder Weinrebe (Vitis) ist für ihre vielseitigen Einsatzmöglichkeiten bekannt. Ob als Wein, Kuchen- oder Dessertzutat, aus Weintrauben lässt sich so allerhand leckeres zaubern. Die meisten werden bei der Weintraubenkultivierung nun an weitläufige Anbaugebiete denken. Doch auch im Privatgarten lassen sich Rebstöcke ohne weiteres anbauen, solange man einige Standort- und Pflegegrundsätze beachtet. Worauf es hier ankommt verraten wir ihnen nachstehend.

Weinreben anbauen – Standort und Ablauf

Weintrauben sind fast überall auf der Welt heimisch. Die ausdauernden und bis zu 20 m hohen Kletterpflanzen gehören zur Familie der Weinrebengewächse (Vitaceae) und liefern im Sommer süße bis herb-saure Beerentrauben die äußerst bekömmlich und ob ihres hohen Nährstoffgehalts auch sehr gesund sind. Zu unterscheiden ist dabei zwischen Tafeltrauben und Keltertrauben. Denn während Tafeltrauben ausschließlich für den Verzehr geeignet sind, lassen sich Keltertrauben auch zur Weinherstellung nutzen. Ungeachtet ihrer Verwendung benötigen Weinreben zur Ausbildung ihrer Trauben aber grundsätzlich einen vollsonnigen und warmen Standort. Dieser sollte zudem auch eine gute Belüftung genießen, da eine schlecht belüftete Weinrebe sehr leicht Schimmel ansetzt. Die genannten Standortbedingungen sind auch der Grund dafür, weshalb Weinbauern die Trauben bevorzugt an luftreichen Südhängen anbauen. Im Garten ist neben Hängen jedoch ein Standort an der Südwand eines Hauses denkbar. Trotz ihrer Licht- und Wärmeliebe sind Weinrebstöcke allerdings absolut winterhart und bedürfen keines besonderen Winterschutzes.

Damit sich Rebstöcke zu ertragreichen und gesunden Gehölzen entwickeln, sollte das Standortsubstrat durchlässig, humos und mit ausreichend Nährstoffen versehen sein. Der pH-Wert des Bodens ist mit sauren bis neutralen Werten von 5,0 bis 7,5 Punkten gut gewählt. Generell lassen sich Reben der Weintraube entweder als Solitär oder im Verbund anbauen. Aufgrund ihres starken Kletterwachstums benötigen sie aber in jedem Fall eine Rankhilfe, zum Beispiel in Form von Spalieren oder Hauswänden. Geeignete Pflanzpartner für Weintrauben sind vor allem andere Kletterpflanzen, so zum Beispiel Rosen, Himbeeren oder Brombeeren. Diese müssen jedoch unbedingt in einem ausreichenden Abstand zu den Weinreben gepflanzt werden.

Pflanztipp: Weinrebenarten lassen sich auch in Töpfen anbauen. Achten Sie aber darauf, ein möglichst großes Gefäß zu verwenden, damit die Rebe ausreichend Platz zur Wurzelbildung hat.


Einzelheiten zum Standort für Weintrauben:

  • Tafeltrauben sind nur zum Verzehr geeignet
  • Keltertrauben lassen sich auch zur Weinherstellung verwenden
  • generell Weinreben nur an vollsonnigen, gut durchlüfteten Standorten anbauen
  • am besten geeignet sind Hänge und Hauswände auf der Südseite
  • alternativ können Rebstöcke auch in einem großen Kübel gut gedeihen
  • das Standortsubstrat sollte humos, nährstoffreich und durchlässig sein
  • pH-Wert des Bodens: sauer bis neutral, von 5,0 bis 7,5
  • die Rebstöcke benötigen Rankhilfe und ausreichend Platz am Standort
  • gute Pflanzpartner: andere Kletterpflanzen wie Himbeeren, Brombeeren oder Rosen
  • trotz ihre Vorliebe für Sonne und Wärme sind Arten der Weinrebe winterhart

Wer Weintrauben im eigenen Garten anbauen möchte, kann dafür bereits vorgezogene Rebstöcke verwenden. Sie sind in jeder gut sortierten Gärtnerei oder in einer speziellen Rebschule erhältlich. Bei der Pflanzung ist dann wie folgt vorzugehen:

  1. Schritt – Pflanztermin wählen: Das Auspflanzen der Weinreben ins Freiland kann von Mitte Mai bis August erfolgen. Wichtig ist, dass kein Bodenfrost mehr droht, denn bis die jungen Rebstöcke völlig winterhart sind, müssen sie sich zunächst am Standort eingewöhnen. Fassen Sie deshalb auf jeden Fall einen Pflanztermin nach den Eisheiligen ins Auge.
  2. Schritt – Boden vorbereiten: Vor der Pflanzung wird der Boden der Weinreben tiefgründig umgegraben und der Erdaushub mit Humus und Sand angereichert. Anschließend heben Sie ein Pflanzloch von der anderthalbfachen Größe des Wurzelballens aus. In dieses geben Sie nun Kiesdrainage zur Verbesserung des Wasserablaufs. Den Wurzelballen der Weinrebe stellen sie während der Bodenvorbereitung am besten in einen Bottich voll Wasser, damit er sich ausreichend mit Feuchtigkeit vollsaugen kann.
  3. Schritt – Weinrebe pflanzen: Setzen Sie den Wurzelballen der Weinrebe so in das Pflanzloch ein, dass die verdickte Veredelungsstelle des Rebstocks noch ca. 5 cm über der Erdoberfläche liegt. Auch sollte die Rebe leicht schräg in Richtung ihrer Rankhilfe zeigen, weshalb es sinnvoll ist, diese schon einmal probezustecken. Danach wird das Pflanzloch verfüllt und die Erde vorsichtig angedrückt.
  4. Schritt – Weinrebe erstbewässern und stabilisieren: Nach der Pflanzung wird der Rebstock kräftig angegossen. Damit er stabil wächst, muss der Haupttrieb an einer Rankhilfe fixiert werden. Bestehende Nebentriebe dürfen Sie vorab entfernen.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Pflanztermin für Weinreben: Anfang Mai, nach den Eisheiligen bis August
  • Boden vor der Pflanzung auflockern und mit Sand und Humus anreichern
  • das Pflanzloch sollte den 1 ½ – fachen Durchmesser des Wurzelballens haben
  • Eine Kiesdrainage verbessert anschließend den Wasserablauf
  • Wurzelballen während der Bodenvorbereitung in Wasser stellen
  • danach die Rebstöcke leicht schräg in Richtung der Rankhilfe pflanzen
  • Veredelungsstelle muss 5 cm über dem Bodenniveau liegen
  • störende Nebentriebe ggf. entfernen
  • abschließend erfolgt die Erstbewässerung und Anbindung der Rebe an die Rankhilfe
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Pflege der Weinrebe – gießen, ernten und vermehren

Um Weintrauben erfolgreich anbauen zu können, ist natürlich auch die richtige Pflege entscheiden. So benötigen Weinreben zur Blüten- und damit auch zur Fruchtbildung zum Beispiel ausreichend Wasser. Hierzu eignen sich im ersten Pflanzjahr wöchentliche Gießgänge, wobei Sie jeweils bis zu 10 l an einen Rebstock abgegeben dürfen.

Die Düngung der Rebstöcke erfolgt im Frühjahr mit Kompost und Hornspänen. Besagte Nährstoffgaben können das Wachstum der Pflanze positiv unterstützen, ohne dass eine Überdüngung oder Geschmackseinbußen entstehen, wie es bei vielen anderen Düngemitteln durchaus denkbar wäre. Für ein kräftiges Wachstum ist es ferner notwendig die Triebe der Weinrebe stetig an der Rankhilfe zu befestigen. Nur so lässt sich ein formschöner Wuchs erreichen, der immer neue Fruchttriebe hervorbringt.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Weinreben benötigen im ersten Standjahr wöchentliche Gießgänge
  • pro Gießgang etwa 10 l Wasser pro Rebe einplanen
  • Düngung im Frühjahr mit Kompost oder Hornspänen durchführen
  • neu entstehende Fruchttriebe frühzeitig an der Rankhilfe fixieren

Am Ende der Blütezeit bilden sich an den Weinreben bis zu 2 cm große, saftige Weintrauben. Diese können Sie je nach Art und Sorte von August bis Oktober ernten, wobei die Trauben mit einem Messer abgeschnitten werden sollten. Die Weinbeeren schmecken dabei umso süßer, je mehr Sonnentage sie zuvor genießen durften. Tafeltrauben können Sie nach der Ernte direkt roh verzehren bzw. frisch weiterverarbeiten. Wer eine längere Haltbarkeit anstrebt, der kocht die Trauben stattdessen am besten ein oder trocknet sie zu Rosinen.

Damit ein Rebstock auch nach mehreren Standjahren noch eine ertragreiche Ernte garantiert, benötigt sie regelmäßige Rückschnitte. Da sich Weintrauben nur an einjährigen Trieben entwickeln, muss insbesondere Altholz großzügig abgetragen werden. Der erste Rückschnitt erfolgt zwischen Februar und Mai, sobald kein Frost mehr auftritt. Hierbei werden alle im Frühjahr entstandenen Geiztriebe bis auf maximal 5 kräftige Triebe entfernt, die Sie im Anschluss umgehend an der Rankhilfe befestigen. Damit die in den Sommermonaten gebildeten Weintrauben ausreichend Sonnenlicht erhalten, sind nach der Blüte zusätzlich die Seitentriebe nach dem zweiten Blatt abzuschneiden.

  • Vermehrung durch Stecklinge: Für eine Vermehrung der Weinrebe eignen sich Stecklinge am besten. Wählen Sie hierzu nur junge Triebe aus, die ca. 4 Knospen aufweisen. Diese werden dann auf 30 cm gekürzt, unterhalb der letzten Knospe schräg angeschnitten und in ein Erdgemisch aus Humus und Sand eingesetzt. Bei guter Pflege und richtigen Standortbedingungen entwickelt sich aus den Stecklingen rasch eine neue kleine Rebe.


Kurztipps zum Ernten, Schneiden und Vermehren:

  • Erntezeitpunkt für Weinreben: August bis Oktober
  • Trauben immer mit einem scharfen Messer abschneiden
  • Erster Rückschnitt der Rebstöcke erfolgt zwischen Februar und Mai
  • hierbei großzügig Altholz und Geiztriebe abtragen
  • im Sommer dann lichtraubende Seitentriebe bis auf zwei Blätter kürzen
  • für Vermehrung durch Stecklinge Jungtriebe mit ca. 4 Knospen wählen
  • die Triebe bis auf 30 cm kürzen und unterhalb der letzten Knospe schräg anschneiden
  • danach den Steckling in ein Erdgemisch aus Humus und Sand setzen

Interessante Arten und Sorten der Gattung Vitis

Die Gattung Vitis weist weltweit in gut 60 verschiedene Arten und über 16.000 Sorten auf. Je nach Art und Sorte unterschieden sich dabei Form, Farbe und Größe der Trauben entschieden. Die bekanntesten Kulturformen entspringen dabei sicherlich der Echten Weinrebe (Vitis vinifera). Einzelheiten zu dieser, sowie zu einigen interessanten Alternativen haben wir in der nachstehenden Übersicht für Sie zusammengefasst:

SorteBeschreibung
Duft-Weinrebe (Winter-Weinrebe)
Vitis vulpina

Blütezeit: Juni
Frucht: dunkelblaue bis blauschwarze Trauben
Wuchshöhe: 15 bis 20 m
Herkunft: Amerika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -18 °C winterhart; reine Zierweinrebe
Echte Weinrebe
Vitis vinifera
Blütezeit: Mai bis Juli
Frucht: blauviolette, rosa oder weiße Trauben
Wuchshöhe: 10 bis 20 m
Herkunft: Europa, Mittelmeerraum
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -18 °C winterhart; Sorten der Echten Weinrebe sind entweder als Kelter- oder Tafeltrauben verwendbar; besondere Unterarten sind die Wilde Weinrebe (Vitis vinifera subsp. sylvestris) und die Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
gute Sorten:

blau: 'Blaue Paradiestraube', 'Century', 'Kodrianka', 'Purpurascens', 'Rosso', 'Solara', 'Souvenir', 'Venus'

rosa: 'Katharina', 'Piroschka', 'Rosella', 'Suffolk Read', 'Vineland'

weiß: 'Birstaler Muskat', 'Garant', 'Fanny', 'New York', 'Palatina', 'Venus'
Fuchsrebe
Vitis labrusca
Blütezeit: Juni
Frucht: blaue Trauben
Wuchshöhe: 0,3 bis 1 m
Herkunft: Amerika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -18 °C winterhart; zählt zu den ältesten Tafeltrauben
gute Sorten: 'Bangalore Blue', 'Catawba', 'Clinton', 'Concord', 'Delaware', 'Dutches', 'Fredonia', 'Isabella', 'Niagara', 'Noah', 'Sheridan'
Graurinden-Rebe
Vitis cinerea
Blütezeit: Juni bis Juli
Frucht: blauschwarze Trauben
Wuchshöhe: 5 bis 10 m
Herkunft: Amerika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -18 °C winterhart
Sand-Rebe (auch: Scheele oder Fels-Rebe)
Vitis rupestris

Blütezeit: Mai bis Juni
Frucht: rote Trauben
Wuchshöhe: 1 bis 1,5 m
Herkunft: Amerika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: bis -18 °C winterhart; Zwergweinrebe, nur selten zur Weinherstellung genutzt

Weintraube – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

© Romolo Tavani - Fotolia.com
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Weinrebstöcke sind robuste Pflanzen, die bei einem sonnigen und durchlüfteten Standort nur selten von Krankheiten oder Schädlingen befallen werden. Bei starker Feuchtigkeit können allerdings Erkrankungen wie der Echte Mehltau, der Falsche Mehltau und der Rote Brenner auftreten, die die Weinblätter beschädigen. Gegen sie hilft das Spritzen der Pflanze mit einem Milch-Wasser-Gemisch (1:9). Zusätzlich sollten die Triebe ausgedünnt werden, damit zukünftig wieder mehr trocknende Luft an die Pflanze gelangt.

Neben Krankheiten können an den Reben vor allem Fraßschäden durch Vögel auftreten, die sich an den süßen Trauben verköstigen. Zur Vorbeugung empfehlen wir hier, ein Vogelschutznetz auszubringen.

Fazit

Die Weintraube ist eine winterharte Kletterpflanze, die sich durch eine starke Wuchskraft, sowie einen extremen Hunger nach Licht und Wärme auszeichnen. Auch ein nährstoffreiches Standortsubstrat, ausreichende Belüftung, gewissenhafte Bewässerung und ein regelmäßiger Verjüngungsschnitt sind wichtig, wenn Sie privat erfolgreich Weintrauben anbauen möchten. Sind diese Kriterien erfüllt, bereiten die Rebstöcke aber kaum weiteren Pflegeaufwand. In Sachen Sorten können Sie zudem aus einem breiten Arten- und Sortenspektrum auswählen. Wichtig ist es hier, zwischen Kelter- und Tafeltrauben zu unterscheiden, den je nach Verwendung werden individuelle Varianten der Weintraube verwendet.

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