Quitte pflanzen – Standort, Schnitt und Ernte

Quitte pflanzen – Standort, Schnitt und Ernte

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Der auch als Kydonischer Apfel bekannte Quittenbaum (Cydonia) ist ein schon fast in Vergessenheit geratenes Nutzgehölz, das noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts zum Traditionsobst in deutschen Gärten gehörte. Kaum verwunderlich, denn Quitten sind mit ihrem hohen Gehalt an Vitamin C, Kalium, Natrium, Eisen und Zink eine wertvolle Nährstoffquelle. Optisch, wie auch geschmacklich mutet das mehr oder weniger behaarte Obst dabei wie eine Mischung aus Birne, Apfel und Zitrone an. Ideal also für originelle Marmeladenrezepte und Eingemachtes. Um der Quitte wieder zu etwas mehr Bekanntheit zu verhelfen, hier ein kleines Pflanzenportrait inklusive Kulturtipps.

Quittenbäume im Garten – Standorttipps und Pflanzanleitung

Als Kernobst gehören die bis zu 8 m hohen Quitten zur Familie der Rosengewächse. Sie sehen Äpfeln und Birnen also nicht nur ähnlich, sondern sind auch eng mit diesen verwandt. Dem Apfel im Speziellen macht die Quitte zudem seinen Status als Paradiesfrucht streitig. Immer wieder wird sie nämlich als wahrer Paradiesapfel diskutiert und ist dementsprechend oft als Fruchtbarkeits-, Weisheits- und Liebessymbol in mythologischen Texten erwähnt.

Ihren Ursprung haben die Quitten im Kaukasus, wo Quittenbäume schon seit über 4000 Jahren in Kultur sind. Und auch in Mitteleuropa reicht die Kulturgeschichte der Quittenbäume bis ins 9. Jahrhundert n. Chr. zurück, was zeigt, dass sich Quitten selbst in unseren gemäßigten Breitengraden sehr wohl fühlen. Die Winterhärte des Obstgehölzes ist mit -29 °C als sehr gut zu bewerten. Dennoch wünscht sich der Quittenbaum einen windgeschützten, sonnigen und halbwegs warmen Standort, kann er doch nur hier seine nahrhaften Apfelfrüchte in großer Zahl ausbilden. Als Standortsubstrat ist ein sandig-torfiger, sowie nährstoffreicher und tiefgründig aufgelockerter Boden zu empfehlen. Der richtige Boden-pH-Wert für Quitten liegt mit 5 bis 6,5 Punkten im schwach sauren bis neutralen Bereich.

Pflanztipp: Der sommergrüne Quittenbaum wächst im Vergleich zu anderen Obstgehölzen eher langsam. Er lässt sich daher auch in Kleingärten problemlos pflanzen. Achten Sie auf einen ausreichenden Abstand zu Hauswänden und Mauern, damit sich das flachwurzelnde Quittengehölz auch wirklich frei entfalten können. Schöne Mischkulturen lassen sich zudem durch Gemeinschaftspflanzungen mit Beerensträuchern und kleinwüchsigen Birnen- oder Apfelbaumsorten erzielen.


Einzelheiten zum Standort für Quitten:

  • Quittenbäume bevorzugen warme und geschützte Standorte
  • eine Lage in der Sonne oder im hellen Halbschatten ist zu empfehlen
  • auch ein ausreichender Abstand zu Mauern und Hauswänden ist wichtig
  • Boden sollte sandig-torfig, nährstoffreich und tiefgründig gelockert sein
  • Boden-pH-Wert für Quitte: schwach sauer bis neutral, zwischen 5 und 6,5 Punkten
  • der Quittenbaum wächst sehr langsam und ist ideal für kleinere Gärten
  • gute Pflanzpartner sind kleinwüchsige Obstbäume und Beerensträucher
  • Quitten sind bis -29 °C winterhart und benötigen daher keinen Winterschutz

Zur Kultur der Quitte raten wir zum Kauf vorgezogener Jungbäume. Diese lassen sich im Gegensatz zu Altbäumen deutlich leichter pflanzen und etablieren sich zudem wesentlich schneller am Standort. Bei der Pflanzung gehen sie am besten wie folgt vor:

  1. Schritt – der richtige Pflanztermin: Pflanzen Sie Ihren Quittenbaum nach Möglichkeit zeitig im Frühjahr. Die im Anschluss folgende Wärmeperiode von Spätfrühling bis Sommer tut der Quitte sehr gut und hilft ihr durch großzügige Lichtzufuhr beim Anwachsen im Boden. Da sich erste Früchte am Quittenbaum meist erst vier Jahre nach dem Pflanzen zeigen, verkürzt sich bei einer Frühjahrspflanzung zudem die Wartezeit auf eine leckere Ernte. Auch benötigen Quitten im Garten eine frostfreie Periode von mindestens 17 Wochen, weshalb von einer Herbstpflanzung definitiv abzuraten ist.
  2. Schritt – die richtige Bodenvorbereitung: Quittenbäume benötigen eine Oberbodendicke von etwa 76 cm. Das Standortsubstrat sollte deshalb vorab tiefgründig umgegraben werden. Bei Bedarf können Sie zu schweren Böden auch etwas Sand oder Torf beimischen. Eine gute Grunddüngung lässt sich durch das Einbringen von Kompost bzw. Hornspänen erzielen. Abschließend wird ein Pflanzloch ausgegraben, das etwa dreimal so groß wie der Wurzelballen der Quitte sein sollte. Wer möchte kann den Boden des Pflanzloches mit einer Drainage versehen, um den Wasserablauf zu verbessern.
  3. Schritt – Quittenbaum pflanzen: Wie viele Obstbäume weist auch die Quitte zahlreiche veredelte Sorten auf. Haben Sie ein entsprechendes Exemplar erstanden, sollte die Veredelungsstelle nach dem Pflanzen unbedingt 10 cm über der Erde liegen. Der Pflanzabstand der Quittengehölze zu Nachbargewächsen ist mit 5 m gut bemessen. Eine finale Bewässerung sowie das Abstützen der Jungbäume mit einem stabilen Pfahl machen den Pflanzvorgang dann komplett. Wer möchte, kann zusätzlich ein Gartenvlies im Wurzelbereich auslegen, um den jungen Quittenbaum im ersten Frühling vor Spätfrösten zu schützen.

Kurzschritte zum Pflanzen im Überblick:

  • Pflanztermin für Quitten: zeitiges Frühjahr, etwa gegen Ende März
  • vor dem Pflanzen den Standortboden tiefgründig auflockern
  • bei zu schweren Böden ggf. Sand oder Torf untermischen
  • zur Grunddüngung Kompost oder Hornspäne mit ins Substrat einbringen
  • anschließend Pflanzloch von 3-fachem Umfang des Wurzelballens ausgraben
  • für verbesserten Wasserablauf den Grund des Pflanzloches drainieren
  • Pflanzabstand für Quittenbäume: 5 m
  • empfohlene Oberbodendicke: mind. 76 cm betragen
  • die Veredelungsstelle der Quitte muss gut 10 cm über dem Boden liegen
  • nach dem Pflanzen den Quittenbaum gut bewässern und an Stützpfahl fixieren
  • ein Gartenvlies im Wurzelbereich schützt den Jungbaum im 1. Frühling vor Spätfrösten
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Quittenbaum pflegen – gießen, düngen und schneiden

Auch wenn Staunässe am Standort zu vermeiden ist, haben Quitten nur eine geringe Toleranz gegenüber zeitweise trockenen Böden. Das Substrat ist daher durch regelmäßige Gießgänge konstant frisch-feucht zu halten. Dies gilt insbesondere für die ersten Monate nach dem Pflanzen der Bäume, sowie für anhaltende Trockenphasen. Kalkhaltiges Wasser ist zur Bewässerung nur bedingt geeignet, da eine Überdosis Kalk dem Quittenbaum schnell zusetzen könnte. Nutzen Sie deshalb lieber Regen- oder Teichwasser.

Als schwachwüchsiges Obstgehölz zeigt sich die Quitte in Sachen Düngung sehr genügsam. Bei ausreichender Grunddüngung kommt das Obstgehölz bis zu drei Jahre ohne weitere Nährstoffgaben aus. Erst dann ist hin und wieder Hornspänen oder Kompost nachzuhelfen. Auch Blaudünger kann verwendet werden, wobei Sie hier sehr maßvoll und nach strikter Anweisung in den Herstellerangaben dosieren sollten. Ansonsten könnten die Wurzeln der Quittenbäume Schaden zur zu hochdosierte Blaudüngersalze nehmen.

Kurztipps zur Bewässerung und Düngung:

  • der Quittenbaum wünscht sich ein frisch-feuchtes Substrat
  • gerade in den ersten Monaten nach der Pflanzung muss regelmäßig gegossen werden
  • auch anhaltende Trockenphasen erfordern gezielte manuelle Bewässerung
  • zum Gießen bevorzugt Regen- oder Teichwasser nutzen
  • kalkhaltiges Leitungswasser wird von der Quitte nur bedingt vertragen
  • trotz konstanter Bewässerung ist Staunässe zu vermeiden
  • Nährstoffgaben sind bei guter Grunddüngung erst nach dem 3. Standjahr nötig
  • als Düngemittel geeignet sind Hornspäne und Kompost
  • bei Ausgabe von Blaudünger sehr maßvoll dosieren, um Übersalzung vorzubeugen

Besonders schnittintensiv ist die schwachwüchsige Quitte nicht. In jungen Jahren ist ein Auslichten kaum von Nöten. Erst im Alter bedürfen Quittenbäume hin und wieder eines Auslichtungsschnitts, um die ihre kompakte Baumkrone sowie ihren Ertragreichtum zu erhalten. Schneiden Sie hierzu vorrangig schwache sowie überkreuz wachsende Äste an der Basis ab.

Wie bereits erwähnt, ist eine erste Quittenernte bei den meisten Sorten frühestens nach dem vierten Standjahr möglich. Wer seinen Quittenbaum bis dahin liebevoll gepflegt hat, kann sich jedoch auf einen sehr üppigen Ertrag freuen. Geerntet werden Quitten im Herbst, von Oktober bis November. Pflücken Sie die goldgelben Apfelfrüchte hierfür einfach vom Baum. Werden Quitten kühl gelagert, sind sie ganze 8 Wochen nach der Ernte noch haltbar. Stellen Sie jedoch sicher, dass die Ernte noch vor dem ersten Frost erfolgt, denn Minusgrade lassen die Früchte nur allzu leicht erfrieren.

Tipp: Neben Gelee, Konfitüre und Marmelade eignet sich die Quitte auch hervorragend als Trockenobst. Gerade in der kalten Jahreszeit bietet das Kernobst im getrockneten Zustand eine wunderbare Vitaminquelle, weshalb wir die Weiterverarbeitung zu Dörrobst sehr empfehlen.


Kurztipps zu Schnitt und Ernte:

  • Quittenbaum muss erst im Alter ausgelichtet werden
  • vorrangig schwache und überkreuz wachsende Triebe bis zur Basis einkürzen
  • Ernte ab dem 4. Standjahr, zwischen Oktober und November möglich
  • Früchte unbedingt vor dem ersten Frost vom Quittenbaum pflücken
  • danach kühl Lagern oder zu Dörrobst trocknen

Interessante Sorten der Cydonia

Die Gattung Cydonia enthält nur eine Art, nämlich die Cydonia oblonga. Diese hat jedoch eine große Vielfalt an Sorten vorzuweisen, welche sich maßgeblich in ihrer Formgebung, Blütenfarbe und Größe unterscheiden. Des Weiteren bieten die Sträucher der Zierquitte (Chaenomeles) einige schöne Alternativen, die teilweise ebenfalls als Wildobst genutzt werden können. Im Folgenden eine kleine Übersicht zu besonders schönen Quittenvarianten

SorteBeschreibung
Edel-Quitte 'Robusta'
Cydonia oblonga 'Robusta'

Blüte: weiße Blüten
Frucht: gelbgrüne, birnenförmige Früchte
Besonderheiten: Birnenquitten der Sorte ‘Robusta‘ sind äußerst resistent gegen Mehltau, Feuerbrand und Blattfleckenkrankheit; Ernte oft schon im 2. oder 3. Standjahr möglich
Japanische Zierquitte 'Elly Mossel'
Chaenomeles japonica 'Elly Mossel'

Blüte: feuerrote Blüten
Frucht: gelbe, apfelförmige Früchte
Besonderheiten: großblütige Zierquitte; üppige Zweitblüte im Spätsommer möglich
Konstantinopeler Apfelquitte
Cydonia oblonga 'Konstantinopeler'
Blüte: weiße Blüten
Frucht: hellgelbe, apfelförmige Früchte
Besonderheiten: sehr ertragreiche Sorte; Konstantinopeler Apfelquitten sind mitunter sehr kalktolerant und resistent gegenüber Feuerbrand
Japanische Zierquitte 'Nivalis'
Chaenomeles japonica 'Nivalis'

Blüte: schneeweiße Blüten
Frucht: tiefgelbe, apfelförmige Früchte
Besonderheiten: bis zu 1 m hohe Zwergquitte; ideal für Strauchpflanzungen
Zierquitte 'Pink Lady'
Chaenomeles x superba 'Pink Lady'

Blüte: dunkelrosa Blüten
Frucht: gelbgrüne, apfelförmige Früchte
Besonderheiten: sehr blütenreicher, bis zu 1,5 m hoher Zierquittenstrauch
Portugiesische Birnenquitte
Cydonia oblonga 'Portugieser'


Blüte: hellrosa Blüten
Frucht: strohgelbe, birnenförmige Früchte
Besonderheiten: äußerst beliebte Kultursorte der Quitte; Portugiesische Birnenquitten besitzen ein sehr angenehmes Aroma
Riesenquitte von Leskovac
Cydonia oblonga 'Leskovac'
Blüte: hellrosa Blüten
Frucht: goldgelbe, birnenförmige Früchte
Besonderheiten: weitverbreitete Kultursorte der Birnenquitten; für den Anbau wird eine Befruchtersorte benötigt


Quitte – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

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Bis auf Blattläuse, die sich durch den Einsatz von Nützlingen gut in Schach halten lassen, können Schädlinge dem Quittenbaum kaum etwas anhaben. Allerdings machen dem Obstgehölz einige Krankheiten, darunter der in Deutschland meldepflichtige Feuerbrand und die Blattfleckenkrankheit zu schaffen. Zu erkennen ist ein Befall an dunkelbraun bis schwarz verfärbten Blättern und Triebspitzen. Vor allem der Feuerbrand macht hier ein sofortiges Fällen betroffener Bäume notwendig, da die Erkrankung sehr aggressiv ist und leicht auf andere Pflanzen im Garten übergreifen kann.

Die häufigste Ursache für Krankheiten an Quittenbäumen sind zu feuchte Witterungen im Frühling, sowie Staunässe am Standort. Versuchen sie daher, entsprechende Pflegefehler zu vermeiden.

Fazit

Die Quitte ist ein altes Traditionsobst, das heutzutage leider viel zu selten gepflanzt wird. Dabei hat das Pflanzen von Quittenbäumen einige Vorzüge. So benötigt das Obstgehölz zum Beispiel kaum Dünge- oder Schnittmaßnahmen und in Sachen Standortbedingungen sind kaum spezielle Vorkehrungen zu treffen. Zudem haben Quitten dank ihrer attraktiven Blüten auch einen besonderen Zierfaktor. Alternativ zur Echten Quitte können Sie hier auch Varianten der Zierquitte pflanzen, deren Apfelfrüchte ebenfalls essbar sind.

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