Ochsenzunge (Anchusa) – Standort, Pflanzen und Pflege

Ochsenzunge (Anchusa) – Standort, Pflanzen und Pflege

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Auch wenn die bis zu einem Meter hohe Ochsenzunge (Anchusa) im Garten meist nur als zweijährige Zierpflanze kultiviert wird, schenkt sie während dieser Zeit optisch doch viel Freude. Mit ihren blauen Blütenrispen, die am Schlund behaart und zu einer Kronröhre verwachsen sind, verschönern die Raublattgewächse jedes Beet. Einen neckischen Akzent setzen dabei die weißen Schlundschuppen der Anchusa. Da sie den Schlund nach innen gut verschließen, können kleine, bestäubungsunfähige Insekten sicher abgewehrt werden, sodass nur große Nützlinge wie Bienen und Hummeln an den Blütennektar gelangen. Ein effizienter Schutz zur Schädlingsabwehr also, der für Gartenliebhaber sehr interessant sein dürfte.

Trotz dieser Vorzüge darf aber nicht vergessen werden, dass es sich bei der Ochsenzunge um eine Giftpflanze handelt. Zwar wurde die Art Anchusa officinalis früher gerne als Heilpflanze und Küchenkraut genutzt, da sie aber giftige Pyrrolizidinalkaloide wie Lycopsamin in hoher Konzentration enthält, wird heute von einer medizinischen Verwendung entschieden abgeraten. Forscher vermuten zudem eine krebserregende Wirkung der Pyrrolizidinalkaloide.


Wissenswertes: Der Name Ochsenzunge bezieht sich auf die Schlundschuppen der Pflanzenblätter, welche rau, behaart und einer Rinderzunge ähnlich sind. Der Begriff anchusa hingegen entstammt dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt so viel wie ‚Schminke‘. Tatsächlich nutzte man nämlich in der Antike den roten Saft der Ochsenzunge für kosmetische Zwecke. Da die Giftigkeit der Pflanze inzwischen aber gut bekannt ist, sollten Sie von privaten Kosmetikexperimenten definitiv absehen.


Ochsenzunge pflanzen – Standort und Ablauf

Die Ochsenzunge stammt aus der Pflanzenfamilie der Raublattgewächse (Boranginaceae). Ihre bis zu 50 Arten sind maßgeblich im Mittelmeerraum, sowie in lichtreichen Nachbargebieten Asiens, Afrikas und Europas heimisch. In Sachen Lichtverhältnisse akzeptiert die Pflanze deshalb ausschließlich volle Sonne. Gute Pflanzpartner für den sonnigen Standort sind Indigolupine, Junkerlilien und Türkischer Mohn.

Anspruchslos ist die Anchusa was Bodenverhältnisse anbelangt. Hier toleriert die Pflanze so gut wie jeden Bodentyp, vorausgesetzt, dieser ist durchlässig, nährstoffreich, mäßig sauer bis neutral und so kalkarm wie möglich. Gelegentliche Bodentrockenheit macht der Ochsenzunge nichts aus.

Einzelheiten zum Standort für Ochsenzungen:

  • für Anchusa Standort in voller Sonne wählen
  • gute Pflanzpartner: Indigolupine, Junkerlilie und Türkischer Mohn
  • alle Bodentypen sind für eine Pflanzung geeignet
  • Substrat sollte durchlässig und nährstoffreich sein
  • pH-Wert: mäßig sauer bis neutral
  • kalkreiche (alkaklische) Böden meiden
  • Ochsenzunge verträgt Trockenheit gut

Die Anchusa kann durch Selbstaussaat zu einem ansehnlichen Dauergast in Ihrem Garten werden. Hierfür ist neben einer guten Standort- aber auch die richtige Sortenwahl wichtig. Wenngleich Sorten der Italienischen Ochsenzunge (Anchusa azurea) beispielsweise mit ihren außergewöhnlichen Blaufärbungen beeindrucken, sind sie aufgrund ihrer mangelnden Kälteresistenz sehr empfindlich und zur Selbstaussaat meist ungeeignet. Für eine sichere Selbstaussaat wird deshalb die Gemeine Ochsenzunge (Anchusa officinalis) empfohlen. Sie ist robuster als ihre Artgenossen und übersteht den Winter erfahrungsgemäß besser.

  1. Schritt – Aussaat- bzw. Pflanztermin: Der beste Zeitpunkt für eine Direktaussaat der Anchusa officinalis liegt zwischen März und Mai. Für eine Pflanzung legen wir Mitte Mai bis Ende Juni nahe, da die Pflanze während der Ausbringung bereits blüht und so rasch den Garten verschönert.


  2. Schritt – Ochsenzunge aussäen oder pflanzen: Sowohl für eine Aussaat als auch für die Pflanzung ist ein Abstand von 30 bis 60 cm zwischen einzelnen Ochsenzungen empfohlen. Die Raublattgewächse entwickeln bis zu 1,2 m tiefe Pfahlwurzeln und brauchen in der Erde dementsprechend viel Platz. Die Saattiefe beträgt 0,5 cm.


  3. Schritt – Substrat auffüllen: Füllen Sie das Pflanzloch der Anchusa officinalis nach dem Setzen mit Erde. Achten Sie aber darauf, den Boden nicht zu sehr zu verdichten. Die Saattiefe für Samen der Gemeinen Ochsenzunge beträgt 0,5 cm.

Kurzschritte zur Aussaat und Pflanzung im Überblick:

  • Anchusa officinalis verspricht den besten Kultivierungserfolg
  • Aussaat der Anchusa officinalis zwischen März und Mai
  • Pflanzung der Gemeinen Ochsenzunge von Mitte Mai bis Ende Juni
  • Pflanz- und Saatabstand: zwischen 30 und 60 cm
  • Saattiefe: 0,5 cm
  • Pflanzlöcher mit Erdsubstrat auffüllen ohne Boden zu verdichten

Pflege der Ochsenzunge – gießen, düngen, schneiden

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Kurze Trockenphasen machen der Ochsenzunge nicht viel aus. Von März bis Oktober wird daher zwar regelmäßig, aber mäßig gegossen. Mit dem Nachgießen warten Sie am besten, bis die obere Bodenschicht gut getrocknet ist. Auf diese Weise verhindern sie Wurzel- und Pflanzenhalsfäulnis durch Staunässe.

Düngen ist bei Ochsenzungen eine heikle Angelegenheit. Die langen Pfahlwurzeln der Raublattgewächse gelten unter Gärtnern ohnehin schon als hartnäckig und bei Bedarf nur sehr schwer zu entfernen. Eine Düngung könnte diese Wurzelhartnäckigkeit weiter anfachen, weshalb sie es vorerst ohne versuchen sollten.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Gemeine Ochsenzunge von März bis Oktober in Maßen gießen
  • Nachgießen erst, wenn Oberboden getrocknet ist
  • auf Düngemittel zur besseren Wurzelkontrolle verzichten

Geschnitten wird die Gemeine Ochsenzunge entweder nach der Blüte oder zu Beginn des Austriebs im Frühjahr. Schneiden Sie die Pflanze etwa auf Handhöhe zurück und entfernen Sie verwelktes Laub. Sofern Sie die Anchusa officinalis nach der Blüte schneiden, können Sie verbliebenes Saatgut absammeln. Zwicken Sie hierzu die Kronröhre der Blüten ab und überprüfen Sie diese auf Samen.


Vermehrung durch Selbstaussaat: Gegenüber manch anderen Anchusa besitzt die Gemeine Ochsenzunge den Vorteil, dass sie sich an einem geeigneten Standort alljährlich durch Selbstaussaat vermehrt. Diesen Prozess können sie unterstützen, indem Sie verwelkte Blütenrispen der Anchusa officinalis unterhalb ihrer Kronröhre von der Pflanze entfernen, nach Samen absuchen und diese aussäen


Kurztipps zum Schneiden und Vermehren:

  • Schneiden der Anchusa officinalis im Frühjahr oder nach der Blüte
  • Pflanze auf Handhöhe einkürzen und verwelkte Blätter entfernen
  • Gemeine Ochsenzunge vermehrt sich durch Selbstaussaat
  • in der Pflanze verbliebenes Saatgut absammeln, um Selbstaussaat zu fördern

Winterschutz der Ochsenzunge

Viele Gärtner berichten davon, dass ihre Gemeine Ochsenzunge ohne Winterschutz gut durch die kalte Jahreszeit kommt. Für kälteempfindlichere Arten und Hybridsorten der Anchusa gilt das nur bedingt. Ein Abdecken des Wurzelbereichs mit Stroh oder Laub ist aber auch hier völlig ausreichend.

Übersicht zu interessanten Arten der Anchusa

Sicherlich ist die Anchusa officinalis am besten für eine Kultivierung im Garten geeignet. Falls Sie auf die zahlreichen Blauvarianten anderer Arten aber nicht verzichten möchten, können Sie es ja einfach mal auf einen Kultivierungsversuch ankommen lassen: zu diesem Zweck hier eine kleine Auswahl:

SorteBeschreibung
Ackerochsenzunge
Anchusa arvensis
Blütezeit: Mai bis September
Blütenfarbe: hellviolett bis hellblau
Wuchshöhe: 15 bis 40 cm
Herkunft: Äthiopien, Ostafrika
Eignung für Kultivierung: gut
Besonderheiten: Bienenweide, gut als Bodendecker
Gemeine Ochsenzunge
Anchusa officinalis
Blütezeit: Juli bis September
Blütenfarbe: purpur bis enzianblau
Wuchshöhe: 60 bis 80 cm
Herkunft: Ost- und Mitteleuropa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: winterhart, erfolgreiche Selbstaussaat gut möglich
Italienische Ochsenzunge
Anchusa azurea
Blütezeit: Juni bis Juli
Blütenfarbe: azurblau
Wuchshöhe: 40 bis 100 cm
Herkunft: Italien, Mitteleuropa
Eignung für Kultivierung: gut
Besonderheiten: gute Sorten: Dropmore, Little John & Loddon Royalist
Kap-Ochsenzunge
Anchusa capensis
Blütezeit: Juli bis August
Blütenfarbe: blauviolett
Wuchshöhe: 15 bis 20 cm
Herkunft: Lesotho und Swasiland, Südafrika
Eignung für Kultivierung: gut
Besonderheiten: Bienenweide und Bodendecker; gute Sorte: Blue Angel

Ochsenzunge mögliche Krankheiten/Schädlinge

Parasiten oder Krankheiten machen der Ochsenzunge kaum zu schaffen. Einzig vor Pilzkrankheiten, die Wurzel- und Pflanzenfäulnis verursachen, sollten Sie Ihre Anchusa gründlich schützen. Gießen Sie hierzu stets maßvoll und entfernen Sie überschüssiges Gießwasser sofort, um Staunässe zu vermeiden. Auch verwelkte Pflanzenteile sind diesbezüglich routiniert zu entfernen.

Fazit

In ihrer Pflege sind Ochsenzungen relativ anspruchslos. Allerdings vertragen einige Arten den mitteleuropäischen Winter nicht allzu gut. Eine Ausnahme bildet die Gemeine Ochsenzunge. Sie ist weitestgehend winterhart und verspricht zudem auch die besten Erfolge bei der Selbstaussaat. Verzehren oder gar medizinisch anwenden sollten Sie die Anchusa officinalis aber nicht, denn obwohl sie immer wieder als altes Küchen- und Heilkraut bezeichnet wird, ist sie aufgrund ihrer hochkonzentrierten Pyrrolizidinalkaloide giftig und somit für Laien äußerst gefährlich.

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