Naturgarten – Die ungezähmte Wildnis kultivieren

Naturgarten – Die ungezähmte Wildnis kultivieren

Einen Naturgarten anzulegen, ist von hohem ökologischen Wert, denn die ungezähmte Flora des Naturgartens kann, wenn richtig geplant, so vielen Nützlingen und gefährdeten Arten Zuflucht bieten, wie kaum ein anderes Gartenkonzept. Leider bescheren diese wilden Ableger der Natur ihren Gärtnern häufig Dispute mit dem Nachbarn, sofern dieser von dem belebten Dickicht nicht begeistert ist. Was Sie tun können, damit ihr Ökoparadies nicht zum dauerhaften Zaunstreit führt, und welche Dinge Sie beim anlegen und pflegen von Naturgärten beachten sollten, verraten wir Ihnen hier.

Japanischer Garten Fernost ganz nah

Kultivierte Natur mit langer Tradition

Die Entstehungsgeschichte des Naturgartens ist mit der des Bauerngartens eng verwoben. In gewisser Weise lieferte der wilde Naturgarten nämlich die Vorlage für den Bauerngarten, der zwar sehr strukturiert wirkt, sich in seinem Pflanzenrepertoire aber vornehmlich naturnaher Materialien und Wildpflanzen bedient. Erstmals diskutiert wurde der Begriff ‚Naturgarten‘ dabei im 18. Jahrhundert, gut 100 Jahre vor der Entstehung des Bauerngartens. Das natürliche Gartenkonzept sollte ein klarer Kontrast zum streng geformten Englischen Garten sein und nicht wie dieser die Natur idealisieren, sondern sie erhalten.

Heutzutage gilt der Naturgarten als Inspirationsquell für viele andere Gartenformen. Zu verdanken ist das zum einen den Bemühungen der Naturgartenbewegung selbst, die sich ab dem 19. Jahrhundert aktiv für den Erhalt und Schutz der natürlichen Landesflora einsetzte. Sie sorgte dafür, dass der Naturgarten bei einer Reihe neuer Gartenformen Pate stand, so zum Beispiel dem Schulgarten, dem modernen Apothekergarten, und schließlich auch dem Bauerngarten.

 

Viele Schulgärten setzen noch heute auf naturnahe Gartenkonzepte

 

Eine weitere Kraft, die dem Naturgarten bis heute zu großer Beliebtheit verhilft, sind Naturschutzvereine, die sich wie die Naturgartenbewegung für den Erhalt der heimischen Flora und Fauna engagieren. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich im Naturgarten zahlreiche gefährdete Pflanzen- und Tierarten tummeln. Unterscheiden lassen sich dabei zwei Arten von Naturgarten:

  • WildgartenDer Wildgarten lässt sich auch als ‚echter‘ Naturgarten beschreiben. Hier summt und zwitschert es am intensivsten, da die Vielfalt an wild wuchernden Geästen, Blüten und Früchten unzähligen Insekten, wie auch kleinen Nagetieren und Vögeln ein regelrechtes Schlaraffenland offenbart. Auf einen ganzen Pulk dauerhafter Untermieter im Garten können sie sich also einstellen. Im öffentlichen Raum kommen Wildgartenkonzepte unter anderem bei der Renaturierung öffentlicher Plätze (z.B. Spielplätze oder Geröllhalden), im Rahmen ländlicher Gartenkonzepte, oder als Park- und Verkehrsbegleitgrün zum Einsatz.
  • naturnaher GartenDer naturnahe Garten ist eine moderne Sonderform des Naturgartens. Stark angelehnt an die Prinzipien des Naturschutzes, stellt dieser Naturgarten eine strukturierte, aber äußerst naturnahe Alternative zum Wildgarten, in der es zwar ebenfalls Gäste aus dem Tierreich gibt, diese jedoch durch gezielte Gestaltungsmaßnahmen ‚eingedämmt‘ werden. Mischformen zwischen naturnahen Gärten und Wildgärten gibt es viele. Auch lässt sich der naturnahe Garten mit anderen Gartenformen kombinieren. Dies ist zum Beispiel im Bauerngarten, Öko- und Biogarten, sowie im Waldgarten, einer Sonderform des Schattengartens, der Fall. Sogar im Steingarten, wo Szenerien aus der freien Natur authentisch nachgebildet werden, finden naturnahe Elemente ihren Platz.

 

Naturgarten anlegen und gestalten

Ob Sie einen wilden Naturgarten oder einen naturnahen Garten anlegen sollten, hängt in erster Linie davon ab, wie die Nachbarschaft auf das wuchernde Experiment reagiert. Auf jeden Fall sollten Sie vor dem Anlegen eines Naturgartens mit Ihren Nachbarn über Ihre Pläne reden, denn von der Tier- und Insektenwelt, die Sie mit einem Wildgarten anziehen, ist nicht jeder Gartenbesitzer begeistert. Es finden nämlich nicht nur Nützlinge, sondern auch viele Schädlinge den natürlichen Garten anziehend. Werden die Gärten dann noch überdüngt oder und lassen Unkraut in Massen gedeihen, ist es mit dem Frieden in der Nachbarschaft oftmals schnell vorbei.

Im Allgemeinen empfiehlt sich also, in stark besiedelten Reihenhaussiedlungen lieber auf einen gemäßigt naturnahen Garten zu setzen. Auf dem Land, wo die Anzahl an Nachbarn überschaubar, und die Gartenareale oft ohnehin von wuchernder Wildnis und Zaungästen aus dem Tierreich umgeben sind, kommt ein wilder Naturgarten hingegen wunderbar zur Geltung. Hier fügt sich das Dickicht auch sichtlich harmonisch in die ländliche Umgebung und besitzt damit ein hohes Maß Authentizität. Für welches Konzept Sie sich letztendlich auch entscheiden mögen, beachten sollten Sie dabei ein paar Grundsätze der Natur:

1. In der Natur gibt es nichts künstlichesSeien es nun chemische Spritzmittel, künstlicher Dünger oder Gartenelemente aus Kunststoff und Metall – nichts davon hat im Naturgarten etwas zu suchen. Verwenden Sie ausschließlich natürliche und naturnahe Materialien und düngen Sie den Boden Ihres Naturgartens nur mit ökologisch unbedenklichen Düngemitteln, die später in den biologischen Kreislauf eingehen. Denkbar ist diesbezüglich zum Beispiel Kompost oder Vogelguano. Was den Pflanzenschnitt im Naturgarten anbelangt, so darf nur sehr vorsichtig ausgelichtet werden, damit die Eingriffe des Gärtners ins Naturambiente nicht auffallen.

2. die Natur bietet Leben aller Art ZufluchtNatürliche und naturnahe Gärten müssen der heimischen Flora und Fauna gleichermaßen dienen. Einen Naturgarten so anzulegen, dass möglichst wenig darin kreucht und fleucht, ist demnach schier unmöglich. Was sie aber tun können, ist gezielt Nist- und Futterquellen anzulegen, um der Tier- und Insektenwelt ihren eigenen Platz im Naturgarten zuzuweisen. Legen Sie doch einfach bewusst Nistplätze für Vögel an (z.B. mit Hecken oder Sträucher) und integrieren Sie ein Insektenhotel in Ihr Naturidyll. Ein Winterquartier für so manchen Igel und andere Herbstvagabunden ist ebenfalls nützlich.

3. die Natur hat Höhen und TiefenEs spricht nichts dagegen, die Gartenfläche für Ihren Naturgarten so zu arrangieren, dass sich ein natürliches Landschaftsbild ergibt. Sowohl das Aufschütten von Hügeln, als auch das Integrieren von Gewässern (z.B. Gartenteich oder kleine Bachläufe) ist im Naturgarten erlaubt. Selbstverständlich sollte die Landschaftsszenerie den wilden Charakter der Natur wieder spiegeln. Ob sie dabei mit Erd-, Geröll- oder Kieswällen arbeiten, ist aber ganz ihren Vorlieben überlassen. Übertreiben Sie es aber nicht mit der Formgebung, denn nach der Bepflanzung sollte von dem menschlichen Eingriff in die Naturfläche nichts zu sehen sein. Das Bodensubstrat im Garten sollte darüber hinaus soweit wie möglich an natürliche Gegebenheiten angepasst werden.

4. Gestaltungselemente im NaturgartenNeben einem Gartenteich oder Bachlauf sind vor allem Blumenwiesen, Trockenmauern aus natürlichem Gestein und Totholzhaufen wichtige Elemente im Naturgarten. Sie bieten nicht nur Tieren Zuflucht, sondern bringen auf natürliche Weise etwas Struktur ins ungebändigte Dickicht. Ein fließender Übergang ist in Sachen Gartenwege und Sitzgelegenheiten gefragt. Um entsprechende Flächen zu gestalten, raten wir zu Naturmaterialien wie Kies, Naturstein oder Naturholz.

5. Bepflanzung im NaturgartenWovon natürliche und naturnahe Gärten leben, sind Wildpflanzen. Wildkräuter, ebenso wie Wildblumen und wilde Sträucher prägen das Bild im Naturgarten und dürfen, zumindest im naturnahen Garten, auch in Beetform kultiviert werden. Denkbar sind beispielsweise Wildkräuterbeete und Kräuterspiralen, oder Gemüsebeete nach Vorbild des Öko- oder Biogartens. Berücksichtigen Sie bei derartigen Ideen aber, dass sich die Beete nicht durch allzu markante Beetgrenzen vom Rest des Naturgartens abheben dürfen. Ähnlich sieht es bei Solitärgehölzen und Wildhecken aus. Diese sollten nach Möglichkeit ungezwungen wachsen und so wenig wie möglich beschnitten werden.

 

Wichtige Wildpflanzen für den Naturgarten

Das Reich der Wildpflanzen beinhaltet eine Vielzahl traditioneller Gartengewächse. Doch auch seltenen und fast vergessenen Arten bietet der Naturgarten ein ideales Schutzgebiet. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass ein natürliche Gärten mitunter ein Langzeitprojekt sind. Oftmals steht Gärtnern hier zunächst eine experimentelle Phase bevor, in der ausgetestet werden muss, welche Wildpflanzen sich im eigenen Garten dauerhaft halten, und wir ihr Wildwuchs mit dem restlichen Naturgarten harmoniert. Auch müssen zunächst einmal Grundelemente, wie Trockenmauern oder ein Gartenteich installiert werden, ehe um sie ein wilder oder naturnaher Garten seine Wurzeln schlagen kann.

Seien Sie also ruhig kreativ und probieren Sie verschiedene Pflanzenkombinationen aus. Dabei empfiehlt es sich, zu Beginn nur wenige Pflanzen zu wählen und ihren Bestand im Garten nach und nach zu ergänzen oder zu verändern. Ein Standortwechsel zu Versuchszwecken lässt sich zu diesem Zweck mit den meisten Wildpflanzen problemlos bewerkstelligen.

 

Wildblumen und wilde Zierstauden: Wer in seinem Naturgarten eine Blumenwiese anlegen möchte, der ist zwangsläufig auf Wildblumenarten angewiesen. Gleiches gilt für blütenreiche Zierstauden, die auf fast allen Wiesen in freier Wildbahn heimisch sind und deshalb auch auf der mehrjährigen Blumenwiese nicht fehlen dürfen. Zudem können Stauden mit Zierwert auch in Einzelstellung ihren Zweck erfüllen. Sollen zum Beispiel kahle Steinmauern überwallt oder aufgeschüttete Hügel in ein Pflanzenkleid gehüllt werden, bieten Zierstauden wunderbare Lösungsansätze. Absehen sollten Sie in Sachen Blumen und Zierstauden für den Naturgarten logischerweise von kultivaren Hybriden einstiger Wildformen. Durch die künstlichen Züchtungen nehmen Sie ihrem Garten ansonsten ein Stück Authentizität. Pflanzen Sie darum nur Originalsorten, was bei der großzügigen Auswahl an wilden Blumen und Zierstauden aber kein Problem sein sollte. Hier ein Überblick:

Akelei, Aster, Blutweiderich, Ehrenpreis, Eisenhut, Flockenblume, Gauklerblume, Geissbart, Glockenblume, Goldrute, Hahnenfuß, Himmelsleiter, Immenblatt, Immergrün, Iris, Kamille, Knöterich, Königskerze, Küchenschelle, Kuckucksblume, Leberblümchen, Lerchensporn, Lichtnelke, Lobelien, Löwenzahn, Lupine, Mädesüß, Malve, Margerite, Nachtkerze, Natternkopf, Ochsenauge, Pfingstrose, Pippau, Platterbse, Primel, Rittersporn, Schneeglöckchen, Schwertlilie, Schlüsselblume, Spaltgriffel, Spornblume, Steinsame, Sterndolde, Sternmiere, Storchschnabel, Sumpfdotterblume, Simse, Trollblume, Vergissmeinnicht, Violen, Wasserdost, Wegwarte, Weidenröschen, Wiesenknopf, Wiesenraute, Windröschen, Witwenblume, Wucherblume

Wildkräuter: Auch einige Kräuter sind Stammgast auf der Wildblumenwiese. Häufiger stellen sie im Naturgarten aber die Bepflanzung von Wildkräutergärten, oder verschönern als kleine Solitärstauden schmucklose Flächen. Einige Wildkräuter eignen sich sogar als Beetpolster oder Fassadenbegrünung, wobei es Ziel sein muss, die Überwallungen so natürlich wie möglich wirken zu lassen. Besonders interessant sind im Naturgarten auch ungewöhnliche Beetformen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Brennnesselbeet? Das vermeintliche Unkraut ist kennzeichnend für zahlreiche Naturareale und birgt zudem auch ungeahnte Heilkräfte. Weitere Wildkräuter sind neben der Brennnessel:

Alant, Baldrian, Bärlauch, Beifuß, Beinwell, Bibernelle, Braunelle, Fenchel, Fingerkraut, Frauenmantel, Gundermann, Günsel, Hainkraut, Haselwurz, Huflattich, Immenblatt, Johanniskraut, Kerbel, Klee, Kresse,  Leinkraut, Mauerpfeffer, Melisse, Meisterwurz, Mutterkraut, Nelkenwurz, Nießwurz, Pfennigkraut, Ringelblume, Salbei, Seifenkraut, Schafgarbe, Schaumkraut, Schöllkraut, Schwalbenwurz, Tausendgüldenkraut, Tellerkraut, Walderdbeere und Waldmeister

Wildsträucher: Ein ungebändigtes bzw. leicht gezähmtes Dickicht wie das im Naturgarten bedarf natürlich auch einiger wilder Sträucher. Sie dienen in naturnahen- und Wildgärten zum einen als Solitärbüsche und Wildhecken. Zum anderen bieten die Gehölze Vögeln sicheren Unterschlupf und tragen sogar oftmals für Tier und / oder Mensch schmackhafte Früchte. Kultivieren Sie hier aber nicht zu viele hohe Sträucher, denn Gehölze benötigen sehr viele Nährstoffe und könnten deshalb gerade zu Beginn des Experiments Naturgarten leicht kleinere Stauden aus der Gartenflora vertreiben. Besonders gerne gepflanzte Wildsträucher sind:

Brombeere, Ginster, Faulbaum, Flieder, Hartriegel, Haselnuss, Heckenkirsche, Himbeere, Holzapfel, Holunder, Hundsrose, Johannisbeere, Liguster, Mehlbeere, Sanddorn, Sauerdorn, Spindelstrauch, Schlehe, Schneeball, Stachelbeere, Stechpalme und Weißdorn

Wildgräser und Farne: Was wären Gewässer wie der naturnahe Gartenteich ohne einen malerischen Saum aus hohen Gräsern und Farnen? Und was geschähe mit dem Anblick einer Wildblumenwiese, wenn aus ihrem Blütenmeer nicht hier und da die zarten Blattspitzen von Seggen, Pfeifen- oder Zittergras herausragten? Ohne Zweifel haben neben blütenreichen Wildstauden und -sträuchern auch wilde Gräser und Farne ihre Daseinsberechtigung im Naturgarten. Zwar mögen Sie Grünpflanzen sein, doch die elegante Form ihrer Blätter und Halme ist wie der letzte Pinselstrich, der dem Naturgarten das gewisse Etwas verleiht. Zur Geltung kommen die Grünpflanzen übrigens fast überall. Ob Sichtschutz, Solitär, Uferbegründung oder Wiesenzierde – mit Gräsern und Farnen haben sie wunderbare Möglichkeiten zum Kaschieren, Säumen und Verdichten. Setzen Sie hierbei insbesondere auf:

Adlerfarn, Binse, Frauenfarn, Glanzgras, Hirschzunge, Lappenfarn, Perlgras, Pfeifengras, Rippenfarn, Rispengras, Ruchgras, Segge, Steinfeder, Tüpfelfarn oder Zittergras

 

Naturgarten – Tipps zur Dekoration

Deko ist im Naturgarten nur bedingt angebracht. Immerhin entrückt jedes künstliche Element, und sei es noch so schön, den Garten aus der Natur. Das höchste der Gefühle sollten deshalb Vogeltränken, rustikale Steinelemente oder farblich dezent gehaltene Sitzgelegenheiten aus Naturmaterial sein. Manchen Gärtnern ist auch ein verwittertes Gartengerät (z.B. ein Bollerwagen oder eine Schubkarre aus Holz) sehr wichtig, da es die Wildheit des Gartens unterstreicht. Die Gartengrenzen des Naturidylls lassen sich daneben mit Flechtzäunen oder Wildhecken verschönern.

 

Fazit

Der ‚echte‘ Naturgarten ist eigentlich nur für schwach besiedelte Wohngebiete auf dem Land zu empfehlen. Hier, wo die Natur ohnehin das Landschaftsbild prägt, fügt sich die ungebändigte Gartenbotanik harmonisch in die Ebenen der Wälder und Felder. Für städtische Gärten empfiehlt sich dagegen, einen naturnahen Garten anzulegen. Bei der Gestaltung kommt es dann darauf an, als Gärtner so unscheinbar wie möglich in Aktion zu treten, denn was den Naturgarten ausmacht, ist sein wilder Charme. Schnittmaßnahmen und wenig harmonische Übergänge zwischen einzelnen Gartenarealen sind demnach zu vermeiden. Gedüngt wird die heimische Wildnis nur mit Öko-Dünger á la Kompost oder Guano. Beim Arrangieren der Pflanzen- und Gestaltungselemente ist dann etwas Experimentierfreudigkeit und Ausdauer gefragt.

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