Mispel pflanzen – Standort, Pflege und Schneiden

Mispel pflanzen – Standort, Pflege und Schneiden

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Die auch als Dörrlitze oder Hespelein bekannte Mispel (Mespilus) ist ein sommergrüner Laubbaum oder Strauch, der als Obstgehölz schon fast in Vergessenheit geraten ist. Dabei waren die sauer-aromatischen Apfelfrüchte, die das Gehölz im Herbst ausbildet, früher eine beliebte Zutat für Marmelade und Eingemachtes. Ebenso ist das rote Kernobst der Mispeln als Nährstofflieferant nicht zu verachten, enthält es doch wertvolle Mengen an Vitamin C, Calcium und Kalium. Wer an einer Kultur von Mespilus interessiert ist, für den haben wir hier ein paar nützliche Tipps zur Pflanzung und Pflege festgehalten.

Mispel pflanzen – Standort und Ablauf

Die Mispel zählt zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist vor allem in Asien, sowie den warmen Regionen der Mittelmeerküste heimisch. Dort gedeihen Mispeln am besten an warmen und vollsonnigen Standorten, die gut vor Wind geschützt sind. Durch ihre ausladende und dicht verzweigte Baumkrone eignet sich die Mispel hervorragend als zierender Schattenspender für den Garten. Ebenso lässt sich das Obstgehölz als Strauch pflanzen. Ein guter Tipp ist es hier, die Mispeln als Spindelstrauch zu erziehen.

An das Standortsubstrat stellt die Mispel keine besonderen Ansprüche. Ein kalkhaltiger, sandig-lehmiger Boden ist zwar ideal, doch auch auf anderen Böden können sich Mispeln gut entwickeln. Unerlässlich ist allerdings ein durchlässiges Substrat, denn Mespilus sollte zwar frisch-feucht, aber nicht nass stehen. Der Boden-pH-Wert ist mit neutralen 6,0 bis 8,0 Punkten gut bemessen.

Einzelheiten zum Standort für Mispeln:

  • die Mispel bevorzugt vollsonnige und windgeschützte Standorte
  • kalkhaltige, sandige bis lehmige Böden ist ideal
  • das Substrat muss außerdem frisch-feucht und durchlässig sein
  • pH-Wert des Bodens: neutral, von 6,0 bis 8,0
  1. Schritt – Pflanztermin wählen: Um eine Mispel in den eigenen Garten zu integrieren eignen sich bereits vorgezogene Jungbäume, die im Frühjahr ins Freiland gesetzt werden. Damit das Mispelbäumchen optimal im Boden anwurzeln kann, sollte dieser frei von Frost sein. Die Pflanzung erfolgt daher am besten ab April, sobald kein Nachtfrost mehr auftritt.
  2. Schritt – Boden vorbereiten: Vor dem Pflanzen wird der Standortboden der Mispel tiefgründig gelockert und je nach Beschaffenheit mit Sand, Lehm und / oder Kalk angereichert. Eine kleine Menge Kieselsteine als Drainage im Pflanzloch sorgt zusätzlich für eine bessere Bodendurchlässigkeit.
  3. Schritt – Mispel pflanzen: Graben Sie ein Pflanzloch aus, das in etwa anderthalb mal so groß wie der Wurzelballen des Mispelbaums ist. Anschließend wird das Mispelbäumchen ins ein Pflanzloch gesetzt und die Erde gut angedrückt. Nach dem Pflanzen sollten Sie Ihre Mispel ausgiebig anwässern und an einen Stützpfahl binden. Die Stütze gibt dem jungen Bäumchen zu Beginn die nötige Stabilität, bis es fest im Boden angewachsen ist.

Kurzschritte zum Pflanzen im Überblick:

  • Pflanztermin für Mispeln: ab April, nach den Eisheiligen
  • Boden zuvor auflockern und ggf. mit Kalk, Lehm und / oder Sand anreichern
  • Pflanzloch von 1 ½ Größe des Wurzelballens ausgraben
  • zum verbesserten Wasserablauf Drainage aus Kieselsteinen ins Loch einbringen
  • danach Mispelbäumchen aufrecht in das Pflanzloch stellen
  • abschließend Erde andrücken, Bäumchen bewässern und mit Stützpfahl fixieren
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Pflege der Mispel – gießen, schneiden und vermehren

Bereits ab Mai entwickelt das Mispelbäumchen seine bis zu 5cm großen, weiß bis blassrosa gefärbten Blüten, die bis in den Juli blühen. Damit sich aus diesen im Herbst die schmackhaften Apfelfrüchte entwickeln können, benötigen Mispeln ausreichend Flüssigkeit. Dabei genügt es aber, das Gehölz nur bei großer Trockenheit zu gießen. Staunässe ist trotz Bewässerung zu verhindern, da die Mispel auf diese besonders empfindlich und womöglich auch mit erhöhter Krankheitsanfälligkeit reagiert. Gesonderte Düngungen sind für die Mispel erfreulicher Weise nicht notwendig.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Gießgänge sind an der Mispel nur bei Trockenheit notwendig
  • Staunässe ist hierbei stets zu vermeiden
  • eine Düngung benötigt die pflegeleichte Mispel nicht

Mispeln sind relativ kurzlebige Obstgehölze, da sie nur 30 bis 50 Jahre alt werden. Ein alljährliches Auslichten der Baumkrone ist dabei aus verschiedenen Gründen wichtig. Zum einen sorgt der Auslichtungsschnitt für eine sanfte Verjüngung und bessere Verzweigung der Baumkrone. Zum anderen garantiert das Auslichten den leckeren Mispelfrüchten noch im Herbst genügend Sonne für die Reifung. Vorgenommen wird der Schnitt am besten im Frühjahr. Entfernen Sie vorrangig alte und zu dicht wachsende Äste aus der Baumkrone, sodass von allen Seiten ausreichend Licht an die innenliegenden Blätter gelangt. Schneiden Sie aber nicht zu radikal, da Mispeln trotz Schneidbedarf nur bedingt schnittverträglich sind.

In den Herbstmonaten von Oktober bis November können Sie dann die roten Apfelfrüchte der Mispel vom Baum pflücken. Die Ernte erfolgt, sobald sich die raue braune Schale des Kerbobstes mit dunklen Flecken einfärben. Sofern das Obst noch keinen natürlichen Frost abgekommen haben, werden sie nach dem Ernten noch eine Weile trocken und kühl in einem Keller eingelagert. Die Mispelfrüchte brauchen diese Kälteeinwirkung, um weich und genießbar werden. Anschließend lassen sie sich roh verzehren oder einkochen.

  • Vermehrung durch Stecklinge: Die einfachste Art, Mispeln zu vermehren, ist gewiss die Stecklingsmethode. Entnehmen Sie hierzu während dem Frühlingsschnitt einen gesunden, einjährigen Trieb aus der Baumkrone. Der Steckling sollte in etwa 15 cm lang sein und im unteren Bereich von allen Blättern befreit werden. Als nächstes können Sie die Triebe zur Bewurzelung entweder in ein Glas Wasser stellen oder in einen Topf mit Anzuchterde stecken. Wenn Sie den Steckling gleichmäßig feucht halten, kann er schon im nächsten Frühling zurück ins Freiland gepflanzt werden.

Wichtig: Mit Blick auf die beschränkte Schnittverträglichkeit der Mispel sollten Sie maximal drei Stecklingstriebe auf einmal entnehmen.


Kurztipps zum Schneiden, Ernten und Vermehren:

  • regelmäßige Auslichtungsschnitte im Frühling sind wichtig
  • dabei alte und zu dicht wachsende Zweige ausschneiden
  • Ernte erfolgt von Oktober bis November, sobald die Früchte braune Flecken zeigen
  • Früchte vor der Ernte evtl. dem ersten Frost aussetzen
  • Kälteeinwirkung sorgt für weiche Früchte mit bekömmlichen Geschmack
  • alternativ die Mispelfrüchte nach der Ernte kalt und trocken einlagern
  • für Vermehrung max. 3 Triebe aus der Baumkrone schneiden
  • in Glas voll Wasser oder Topf mit Anzuchtsubstrat geben
  • konstant feucht halten und im nächsten Frühling auspflanzen

Interessante Arten und Sorten der Mespilus

Früher galt die Deutsche Mispel als einzige bekannte Mispelart. Erst im Jahre 1970 entdeckte man in einem kleinen Laubwald in Arkansas eine bis dato unbekannte, zweite Art, die seither als Weiße Mispel bekannt ist. Einzelheiten zu dieser, sowie zur Deutschen Mispel entnehmen Sie bitte der nachstehenden Übersicht:

SorteBeschreibung
Deutsche Mispel
Mespilus germanica
Blütezeit: Mai bis Juni
Blüte und Frucht: cremeweiße Blüten, rotes Kernobst
Wuchshöhe: 3 bis 6 m
Herkunft: Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: Baummispel; bis -28 °C winterhart; trotz ihres Namens nicht aus Europa stammend
gute Sorten: 'Apyrena', 'Balkan-Mispel', 'Holländische Riesenmispel', 'Königsmispel', 'Nottingham', 'Ungarische'
Weiße Mispel
Mespilus canescens
Blütezeit: April
Blüte und Frucht: weiße Blüten, rotes Kernobst
Wuchshöhe: 5 bis 6 m
Herkunft: Arkansas, Mittelamerika
Eignung für Kultivierung: gut
Besonderheiten: Strauchmispel; bis -23 °C winterhart; bevorzugt kiesig-lehmige Substrate; sehr seltene Mispelart, Stecklinge der Weißen Mispel werden im Missouri Botanical Garden gezogen

Mispeln – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Mispeln sind widerstandsfähige und pflegeleichte Gehölze, die nur selten von Schädlingen wie Blattläusen oder den Larven des Schmetterlings Lithocolletis blancardella befallen werden. Gegen beide kann das Ausbringen von Schlupfwespen oder das Spritzen mit Brennnesselsud schnelle Abhilfe schaffen.

Zu Krankheiten neigt die Mispel nur, wenn das Bodenmilieu zu lange unter Staunässe leidet. Hierbei können Pilzerkrankungen wie Echter Mehltau, die Blattfleckenkrankheit oder die Spitzendürre auftreten. In diesem Fall ist es notwendig befallene Pflanzenteile vollständig zu entfernen, bevor die Pilzerreger sich im Garten ausbreiten.

Fazit

Die Mispel ist ein beinahe in Vergessenheit geratenes Wildobstgehölz, das an vollsonnigen Standorten zu einem kräftigen Baum mit ausladender Baumkrone heranwächst. Neben einem durchlässigen und kalkhaltigen Boden erfreut sich Mespilus dabei vor allem an regelmäßigen Auslichtungsschnitten im Frühjahr. Sie fördern den Ertragreichtum des Strauchbaums durch eine bessere Verzweigung und verschaffen auch dem Inneren der Krone ausreichend licht. Zudem kann der Schnitt auch zur Verjüngung beitragen und so die Langlebigkeit der Mispeln unterstützen. Außerdem sollten die Mispelfrüchte vor dem Verzehr bzw. der Verarbeitung eine Kälteeinwirkung erfahren, was dem Geschmack sowie der Konsistenz des Kernobstes zu Gute kommt.

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