Lungenkraut – Pflanzung, Pflege und Arten

Lungenkraut – Pflanzung, Pflege und Arten

© Eileen Kumpf – Fotolia.com

Geht es um heimische Wildkräuter, so ist das Lungenkraut (Pulmonaria) ganz vorne mit dabei. Es verdankt seinen Namen seiner adstringierenden und schleimlösenden Wirkung, die bei Krankheitssymptomen wie Halsschmerzen, Heiserkeit oder verschleimten Atemwegen von besonderer Bedeutung ist. In der altertümlichen Volksmedizin galt Pulmonaria deshalb als eines der wichtigsten Heilkräuter gegen Bronchitis, Erkältung und grippale Infekte. Wie Sie die Heilpflanze am besten im heimischen Kräutergarten kultivieren, erfahren Sie in diesem Pflanzratgeber.

Lungenkraut pflanzen – Standortbedingungen und Ablauf

Die zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) gehörenden Lungenkräuter sind überwiegend in Europa heimisch und eignen sich deshalb wunderbar als mehrjährige Heilkräuter für den Garten. Mit einer Winterhärte von bis zu -40 °C übersteht Pulmonaria die kalte Jahreszeit selbst in rauen Lagen problemlos und ist damit deutlich robuster als manch andere Heilpflanze gegen Erkältung und Co., wie zum Beispiel Thymian oder diverse Arten des Salbeis. Allerdings ist das Kräuterbeet nicht der einzige Gartenstandort, an dem sich die Kultur von Lungenkraut lohnt. So geben die artabhängig weiß, blau-rosa oder rot gefärbten Blüten des nur etwa 35 cm hohen Lungenkrauts im Blumenbeet ziervolle Bodendecker ab. In freier Wildbahn gedeiht Pulmonaria zudem oft am Gewässerrand oder in feucht-schattigen Laubwäldern, weshalb sie auch als Pflanzidee am Gartenteich, Gehölzrand sowie in Wald- und Naturgärten eine Überlegung wert sind.

Die Gestaltungsmöglichkeiten lassen bereits erahnen, dass Arten der Gattung Pulmonaria in Sachen Standortbedingungen relativ genügsam sind. Schattige bis halbschattige Plätze sind völlig ausreichend und meist sogar besser geeignet als zu sonnige Standorte, an denen die Blätter der Lungenkräuter schnell zu welken beginnen. Das Standortsubstrat für Lungenkraut sollte zwar feucht, aber auch gut durchlässig sein. Ein leicht kalkhaltiger und nährstoffreicher Sand-, Ton- oder Lößboden mit schwach sauren bis neutralen pH-Werten zwischen 6 und 7 ist hier am besten geeignet. Interessante Begleitgewächse im Blumenbeet sind Narzissen, Bechermalven, Zinnien und Mandelröschen.

Pflanztipp: Im Bereich der Heilkräuter besonders gerne gepflanzt wird bei uns das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), das Azurblaue oder Schmalblättrige Lungenkraut (Pulmonaria angustifolia) und das Streuzucker-Lungenkraut (Pulmonaria saccharata). Geflecktes und Streuzucker-Lungenkraut ist dabei gemeinsam, dass sie neben ihrer besonderen Heilwirkung auch eigentümlich gefleckte Blätter sowie ein originelles Blütenfarbspiel aufweisen. Letzteres wird durch eine Änderung des Blüten-pH-Werts kurz nach der Knospenöffnung hervorgerufen. Da sich durch den rosa-blauen Farbwechsel zweifarbige Blütenstände ergeben, ist vor allem das Geflecktes Lungenkraut im Volksmund auch als Hänsel und Gretel oder Adam und Eva bekannt. Das außergewöhnliche Farbspiel der Blüten beweist einmal mehr, dass Lungenkräuter nicht nur wertvolle Heil- sondern auch attraktive Zierpflanzen sind.


Einzelheiten zum Standort für Lungenkraut:

  • Pulmonaria ist bis -40 °C winterhart und damit eines der mehrjährigen Heilkräuter
  • das Wildkraut gedeiht natürlich an schattigen bis halbschattigen Standorten
  • bei Vollsonne beginnen die Blätter des Lungenkrauts zu welken
  • der Standortboden sollte feucht, jedoch gut durchlässig sein
  • am besten leicht kalkhaltigen und nährstoffreichen Sand-, Ton- oder Lößboden wählen
  • Boden-pH-Wert: schwach sauer bis neutral, zwischen 6 und 7 Punkten
  • neben dem Kräuterbeet sind Ufer- und Beetpflanzungen ein besonderer Tipp
  • gute Pflanzpartner: Bechermalve, Elfenblume, Mandelröschen und Zinnie
  • als Heilkräuter bieten sich Geflecktes, Azurblaues und Streuzucker-Lungenkraut an


  1. Schritt – Wahl des Pflanztermins: Eine Pflanzung von Pulmonaria im Frühherbst bietet sich vor allem deshalb an, weil die Pflanze ihre Energie zu dieser Zeit voll und ganz auf die Wurzelbildung konzentrieren kann. Auf diese Weise etabliert sich Lungenkraut vor dem Winter besonders gut am Standort. Wählen Sie daher am besten einen heiteren Tag im September oder Oktober. Der erste Frost sollte nach der Pflanzung noch einige Wochen auf sich warten lassen.
  2. Schritt – Bodenoptimierung: Nach der obligatorischen Bodenauflockerung sollte das Standortsubstrat der Lungenkräuter nach Bedarf mit etwas Sand, Kalk und Kompost angereichert werden. Wer keinen Kompost zur Hand hat, kann die Erde mit organischem Dünger (z.B. Vogelguano) anreichern. Eine Kiesdrainage ist vor allem bei sehr feuchten Uferstandorten zu empfehlen.
  3. Schritt – Pflanzung des Lungenkrauts: Setzen Sie das Lungenkraut in ein Pflanzloch, das etwa den anderthalben Umfang des Wurzelballens besitzt. Wer das Kraut als großflächigen Bodendecker pflanzen möchte, der muss natürlich auf den richtigen Pflanzabstand achten. Dieser beträgt etwa 15 cm. Nach der Pflanzung wird das feuchtigkeitsliebende Lungenkraut dann abschließend großzügig erstbewässert.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Pflanztermin für Lungenkraut: Frühherbst, zwischen September und Oktober
  • Boden vor dem Pflanzen gut auflockern und ggf. mit Sand und Kalk anreichern
  • zur Grunddüngung organischen Dünger wie Kompost oder Vogelguano nutzen
  • Kiesdrainage ist insbesondere bei Uferpflanzungen wichtig
  • das Pflanzloch sollte ca. 1 ½ Mal so groß wie der Wurzelballen sein
  • Pflanzabstand für Pulmonaria: 15 cm
  • nach der Pflanzung die Lungenkräuter gut angießen
Wissenswertes: Nicht nur der Gattungsname der Tigerblumen stiftet bei Laien gerne Verwirrung. Auch Beinamen wie Tigerlilie, Pfauenlilie, Pfauenblume oder Leopardenblume sorgen oftmals für Verwechslungen der Tigridia mit Zierpflanzen, die ähnliche Namen tragen. Vor allem der Begriff „Pfauenblume“ wird hier häufig sehr leichtfertig verwendet. Neben der Tigridia pavonia ist er nämlich auch für den als Stolz von Barbados bekannten Pfauenstrauch (Caesalpinia pulcherrima) und die Blauen Pfauenblumen (Dies iridioides) gebräuchlich.


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Pulmonaria pflegen – gießen, düngen und schneiden

Eine konstante Bodenfeuchte ist für Lungenkraut besonders wichtig. Solange aber genügend Niederschlag fällt oder durch ein benachbartes Gewässer ausreichend Feuchtigkeit zugeführt wird, ist eine manuelle Bewässerung meist unnötig. Lediglich in den heißen Sommermonaten, wenn die Verdunstung steig und es häufiger zu anhaltenden Trockenphasen kommt, sind ein bis zwei wöchentliche Gießgänge wichtig.

Um einer Austrocknung vorzubeugen, ist es sinnvoll, Pulmonaria im Frühling mit gut verrottetem Kompost zu mulchen. Zusätzlich kann etwas Brennnesseljauche ausgegeben werden, um den hohen Nährstoffbedarf des Lungenkrauts zu decken.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Lungenkraut hat einen hohen Wasser- und Nährstoffbedarf
  • bis zum Sommer reichen natürliche Niederschläge zur Bewässerung aus
  • auch Uferstandorte können den Gießaufwand minimieren
  • im Sommer muss jedoch oft 1 – 2 Mal wöchentlich gegossen werden
  • im Frühling am besten mit gut verrottetem Kompost mulchen
  • dies beugt einer Austrocknung vor
  • ergänzend im Frühjahr Brennnesseljauche ausgeben

Die Blütezeit von Pulmonaria erstreckt sich von März bis Mai. Danach kann ein Schnitt eventuell eine Zweitblüte anregen. Auch erspart man Lungenkräutern durch das Schneiden im Frühsommer, dass die Pflanzen zu viel Energie in die Samenbildung stecken müssen. Um den Schnitt durchzuführen, entfernen Sie einfach die verblühten Stängel der Heilkräuter mit einer Gartenschere. Wird eine Selbstaussaat angestrebt, reicht es, drei bis fünf Blütenstängel stehen zu lassen. Vor Wintereinbruch erfolgt dann im Herbst ein zweiter Schnitt, bei dem die Kräuterstaude bodennah zurückgeschnitten wird.

Zwischen Mai und Juni kann man die Schere auch anlegen, um Pflanzenteile der Pulmonaria für Heilzwecke zu sammeln. Nutzen Sie jedoch nur gesunde und unbeschadete Blütenstängel, die Sie dann entweder frisch als Tee aufbrühen oder für eine spätere Verwendung trocknen lassen. Neben einer innerlichen Anwendung bei Atemwegs- und Magen-Darm-Erkrankungen kann Lungenkraut auch äußerlich, etwa als Umschlag oder Zusatz für Heilbäder angewendet werden. Hier ist die Heilpflanze vor allem zur Behandlung von Wunden und Hautirritationen zu empfehlen, wobei es maßgeblich der Pflanzenstoff Allantoin ist, der die Hautregeneration unterstützt.

Vermehrung durch Wurzelteilung: Außer der Selbstaussaat lässt sich eine Vermehrung der Lungenkräuter auch durch Teilung des Wurzelstocks erzielen. Gerade ältere Pflanzen profitieren von dieser Verjüngungsmaßnahme und treiben danach wieder viel üppiger aus. Graben Sie das Lungenkraut zu diesem Zweck im Herbst aus und teilen Sie den Wurzelstock mit einem scharfen Messer in zwei Teile. Die Teilstücke können danach wie gewohnt neu verpflanzt werden.


Kurztipps zum Schneiden und Vermehren:

  • Schnitt von Pulmonaria im Mai regt Zweitblüte an
  • hierfür einfach die welken Blütenstängel einkürzen
  • ist eine Selbstaussaat gewünscht, kann man 3 – 5 Blütenstängel stehen lassen
  • die Ernte der Heilkräuter kann ebenfalls zwischen Mai und Juni erfolgen
  • im Herbst das Heilkraut dann bodennah zurückschneiden
  • ältere Pflanzen profitieren von Wurzelteilung
  • die Heilkräuter werden für diese Art der Vermehrung im Herbst ausgegraben
  • zur Teilung des Wurzelstocks scharfes Messer nutzen
  • Teilstücke lassen sich danach sofort neu verpflanzen

Interessante Arten und Sorten der Pulmonaria

Mit Ausnahme einiger südländischer und damit kälteempfindlicher Vertreter sind die meisten der 14 bis 20 Pulmonaria-Arten gut bis sehr gut für eine Gartenkultur geeignet. Unterschiede ergeben sich dabei vor allem durch die Blütenfärbung einzelner Arten und Sorten. Zur besseren Übersicht, hier einige Pflanzbeispiele:

SorteBeschreibung
Dunkles Lungenkraut
Pulmonaria obscura

Blütezeit: März bis Mai
Blütenfarbe: dunkelrosa bis rotviolette Blüten
Wuchshöhe: 10 bis 20 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: der Name rührt von den dunkelgrünen Blättern her; beliebte Zierpflanze für Waldgärten; bevorzugt basische und mäßig kalkhaltige Böden
Echtes Lungenkraut (Geflecktes Lungenkraut)
Pulmonaria officinalis

Blütezeit: März bis Mai
Blütenfarbe: kräftig rosa bis blaue Blüten
Wuchshöhe: 15 bis 25 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: Pulmonaria officinalis wird als Heilkraut genutzt; es sind weiße, rosa und rote Sorten erhältlich
gute Sorten: 'Dora Bielefeld', 'Ice Ballet', 'Sissinghurst White', 'Trevi Fountain', 'Wuppertal'
Schmalblättriges Lungenkraut (Azurblaues Lungenkraut)
Pulmonaria angustifolia

Blütezeit: April bis Mai
Blütenfarbe: rote bis azurblaue Blüten
Wuchshöhe: 10 bis 35 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: die Wildform von Pulmonaria angustifolia ist in Deutschland stark gefährdet und zählt daher zu den geschützten Arten; Heilkraut; es sind Sorten mit weißen, zart lila und enzianblauen Blüten erhältlich
gute Sorten: 'Alba', 'Azurea', 'Blaues Meer', 'Mawson'
Rotes Lungenkraut (Korallenlungenkraut)
Pulmonaria rubra

Blütezeit: März bis Mai
Blütenfarbe: rosa bis rote Blüten
Wuchshöhe: 30 bis 35 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: gut
Besonderheiten: seltene, rotblühende Art, die meist als Zierpflanze genutzt wird; die Sorte 'Salmon Glow' blüht lachsrosa
gute Sorten: 'Red Start', 'Salmon Glow'
Streuzucker-Lungenkraut
Pulmonaria saccharata

Blütezeit: März bis Mai
Blütenfarbe: rosa bis himmelblaue Blüten
Wuchshöhe: 25 bis 30 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: gut
Besonderheiten: Pulmonaria saccharta wird als Heilkraut, sowie zur Unterpflanzung von Laubgehölzen genutzt; es sind weiße, pinke und purpurfarbene Sorten erhältlich
gute Sorten: 'Frühlingshimmel', 'Lewis Palmer', 'Mrs. Moon', 'Opal', 'Reginald Kaye'


Lungenkraut – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

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Es sind keine nennenswerten Krankheiten für Lungenkraut verzeichnet.

Fazit

Nährstoffe und Wasser benötigt Lungenkraut wahrlich viel. Ansonsten zeigt sich das Heilkraut aber sehr anspruchslos. So gibt sich die Pulmonaria beispielsweise mit schattigen bis halbschattigen Standorten zufrieden, womit sich die Pflanze stark von vielen sonnenhungrigen Heilkräutern unterscheidet. Auch was den Standortboden anbetrifft, müssen bis auf eine ordentliche Grunddüngung kaum besondere Vorbereitungen getroffen werden. Besonders interessant an Lungenkräutern ist zudem, dass sie aufgrund ihrer wunderschönen Blütenstände sogar als bodendeckende Zierstauden eine gute Figur machen. Gerade heilpflanzlich genutzte Arten wie das Gefleckte oder Streuzucker-Lungenkraut faszinieren hier nicht nur mit gesprenkeltem Blattschmuck, sondern ebenso mit einer zweifarbigen Blüte, die ein Betrachter einfach still bestaunen muss.

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