Grünkohl – Anbauen, Standort und Ernte

Grünkohl – Anbauen, Standort und Ernte

© wjarek - Fotolia.com
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Der auch als Winterkohl bekannte Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica) ist vor allem in Norddeutschland ein beliebtes Wintergemüse, dessen Kohlblätter in der kalten Jahreszeit eine wertvolle Vitamin-C-Quelle liefern. Die zweijährige Grünkohlpflanze gehört dabei zu den besonders pflegeleichten Gemüsearten, die trotz geringem Aufwand einen hohen Ernteertrag verspricht. Da Grünkohlpflanzen sehr widerstandsfähig sind, lassen sie sich zudem bis in die kalten Wintermonate hinein aus dem Garten ernten. Lesen Sie im Folgenden, wie Sie bei beim Anbau von Grünkohl vorgehen müssen.



Anbau von Grünkohl – Standort und Ablauf

Grünkohl gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Er entstammt der Kohlart Brassica oleracea, welche auch als Wildkohl bekannt und im Mittelmeerraum, sowie in Kleinasien heimisch ist. Herkunftsbedingt bevorzugen Grünkohlpflanzen eine sonnige Lage, wobei auch heller Halbschatten für einen Anbau in Frage kommt. Bei geeigneter Standortwahl wird Grünkohl schon im ersten Wuchsjahr bis zu 40 Zentimeter groß. Im Folgejahr entwickelt die Gemüsepflanze dann ihre zahlreichen gelben Kreuzblüten und wächst sich zu ihrer finalen Wuchshöhe von bis zu 1,50 Metern aus.

Grünkohl benötigt ein Standortsubstrat mit neutralem pH-Wert von 7,0 Punkten. Der Boden sollte nicht sandig sein, sondern stattdessen Humus und Lehm enthalten. Am besten gedeihen Grünkohlpflanzen in Beeten, die ihren Wurzeln ausreichend Platz bieten. Als Pflanznachbarn eignen sich daher wurzelschwache Gemüsearten wie Spinat, Hülsenfrüchte, Rhabarber und Sellerie. Ungeeignet sind hingegen andere wurzelstarke Kohlsorten und Gemüsearten wie Kartoffeln, Möhren und Zwiebelgewächse.

Tipp: Allgemein gilt beim Kohlanbau die Grundregel, dass ein Beet nach dem Anbau einer Kohlsorte bis zu 3 Jahre nicht wieder mit Kohl bepflanzt werden sollte. Für den Folgeanbau eignen sich diesbezüglich schwachzehrende Gemüsearten, die dem Standortboden die Möglichkeit zur Regeneration geben.


Einzelheiten zum Standort für Grünkohl:

  • Grünkohl bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte
  • Boden sollte nicht sandig, sondern lehmig und humos sein
  • Boden-pH-Wert: neutral, um die 7,0 Punkte
  • der Anbau erfolgt wegen des hohen Platzbedarfs von Grünkohl in Beeten
  • als Pflanzpartner geeignete Gemüsearten: Hülsenfrüchte, Rhabarber, Sellerie und Spinat
  • nach dem Anbau von Grünkohl den Standort für 3 Jahre schonen
  1. Schritt – Aussaattermin wählen: Im Freiland erfolgt die Aussaat von Kohlarten normalerweise erst ab Mitte Mai, wenn keine Spätfröste mehr zu erwarten sind. Alternativ ist eine Vorzucht auf der warmen Fensterbank denkbar, die dann schon ab März erfolgen kann, sofern die Tage hier bereits genügend Lichtstunden bieten. In den Garten umgesiedelt werden die vorgezogenen Jungpflanzen dann ebenfalls ab Mai.
  2. Schritt – Boden vorbereiten: Grünkohl bildet tief reichende Wurzeln aus, daher muss der Boden zunächst gründlich aufgelockert werden. Auch sind störende Bodenhindernisse vor der Aussaat im Beet zu entfernen, damit die Wurzeln in ihrem Wachstum nicht behindert werden. Versehen Sie die Erde zusätzlich mit Kompost oder Hornspänen, um ausreichend Nährstoffe zu schaffen. Bei Vorzucht im Topf genügt ein gutes Anzuchtsubstrat für Kohlpflanzen. Die Bodenvorbereitung im Beet erfolgt hier unmittelbar vor der Auspflanzung in den Garten.
  3. Schritt – Grünkohl aussäen: Säen Sie die Samen des Grünkohls etwa 2 Zentimeter tief in den Boden ein und bedecken Sie das Saatgut danach mit Erde. Der Saatabstand zwischen einzelnen Samen bzw. Reihen sollte im Freiland ungefähr 40 bis 50 Zentimeter betragen. Erfolgt die Aussaat hingegen im Topf, sollte nur ein Samenkorn pro Gefäß eingesetzt werden.
  4. Schritt – Jungpflanzen umsetzen: Bis zur Auspflanzung in den Garten müssen Sie das Saatgut des Grünkohls ausreichend wässern, ohne dabei Staunässe im Boden zu provozieren. Sobald die jungen Grünkohlpflanzen eine Höhe von 5 bis 10 Zentimetern erreicht haben, können Sie diese an ihren eigentlichen Standort umsiedeln. Tun Sie dies bis spätestens Anfang August und setzen Sie den Grünkohl bis zu seinem Wurzelansatz in die Erde.

Kurzschritte zum Anbau im Überblick:

  • Pflanztermin im Freilandbeet von Mai – Juni
  • Pflanztermin bei Vorzucht unter Glas: März – Mai
  • vor der Aussaat Boden gut auflockern und mit organischem Dünger anreichern
  • größere Bodenhindernisse müssen dringend entfernt werden
  • für die Vorzucht im Topf reicht ein gutes Anzuchtsubstrat
  • Aussaat der Grünkohlsamen im Beet erfolgt in Reihen mit 50 cm Abstand
  • bei Vorzucht nur 1 Samen pro Gefäß nutzen
  • Aussaattiefe für Saatgut des Grünkohls: 2 cm
  • nach dem Säen Anzucht gut wässern, aber Staunässe vermeiden
  • ab einer Höhe von 5 – 10 cm die Jungpflanzen an finalen Standort setzen
  • Grünkohl hier unbedingt bis zum Wurzelansatz in die Erde pflanzen
  • die Pflanzen sollten bis spätestens Anfang August umgesiedelt werden
© cherokeerose - Fotolia.com
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Pflege des Grünkohls – gießen, düngen und ernten

Da Grünkohl sehr viel Wasser benötigt, ist es ratsam, zwischen einzelnen Gemüsereihen kleine Wassergräben zu ziehen. Ein gelegentliches Wässern mit Brennnesselsud ist sinnvoll, da sich durch den beißenden Geruch der Brennnesselblätter Schädlinge wie die Kohlmottenschildlaus zuverlässig fernhalten lassen. Vermeiden Sie trotz großzügiger Bewässerung aber unbedingt Staunässe. Ansonsten könnten Krankheiten an den Kohlpflanzen entstehen.

Den Namen Winterkohl haben die Pflanzen des Grünkohls erhalten, weil man sie auch in den Wintermonaten noch im Beet ernten kann. Die dafür benötigte Widerstandskraft des Grünkohls wird durch regelmäßiges Düngen mit Hornspänen unterstützt. An dieser Stelle sei abermals auf die Vorzüge von Brennnesselsud und Brennnesseljauche hingewiesen, denn Brennnessel kann nicht nur Schädlinge erfolgreich auf Abstand halten. Darüber hinaus bieten die Auszüge des Krauts auch eine gute Nährstoffgrundlage für Ihr Kohlgemüse.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • zur Bewässerung des Grünkohls Wassergräben zwischen den Beetreihen ziehen
  • Brennnesselsud beugt einem Befall durch Kohlmottenschildläuse vor
  • Staunässe trotz konstanter Bewässerung vermeiden
  • auch zum Düngen ist Brennnessel gut geeignet
  • alternativ mit Hornspänen düngen

Regelmäßiges Harken des Grünkohlbeetes erleichtert die Wasseraufnahme des Boden enorm und verringert zudem auch die Unkrautbildung. Die Ernte erfolgt dann ab Oktober und kann bis zu Temperaturen von -10°C betrieben werden. Fallen die Temperaturen weiter, so kann zunächst ein Gartenvlies die Pflanzen schützen.

Am besten werden je nach benötigter Menge, nur die äußeren Blätter durch Abschneiden geerntet. Die restliche Pflanze kann so zunächst in der Erde belassen werden, bis erneut Kohlblätter benötigt werden. Das Grünkohlherz kann bis zum nächsten Frühling im Beet belassen werden, da dieses im Folgejahr nochmals neue Blätter austreibt.

  • Vermehrung durch Aussaat: Um Grünkohlsamen zu erhalten, kann eine der kräftigsten Pflanzen ausgewählt werden, welche anschließend ohne sie abzuernten im Beet belassen wird. Diese treibt im zweiten Jahr nochmals aus und bildet einen hohen Blütenstand, der später die mit Samen gefüllten Schoten bildet. Ausgesät werden diese dann im dritten Jahr nach der Erstpflanzung. Nutzen Sie hierfür aber einen neuen Beetstandort, da Grünkohlanbau den Boden sehr stark beansprucht.

Kurztipps zum Ernten und Vermehren:

  • regelmäßiges Harken verhindert Unkrautbildung im Beet
  • Ernte erfolgt ab Oktober und ist bis zu -10 °C Außentemperatur möglich
  • Gartenvlies kann die Kohlpflanzen bei Minusgraden zusätzlich schützen
  • zur Ernte nur die äußeren Kohlblätter abschneiden
  • geerntet werden nur so viele Blätter, wie zum Frischverzehr benötigt
  • Herz der Grünkohlpflanze kann im Folgejahr erneut austreiben
  • zur Vermehrung im zweiten Jahr den Blütenstand einer kräftigen Pflanze abernten
  • Neuanbau erfolgt in einem anderen, noch unverbrauchten Beetabschnitt

Interessante Sorten des Brassica oleracea var. sabellica

Grünkohlsorten unterscheiden sich maßgeblich in ihrer tatsächlichen Frosthärte, sowie dem Zucker- und Vitamingehalt ihrer Blätter, welcher letztendlich für den Geschmack der einzelnen Sorten verantwortlich ist. Auch sind manche Formen des Grünkohls deutlich gekrauster als andere, zur besseren Übersicht hier eine kleine Auswahl interessanter Sorten:

SorteBeschreibung
Grünkohl 'Lerchenzunge'
Brassica oleracea var. sabellica 'Lerchenzunge'

Frosthärte: geringe Frosthärte
Blätter: fein gekräuselte, blaugrüne Kohlblätter
Kocheigenschaften: pikanter Geschmack
Grünkohl 'Ostfriesische Palme'
Brassica oleracea var. sabellica 'Ostfriesische Palme'

Frosthärte: gut winterhart
Blätter: fein gekrauste, grüne Kohlblätter
Kocheigenschaften: sehr feiner Geschmack
Grünkohl 'Roter Krauskohl'
Brassica oleracea var. sabellica 'Roter Krauskohl'

Frosthärte: mittlere Frosthärte
Blätter: mittelgrob gekrauste, rote Kohlblätter
Kocheigenschaften: würziger Geschmack
Grünkohl 'Winnetou'
Brassica oleracea var. sabellica 'Winnetou'

Frosthärte: hohe Frosthärte
Blätter: grob gekrauste, grüne Kohlblätter
Kocheigenschaften: kernig kräftiger Geschmack
Grünkohl 'Winterbor'
Brassica oleracea var. sabellica 'Winterbor'



Frosthärte: sehr hohe Frosthärte
Blätter: stark gekrauste, blaugrüne Kohlblätter
Kocheigenschaften: herbsüßer Geschmack


Grünkohl – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

© lnsdes - Fotolia.com
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Auch wenn Grünkohl eine robuste Gemüsepflanze ist, gibt es doch einige Schädlinge, die ihm gefährlich werden können. Hierzu zählen unter anderem die Larven des Kohlweißlings, die Kohlfliege, die Kohlmottenschildlaus, Schnecken und Erdflöhe. Gegen sie alle helfen Gemüseschutznetze und Pappkrägen, die um die Wurzelhälse des Grünkohls gelegt werden. Gegen Erdflöhe hilft zusätzlich ein stetig befeuchtetes Erdreich. Schnecken können durch spezielle Schneckenzäune und durch regelmäßiges Absammeln in Schach gehalten werden.

Neben Schädlingen tritt ebenso gerne die Kohlhernie an der Grünkohlpflanze auf. ein Schimmelpilz, der zum Absterben der gesamten Gemüsepflanze führt. Gegen diesen kann Algenkalk erfolgreich vorbeugen, der zur Düngung oder Grunddüngung mit in die Erde gegeben wird.



Fazit

Grünkohl ist eine besonders vitaminreiche und schmackhafte Kohlsorte, die mit geringem Aufwand in Freilandbeeten angebaut werden kann. Lediglich ein sonniger und ausreichend feuchter Standort ist für die Grundbedürfnisse des Grünkohls wichtig. Ab Oktober können die Kohlblätter dann bis in die Wintermonate geerntet werden, wobei der winterharte Grünkohl bis ins nächste Jahr im Beet verbleiben kann.

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