Ginkgo – Standort, Pflanzung und Pflege

Ginkgo – Standort, Pflanzung und Pflege

„Gingo biloba“ Johann Wolfgang von Goethe
„Gingo biloba“
Johann Wolfgang von Goethe

Einst schrieb Johann Wolfgang von Goethe in seinem Gedicht „Gingo biloba“ über den urzeitlichen Baum.

Und fürwahr ist der Ginkgobaum bei all seiner Einzigartigkeit schon eine lyrische Widmung wert. Geht es beispielsweise um legendäre Heilkräuter aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, so gehört Ginkgo (fälschlicher Weise oft Ginko oder Gingo geschrieben) definitiv dazu. Der Baum ist ein wahres Multitalent in Sachen heilsame Eigenschaften, wobei vor allem Ginkgosamen und -blätter zur therapeutischen Behandlung genutzt werden. Denkbar ist unter anderem eine Anwendung bei Hör- und Sehstörungen, wie Ohrgeräusche, Schwerhörigkeit oder Grüner Star. Und sogar bei altersbedingten Gedächtnisstörungen wie Demenz oder Alzheimer soll Ginkgo Abhilfe schaffen. Welche Vorzüge die Kultivierung von Ginkgo im Garten noch hat, verraten wir Ihnen nachstehend.

Ginkgobäume pflanzen – Standort und Ablauf

Der dank seiner vielseitigen Heilkraft ohnehin schon besondere Stellenwert des Ginkgobaums wird durch die Tatsache verstärkt, dass es sich bei dem Baum um den letzten lebenden Vertreter einer prähistorischen Ordnung von Samenpflanzen handelt. Mehr noch, gilt er als ältester Baum der Welt. Im Detail ist es die Art Ginkgo biloba, die heute als einziges Exemplar der Ordnung Ginkgoales noch in natura bewundert werden kann. Als ursprüngliche Heimat des Ginkgos gelten dabei die Hügellandschaften am chinesischen Fluss Jiangtse, welcher mit seinen über 6000 Kilometern den längsten Flusslauf Asiens bildet.

Allerdings, und das ist definitiv ein Pluspunkt bei der Kultivierung, lebt sich Ginkgo biloba auch in anderen Klimazonen der Welt bestens ein. Zwar bevorzugt der Baum einen sonnigen Standort, grundsätzlich gedeiht er aber auch im Schatten, wenngleich er hier etwas langsamer wächst. Was die Standorttemperaturen anbelangt, so sind ausgewachsene Ginkgobäume bis zu -28 Grad frosthart.

In seinen Bodenansprüchen ist der Baum ähnlich tolerant. Auch wenn frischfeuchte, sowie gut durchlässige und sandig-lehmige Substrate dem Ginkgo biloba am liebsten sind, kommt er auch mit anderen Bodenqualitäten zurecht. Einzige Voraussetzung: Der Standortboden sollte nährstoffreich sein und einen basischen pH-Wert von 8,5 bis 10 aufweisen. Des Weiteren ist für den Baum ein freiflächiger Standort ratsam, werden Ginkgos doch nicht nur bis zu 1000 Jahre alt, sondern erreichen im ausgewachsenen Zustand manchmal auch eine Stammhöhe von stolzen 60, sowie einen Stammdurchmesser von ganzen 4 Metern. Erwägen Sie daher eine Solitärstellung des Ginkgobaums im Garten, damit sich die ausladenden Herzwurzeln, wie auch Stamm und Krone des Baumriesen ungestört entfalten können.

Pflanztipp: Ginkgo biloba erreicht erst mit ungefähr 100 Jahren seine finale Wuchsgröße. Benötigt er in den ersten Jahrzehnten noch relativ wenig Platz, muss später etwas mehr Freiraum für Wurzeln, Stamm und Krone eingeplant werden. Falls Ihr Garten zu klein für einen solch großen Baum ist, müssen Sie deshalb aber noch nicht auf einen Ginkgo verzichten. Es gibt inzwischen diverse Zwergsorten des Baums, die wir Ihnen im Abschnitt über interessante Sorten des Ginkgos genauer vorstellen.


Einzelheiten zum Standort für Ginkgo biloba:

© vencav - Fotolia.com
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  • Ginkgo biloba ist ein äußerst robuster, urzeitlicher Baum
  • ausgewachsene Exemplare besitzen hohe Licht- und Schattentoleranz
  • auch Temperaturen bis -28 °C machen dem Baum nichts aus
  • insgesamt sonnige bis halbschattige Freiflächen im Garten nutzen
  • ein frischfeuchtes, durchlässiges und nährstoffreiches Substrat ist ratsam
  • sandig-lehmige Böden werden vom Ginkgo bevorzugt
  • pH-Werte: basisch, von 8,5 bis 10
  • Ginkgobaum wird bis zu 1000 Jahre alt, 60 m hoch und 4 m breit
  • vor der Pflanzung im Garten daher langfristig planen und Platz großzügig bemessen
  • kleinere Zwergsorten des Ginkgo biloba sind erhältlich

Erwägen Sie in Anbetracht der Wuchshöhe des Ginkgobaums unbedingt eine Solitärstellung im Garten, damit sich die ausladenden Herzwurzeln, wie auch Stamm und Krone des Baumriesen ungestört entfalten können. Als zentraler Blickfang im ansonsten eher spartanisch bepflanzten Japangarten macht sich ein Ginkgo beispielsweise wunderbar. Ebenso sind weitläufige Rasenflächen als Standort gut geeignet.

  1. Schritt – Pflanztermin für Ginkgos: Auspflanzen können Sie Ihren Ginkgobaum sowohl im Frühling, als auch im Herbst. Gerade für junge Baumexemplare empfehlen wir jedoch, einen Pflanztermin nach den Eisheiligen im Frühjahr auszuwählen. Im ausgewachsenen Zustand mag Ginkgo biloba nämlich frosthart sein, als Jungpflanze muss der Baum diese Resistenz jedoch erst noch entwickeln.
  2. Schritt – Ginkgo vorziehen: Ginkgobäume gibt es im Pflanzenfachhandel meist als drei- bis sechsjährige Containerware zu erstehen. Diese sollten Sie in den ersten Jahren zunächst in einem Kübel mit moderater Halbschattenlage vorziehen, bis der Baum einen gewissen Grad an Robustheit gegen extreme Licht- und Temperaturverhältnisse entwickelt hat. Auf diese Weise erleichtern Sie sich auch den Winterschutz der Jungbäume, da sie sich bei Kübelhaltung vor dem Winter unkompliziert ins Haus holen lassen. Eine Auspflanzung ins Freiland ist dann nach etwa drei bis fünf Jahren möglich.
  3. Schritt – Boden vorbereiten: Ob nun im Kübel oder Freiland, das Standortsubstrat für Ihren Ginkgo biloba ist vor einer Pflanzung in jedem Fall gut aufzulockern. Verfügt der Boden nicht von Haus aus über einen angemessenen Sand- oder Nährstoffanteil, ist darüber hinaus selbstverständlich mit entsprechenden Substratbeimengungen nachzuhelfen. Auf drei Anteile Erdsubstrat sollten hierfür je ein Anteil Kompost und Sand kommen.
  4. Schritt – Ginkgo pflanzen: Das Pflanzloch muss für die künftigen Platzbedürfnisse des Ginkgobaums etwa fünf mal so groß wie dessen Wurzelballen sein. Für Kübelpflanzen in der Vorzucht bedeutet dies womöglich ein gelegentliches Umtopfen. Im Freiland reicht es nach der Pflanzung hingegen aus, den Ginkgobaum großzügig zu bewässern. Abschließend kann eine Wuchshilfe (z.B. in Form eines Holzpfahls) nicht schaden, neigt der Stamm der Ginkgos in den ersten Jahren doch stark zu krummem Wuchs.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Solitärstellung des Ginkgobaums bevorzugen
  • Japanische Gärten, aber auch Rasenflächen bieten hierfür gute Voraussetzungen
  • Pflanztermin für ausgewachsene Ginkgos im Garten: Frühling oder Herbst
  • Pflanztermin für junge Baumexemplare: Frühling, nach den Eisheiligen
  • jungen Ginkgo in den ersten drei bis fünf Jahren im Kübel halten
  • erst nach Ausbildung der baumtypischen Resistenzen ins Freiland pflanzen
  • Standortsubstrat vor der Pflanzung ggf. optimieren
  • ideal sind 3 Teile Erde, 1 Teil Kompost und 1 Teil Sand
  • Pflanzloch für Ginko biloba sollte 5 mal so groß wie der Wurzelballen sein
  • Vorzucht im Kübel muss evtl. gelegentlich umgetopft werden
  • nach dem Pflanzen Ginkgobaum abschließend gut bewässern
  • eine Wuchshilfe ist in den ersten Jahren sinnvoll
© Profotokris - Fotolia.com
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Ginkgo biloba Pflegen – gießen, düngen, ernten

Ein gut entwickelter Ginkgo trotzt im Ernstfall auch anhaltenden Trockenphasen. Dies gilt jedoch nicht für junge Ginkgobäume, die bis zu einer Wuchshöhe von ca. sechs Metern eine manuelle Wasserzufuhr benötigen. Erst danach reichen die Wurzeln der Bäume tief genug, um sich über den Grundwasserspiegel des Bodens selbst mit Wasser zu versorgen. Um Staunässe beim Gießvorgang zu vermeiden, können Sie hier die Fingerprobe anwenden. Stecken Sie den Zeigefinger neben dem Stamm ihres Ginkgos in die Erde und überprüfen Sie so, ob die oberste Erdschicht voll aufgetrocknet ist, ehe Sie erneut nachgießen.

Beim Düngen von Jungginkgos gilt das selbe Prinzip. Bis die Bäume halbwegs gut entwickelt sind und mit ungefähr sechs Metern Wuchshöhe glänzen, muss die alljährliche Nährstoffgabe manuell erfolgen. Nutzen Sie hierfür am besten Volldünger, den Sie in vom Hersteller vorgeschriebener Dosierung mit ins Gießwasser geben. Die ideale Zeit zum Düngen ist die Frühlingsmitte.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Jungginkgos benötigen bis zu einer Wuchshöhe von ca. 6 m manuelle Bewässerung
  • dennoch Staunässe vermeiden und erst gießen, wenn die Erdoberschicht trocken ist
  • Düngung der Jungbäume gegen Mitte Frühling mit Volldünger
  • sobald sich der Ginkgo gut entwickelt hat ist weder Gießen noch Düngen nötig

Eigenschaften, die den Ginkgobaum so unvergleichlich machen, sind nicht nur seine prähistorische Vorgeschichte und das hohe Alter, das der Baum erreichen kann. Ebenso fällt die originelle Fächerform seiner Blätter auf, deretwegen der Ginkgo oft als Fächer- oder Elefantenohrbaum gehandelt wird. Die für Ginkgoblätter typische Einkerbung in der Blattmitte ist zudem von Blatt zu Blatt unterschiedlich ausgeprägt, sodass man kaum zwei identische Blätter finden wird. Das Motto ‚Alleinstellungsmerkmal‘ beschränkt sich bei Ginkgo biloba demnach nicht nur auf die Einzigartigkeit der Pflanzenart selbst.

Ähnlich den Ginkgosamen beinhalten auch die filigranen Blätter des Baums einen hohen Gehalt an heilsamen Wirkstoffen, die sich heutzutage nicht länger nur die Traditionelle Chinesische Medizin zu Nutze macht. Etliche Präparate gegen Demenz, Durchblutungsstörungen, Erkältung, Ohrgeräusche, Verletzungen und Verdauungsprobleme vertrauen inzwischen auf die heilende Kraft des Ginkgobaums. Für Personen, die medikamentöse Hilfe gerne aus der Natur beziehen, ist Ginkgo daher eine besondere Empfehlung für die Hausapotheke. Ernten können Sie den Baum zu diesem Zweck von Frühling bis Sommer, wenn der Wirkstoffgehalt der Blätter am höchsten ist. Für das Sammeln der essbaren Ginkgosamen bietet sich dagegen ausschließlich der Frühherbst an, da zwischen September und Oktober die Samenreife einsetzt.

Wichtig: Einen Schnitt benötigt Ginkgo nur zur Formgebung. Ein vorsichtiges Auslichten ist diesbezüglich im Frühjahr möglich. Schneiden Sie aber mit Augenmaß und nicht zu gehaltvoll. Ferner ist die Vermehrung von Gingko eine kniffelige Sache, da der Baum erst nach 20 Jahren erste Samen trägt und bei gekaufter Containerware nicht immer sicher ist, ob es sich um weibliche oder männliche Exemplare handelt. Eine Vermehrung durch Stecklinge ist daher sinnvoller.


© ewa kubicka - Fotolia.com
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Kurztipps zum Ernten und Schneiden:

  • Ginkgosamen und -blätter besitzen ungeahnte Heilwirkung
  • Ernte der Blätter des Ginkgos von Frühling bis Sommer
  • Ernte der Ginkgosamen im Herbst, zwischen September und Oktober
  • ein Schnitt des Baums ist nicht erforderlich, kann aber der Formgebung dienen
  • Ginkgo diesbezüglich im Frühjahr etwas auslichten
  • Vermehrung von Ginkgo durch Samen ist schwierig
  • Stecklingsvermehrung funktioniert besser

Interessante Sorten des Ginkgo biloba

Obwohl es vom Ginkgo nur eine noch vorkommende Art gibt, bietet diese Gartenbesitzern doch eine großzügige Auswahl an unterschiedlich großen Sorten. Es dürfte also für jede Gartenform etwas dabei sein. Nachstehend eine kleine Übersicht zu den wichtigsten Varianten des Ginkgo biloba, die dank entsprechend kleiner Wuchshöhe optimal für den Garten geeignet sind:

SorteBeschreibung
Ginkgobaum 'Anny's Dwarf'
Ginkgo biloba 'Anny's Dwarf'
Blütezeit: März
Blätter: Fächerblätter mit tiefer Einkerbung in der Mitte
Wuchshöhe: bis zu 1 m
Herkunft: Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: Zwergsorte mit sehr kompaktem Wuchs
Ginkgobaum 'Globus'
Ginkgo biloba 'Globus'
Blütezeit: März
Blätter: große Fächerblätter
Wuchshöhe: bis zu 3 m
Herkunft: Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: zwergwüchsiger Kugel-Ginkgo
Ginkgobaum 'Horizontalis'
Ginkgo biloba 'Horizontalis'
Blütezeit: April bis Mai
Blätter: mittelgroße Fächerblätter
Wuchshöhe: bis zu 3 m
Herkunft: Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: zwergwüchsiger Schirm-Ginkgo mit ausladender Schirmkrone
Ginkgobaum 'Pendula'
Ginkgo biloba 'Pendula'
Blütezeit: März
Blätter: nadelartige Fächerblätter
Wuchshöhe: bis zu 10 m
Herkunft: Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: Schirm-Ginkgo mit überhängenden Ästen
Ginkgobaum 'Princeton Sentry'
Ginkgo biloba 'Princeton Sentry'
Blütezeit: April
Blätter: große, breite Fächerblätter
Wuchshöhe: bis zu 15 m
Herkunft: Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: äußerst robuster Säulen-Ginkgo
Ginkgobaum 'Tremonia'
Ginkgo biloba 'Tremonia'







Blütezeit: März
Blätter: sehr große Fächerblätter
Wuchshöhe: bis zu 12 m
Herkunft: Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: kleinwüchsiger Pyramiden-Ginkgo
Ginkgobaum 'Variegata'
Ginkgo biloba 'Variegata'







Blütezeit: März bis April
Blätter: gold-weiß panaschierte Blätter
Wuchshöhe: bis zu 6 m
Herkunft: Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: buntblättriger Ginkgo mit hoher Resistenz gegen Trockenheit


Ginkgo – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

Besondere Schadbilder, die den Ginkgobaum befallen könnten, sind bislang nicht bekannt

Fazit

Einen Ginkgo im eigenen Garten zu kultivieren, trägt nicht nur zum Fortbestand dieses einzigartigen Urgewächses bei. Gleichzeitig können Sie so auch die vielseitige Heilkraft des Ginkgos für sich nutzen. Zudem ist der prähistorische Baum unglaublich pflegeleicht und kommt im ausgewachsenen Zustand mit starker Sonneneinstrahlung ebenso zurecht wie mit winterlichen Minusgraden. Allerdings empfehlen wir gerade bei kleinere Gärten auf niedrig wachsende Sorten zurück zu greifen.

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