Fingerhut – Standort, Pflanzen, Pflege

Fingerhut – Standort, Pflanzen, Pflege

© Pixelmixel - Fotolia.com
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Seinen Namen verdankt der Fingerhut (Digitalis) der auffallenden Form seiner Blüten. Diese erscheinen zweilippig und bilden eine röhrenförmige Blütenkapsel, die stark an das gleichnamige Nähwerkzeug erinnert. Ebenfalls auffällig sind die blüteneigenen, dunklen Fleckenmuster des Fingerhutes, welche ihm seinen unverkennbaren Charakter verleihen. So schön Arten der Digitalis aber auch erscheinen mögen, gibt es im Umgang mit der Pflanzengattung aber doch einiges zu beachten. Erfahren Sie hier deshalb mehr über Fingerhüte und ihre Kultivierung im Garten.

Wissenswertes: Trotz ihres Status als Giftpflanze des Jahres 2007 wird Digitalis medizinisch gegen Herzschwäche angewendet. Digitalisglykoside, auch Cardenolide genannt, besitzen nämlich herzfrequenzstimulierende Eigenschaften, die sich durch Extraktion der Inhaltsstoffe nutzbar machen lassen. In den heimischen Kräutergarten Einzug halten sollte der Fingerhut deshalb aber noch lange nicht, denn in hohen Dosen wirken die Herzglykoside der Pflanze toxisch und rufen anstatt den Herzschlag zu stabilisieren, tödliche Herzrhythmusstörungen hervor.


Fingerhut kultivieren – Standort und Pflanzvorgang

Die bis zu 1,5 Meter hohe Digitalis gehört zur Pflanzenfamilie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Sie ist sowohl in Afrika, als auch in Eurasien heimisch, wobei das Hauptverbreitungsgebiet der Pflanze in Südeuropa liegt. Nun würde man annehmen, dass Fingerhüte deshalb sonnenreiche Standorte bevorzugen, doch tatsächlich fühlt sich die schöne Giftpflanze an schattigen bis halbschattigen Plätzen deutlich wohler. Auch sind naturbelassene Wild- und Heidegärten allzu künstlich gestalteten Gartenanlagen vorzuziehen, weshalb sich als Pflanznachbarn Gewächse anbieten, die ähnlich gut an Naturstandorten gedeihen. Beispiele hierfür sind Akeleien, Frauenmantel, Rittersporne, Silberkerzen, sowie Wildgräser und -farne. Besonders gern kultivierte Arten der Digitalis sind der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea), der Gelbe Fingerhut (Digitalis lutea) und der Rostige Fingerhut (Digitalis ferruginea).

Wenn es um die richtigen Bodenverhältnisse für Ihre Fingerhüte geht, so sollten Sie auf frisch-humose, lockere und sehr nährstoffreiche Substrate setzen. Gewöhnliche Gartenerde mit leicht sauren pH-Werten zwischen 5,5 und 6,5 ist für die meisten Arten ideal. Ausnahmen bilden diesbezüglich Digitalis lutea und Digitalis ferruginea – sie benötigen einen relativ hohen Boden-pH-Wert zwischen 8 und 10. Ungeachtet dieser artspezifischen Unterschiede sind kalkhaltige Böden in jedem Fall zu meiden.

Wichtig: Alle Pflanzenteile des Fingerhutes gelten als hoch giftig. Bei der Pflanzung und Pflege der Digitalis sollten Sie deshalb stets Gartenhandschuhe tragen. Des Weiteren empfiehlt es sich, Fingerhüte außer Reichweite von Kindern und Haustieren anzusiedeln, um möglichen Vergiftungsfällen vorzubeugen.


Einzelheiten zum Standort für Fingerhüte:

  • Digitalis profitiert von schattigen bis halbschattigen Standorten
  • in natürlichen Wild- und Heidegärten fühlt sich die Pflanze am wohlsten
  • beliebte Arten sind Digitalis purpurea, Digitalis lutea und Digitalis ferruginea
  • für Fingerhut frisch-humose, lockere und gut nährstoffreiche Standortböden wählen
  • pH-Wert des Bodens für Arten wie purpurea: leicht sauer von 5,5 bis 6,5
  • Ausnahmen bilden die Arten lutea und ferruginea
  • hier sind basische Böden mit pH-Werten zwischen 8 und 10 erforderlich
  • kalkhaltige Substrate sind jedoch in jedem Fall zu meiden
  • gute Beetnachbarn: Akelei, Frauenmantel, Rittersporn, Silberkerze, Farne und Gräser
  • Vorsicht, die Pflanzenteile des Fingerhutes sind hochgiftig
  • bei Pflanz- und Pflegeschritten an Digitalis immer Handschuhe tragen
  • Standorte außer Reichweite von Kindern und Haustieren sind am sichersten
  1. Schritt – der richtige Pflanztermin: Auch wenn Arten des Fingerhutes wie purpurea oder lutea bis zu -29 °C frosthart sind, empfiehlt sich für die Pflanzung eine Jahreszeit ohne Bodenfrost. Demzufolge bringen Sie Digitalis am besten ab Mai nach den Eisheiligen aus. Danach datierte Pflanztermine können dann aber bis in den Frühherbst, also bis September reichen.


  2. Schritt – Boden vorbereiten: Wie bereits angesprochen, lieben Fingerhüte nährstoffreiche Standorte. Aus diesem Grund raten wir dazu, den Standortboden vor der Pflanzung mit Kompost anzureichern. Des Weiteren können Sie allzu verdichtete Substrate vor der Ausbringung Ihres Fingerhutes etwas auflockern und von störenden Bodenhindernissen befreien. Zu trockene Böden sind gegebenenfalls zu mulchen.


  3. Schritt – Fingerhut pflanzen: Das Pflanzloch sollte für Fingerhüte etwa die anderthalben Ausmaße des Wurzelballens betragen. In einem Mindestabstand von 35 bis 40 Zentimeter gepflanzt, kommen die Wegerichgewächse dabei am besten in Gruppen von fünf bis zehn Stück zur Geltung. Bedenken Sie bei entsprechenden Arrangements aber die finale Wuchshöhe der Fingerhutarten, damit auch etwaige Begleitpflanzen noch genügend Platz im Beet haben.


  4. Schritt – Fingerhut angießen: Während Digitalis an ihrem neuen Standort anwächst, benötigt die Pflanze besonders viel Flüssigkeit. Gießen Sie den Fingerhut darum schon zu Beginn großzügig an. Vermeiden Sie aber dennoch etwaige Staunässe, damit die Wurzeln des Fingerhutes nicht ertrinken.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Pflanztermin für Digitalis: Frühlings-, Sommer- und Herbstmonate ohne Bodenfrost
  • Standortboden vor der Pflanzung mit Kompost anreichern und gut auflockern
  • sehr trockene Böden ggf. mulchen
  • danach Pflanzloch mit 1 ½ Umfang des Wurzelballens ausheben
  • Mindestabstand für einzelne Fingerhüte beträgt 35 – 40 cm
  • eine Gruppenpflanzung zu je 5 – 10 Exemplaren wird empfohlen
  • in den ersten Wochen nach der Pflanzung Digitalis großzügig gießen
  • Staunässe aber dennoch vermeiden

Pflege des Fingerhutes – gießen, düngen und schneiden

© geografika - Fotolia.com
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In ihrer Pflege sind Fingerhüte relativ unkompliziert. Da die Wegerichgewächse jedoch sehr große Blüten ausbilden ist es bei anhaltenden Trockenperioden sinnvoll, zwei bis drei mal wöchentlich zu gießen. Etwas Fingerspitzengefühl in Sachen Dosierung der Wassergaben könnte erforderlich sein, denn zu feuchte Standorte sind trotz reichlicher Bewässerung natürlich unvorteilhaft. Warten Sie am besten ab, bis die oberste Erdschicht vollständig aufgetrocknet ist, ehe Sie erneut nachgießen.

Den Wuchs Ihres Fingerhutes können Sie durch gelegentliches Düngen positiv unterstützen. Bringen Sie zu diesem Zweck im Frühjahr ausreichende Mengen an Volldünger im Wurzelbereich der Pflanze aus. Gelegentliches Mulchen kann bei trockenen Böden auch nach der Pflanzung hin und wieder notwendig werden.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Fingerhut in anhaltenden Trockenphasen 2 bis 3 mal wöchentlich gießen
  • Wassermengen stets maßvoll abwägen und dauerhaft nasse Böden vermeiden
  • vor der nächsten Wassergabe oberste Erdschicht vollständig auftrocknen lassen
  • Düngung der Digitalis im Frühjahr mit ausreichend Volldünger
  • besonders trockene Standorte hin und wieder mulchen

Wenn Sie die Langlebigkeit Ihrer Digitalis fördern möchten, sollten Sie kontinuierlich alle welke Blüten samt Blütenstiel abschneiden. Da die Hauptpflanze nach der Blütezeit aber meist ohnehin komplett abstirbt, ist eine Selbstaussaat beim Fingerhut durchaus wünschenswert. In diesem Fall müssen die Blütenstängel bis zur Samenreife stehen gelassen werden, was bedeutet, dass Sie sich zwischen längerer Blütezeit und Vermehrung der Digitalis entscheiden müssen. Alternativ können Sie es nach dem Verwelken der Blüten mit einem bodennahen Rückschnitt im Herbst versuchen. Es besteht durchaus die Chance, dass die zweijährige Pflanze dann im nächsten Jahr erneut austreibt.

Achtung! Auch wenn wir bereits zuvor auf die Giftigkeit der Digitalis hingewiesen haben, möchten wir an dieser Stelle nochmals davon abraten, die Herzglykoside ihrer Arten privat zu extrahieren. Wenn Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld ein Medikament gegen Herzschwäche mit entsprechenden Inhaltsstoffen benötigen, ist dieses ausnahmslos von einem Arzt zu verschreiben und niemals durch selbst gewonnene Digitalisglykoside herzustellen!


    Vermehrung durch Aussaat: Wer es auf eine gezielte Aussaat ankommen lassen möchte, der kann die Samenkapseln des Fingerhutes nach dem Ausreifen im August absammeln und großflächig direkt ins Freiland säen. Achten sollten Sie hierbei aber auf eine gute Bewässerung des Saatguts, sowie einen Reihenabstand von etwa 25 Zentimetern. Zudem könnten die Außentemperaturen über den Aussaaterfolg entscheiden, denn Samen der Digitalis keimen nur bei Temperaturen zwischen 18 °C und 22 °C optimal. Bedenken Sie auch, dass sich Blüten an Jungpflanzen der Fingerhüte erst im zweiten Wuchsjahr zeigen. Im Folgejahr nach der Aussaat sind dagegen zunächst Blattrosetten zu erwarten, die beim Unkrautjäten auf keinen Fall mit ungebetenen Gästen verwechselt werden sollten.

Kurtipps zum Schneiden und Vermehren:

  • für mehr Langlebigkeit welke Blüten und Blütenstiele der Digitalis abschneiden
  • für erwünschte Selbstaussaat Blüten und Blütenstiele hingegen stehen lassen
  • um Blüte im Folgejahr zu erzielen, Fingerhut im Herbst bodennah einkürzen
  • zur gezielten Vermehrung durch Aussaat im August Samenkapseln absammeln
  • Saatgut im Reihenabstand von 25 cm großflächig ins Freiland ausbringen
  • Keimung erfolgt bei guter Bewässerung und idealem Klima nach 2 bis 4 Wochen
  • Blüte der Jungpflanzen erst im zweiten Wuchsjahr zu erwarten
  • bis dahin Blattrosetten des Fingerhutes pfleglich behandeln und nicht jäten

Interessante Arten und Sorten der Digitalis im Überblick

Mit etwa 25 Arten ist die Gattung Digitalis verhältnismäßig klein. Eine üppige Blüten- und Größenauswahl bietet der Fingerhut aber dennoch. So hat die Pflanze in Sachen Blütenfarbe von weiß über rosa und violett bis hin zu rot und gelb fast jede Nuance im Angebot. Dabei wartet gerade Digitalis purpurea, auch wenn es der Name anders vermuten lässt, mit einem besonders vielfältigen Farbangebot auf. Wenn es dagegen um die Wuchshöhe geht, bieten neben der Art purpurea auch andere Varianten der Digitalis ihre Vorzüge. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, hier einige der schönsten Digitalisarten und -sorten:

SorteBeschreibung
Gelber Fingerhut
Digitalis lutea
Blütezeit: Juni bis August
Blütenfarbe: hellgelbe Blüten
Wuchshöhe: bis zu 60 cm
Herkunft: Europa, Nordafrika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
gute Sorten: benötigt Boden-pH-Wert von 8 bis 10
Großblütiger Fingerhut
Digitalis grandiflora
Blütezeit: Juni bis Juli
Blütenfarbe: besonders große, hellgelbe Blüten
Wuchshöhe: bis zu 100 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
gute Sorten: 'Carillion'
Rostiger Fingerhut
Digitalis ferruginea
Blütezeit: Juli bis August
Blütenfarbe: gelbe Blüten
Wuchshöhe: bis zu 150 cm
Herkunft: Eurasien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
gute Sorten: 'Gelber Herold'
Roter Fingerhut
Digitalis purpurea
Blütezeit: Juni bis Juli
Blütenfarbe: rote, rosa, lila oder weiße Blüten
Wuchshöhe: bis zu 120 cm
Herkunft: Europa, Nordafrika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
gute Sorten: 'Alba Campanulata', 'Campanulata', 'Candy Mountain', 'Castor Cream', 'Comte de Chambord', 'Dalmatian Purple', 'Excelsior', 'Foxy', 'Frosty', 'Gloxiniaeflora', 'Gloxiniaeflora alba', 'Pam's Choice', 'Primrose Carousel', 'Snow Thimble', 'Suttons Apricot'
Wolliger Fingerhut
Digitalis lanata
Blütezeit: Juni bis August
Blütenfarbe: hellgelbe Blüten
Wuchshöhe: bis zu 60 cm
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: gut
Besonderheiten: nur bis -18 °C winterhart

Fingerhut – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

© Daniel Poloha - Fotolia.com
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So lange der Fingerhut nicht übergossen wird, können ihm Pilzkrankheiten wie Wurzelfäule kaum gefährlich werden. Im Notfall hilft ein Austausch der Erde am angestammten Platz im Garten. Trotz guter Pflege besonders anfällig ist Digitalis allerdings gegen folgende Schadbilder:

    Echter Mehltau – Echter Mehltau ist die einzige Pilzkrankheit, die dem Fingerhut trotz guter Pflege wirklich gefährlich werden kann. Er sorgt im Frühling für weiße bzw. graue Blattflecken an der Pflanze, überzieht manchmal sogar Blüten und Triebe mit einem mehligen Schimmelfilm, und könnte die Digitalis im Allgemeinen etwas kränklich wirken lassen. Kommt es zu einem Befall mit echtem Mehltau an Ihrem Fingerhut, können Sie eine Behandlung mit Knoblauchsud oder Schwefel in Erwägung ziehen. Ergänzend müssen Sie betroffene Pflanzenteile sorgfältig vom Fingerhut entfernen und im Restmüll entsorgen. Fungizide sollten bei echtem Mehltau nur im äußersten Notfall zum Einsatz kommen, da sie eine relativ große Umweltbelastung darstellen.


    Blattfleckenkrankheit – Graubraune, rotgelbe oder gar schwarze Flecken an den Blättern des Fingerhutes sind meist ein Hinweis auf die sogenannte Blattfleckenkrankheit. Sie kann sowohl durch Bakterien, als auch durch Viren hervorgerufen werden und deutet auf eine insgesamt stark geschwächte Pflanze hin. Hier hilft neben dem Entfernen betroffener Blätter meist nur ein Fungizid, um das Schadbild in den Griff zu bekommen. Achten Sie aber dennoch auf ökologisch halbwegs verträgliche Mittel, um Ihren Garten nicht allzu stark durch chemische Substanzen zu belasten.

Fazit

Giftpflanzen sind häufig schön anzusehen, zur Pflanzung an für Kinder frei zugänglichen Standorten aber nicht geeignet. Dies gilt insbesondere für den Fingerhut. Auch wenn seine Herzglykoside als medikamentöser Wirkstoff gegen Herzschwäche Anwendung findet, darf die Pflanze dennoch niemals von Laien extrahiert oder gar verabreicht werden. Demnach kommt nur eine Verwendung als Zierpflanze in Frage. Hier ist Digitalis dann aber relativ pflegeleicht und bedankt sich bei vernünftiger Wasserzufuhr und angemessenen Bodenverhältnissen mit einem gesunden Wuchs, einer imposanten Blütenpracht, sowie einer zuverlässigen Selbstaussaat, die auch in den Folgejahren der Pflanzung noch wunderschöne Exemplare des zweijährigen Fingerhutes verspricht. Als Art mit besonderer Vielfalt in Sachen Blütenfarben empfehlen wir dabei Digitalis purpurea.

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