Erle – Pflanzen, Pflege, Schneiden

Erle – Pflanzen, Pflege, Schneiden

© Wolfisch - Fotolia.com
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In Venedig dienen die Baumstämme der Erle (Alnus) als stabile Stützen für die berühmten, venezianischen Stelzenhäuser. Aus gutem Grund, denn das Holz der Erle, insbesondere das der Schwarzerle, ist äußerst nässeunempfindlich. Eine Eigenschaft, deretwegen sich Alnus ebenso gut für Uferbepflanzungen, beispielsweise an Teichen oder kleinen Seen eignet. Doch auch in anderen Bereichen des Gartens kommen Erlenarten dank ihrer eindrucksvollen, bis zu 9 Zentimeter großen Blätter und der schlanken Wuchsform mehr als schön zur Geltung. Was es hierbei für die richtige Standortwahl und Pflege des Baumes bedarf, erfahren Sie hier.

Wissenswertes: Goethes Ballade ‚Der Erlkönig‘ verdankt ihren Namen einem botanischen Irrtum. Das Gedicht wurde seinerzeit von Johann Gottfried Herder aus dem Dänischen übersetzt, wo es den Titel ‚Ellerkonge‘ trägt. Eigentlich war hiermit der Elfenkönig gemeint, doch da der Begriff ‚Eller‘ in Deutschland seit dem frühen Mittelalter ein Trivialname für die Erle war, unterlief Herder ein sprachlicher Deutungsfehler. Dieser sorgte wohl auch dafür, dass Erlen im deutschen Aberglauben bis heute als Sitz der Elfen gelten. Die volkstümliche Bezeichnung ‚Elbenbaum‘ für Erle erklärt sich somit von selbst.


Erle Pflanzen – Standortbedingungen und Ablauf

Erlen stammen aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Mit Ausnahme der Anden-Erle, welche, wie der Name schon sagt in den südamerikanischen Anden wächst, sind Erlenarten dabei nur auf der Nordhalbkugel zu finden. Es handelt sich demnach um einen für Mitteleuropa typischen Baum, der sich hierzulande wunderbar kultivieren lässt. Besonders gerne gepflanzt werden diesbezüglich die Schwarzerle (Alnus glutinosa) und die Grauerle (Alnus incana).

Wenn es um ihren Standort im Garten geht, ist die Erle wenig wählerisch, weshalb sonnige wie halbschattige Wuchsgründe gleichermaßen in Frage kommen. Allerdings bevorzugt Alnus gut durchfeuchteten Boden und kommt mit Trockenheit nur schlecht bis gar nicht zurecht. Ein Standort in Gewässernähe ist darum unbedingt angeraten. Was das Pflanzsubstrat anbelangt, so raten wir für die Erle zu einem kalkfreien, humusreichen Boden mit schwach sauren bis neutralen pH-Werten zwischen 4,5 und 7,3. Ob das Substrat nun Anteile aus Torf, Ton, Sand, Lehm oder Kies enthält, ist einerlei. Wichtiger ist, dass die Alnus nach oben und unten genügend Platz für Krone und Wurzelwerk hat, da der flachwurzelnde Baum nicht nur bis zu 120 Jahre alt, sondern auch bis zu 30 Meter hoch werden.

Einzelheiten zum Standort für Erlen:

  • sonnige und halbschattige Standorte sind für Alnus gleichermaßen geeignet
  • Standortsubstrat sollte gut feucht, humos und kalkfrei sein
  • ob der Boden torfig, tonhaltig sandig, lehmig oder kiesig ist, spielt keine Rolle
  • pH-Wert des Bodens: schwach sauer bis neutral von 4,5 bis 7,3
  • auf ausreichende Platzverhältnisse am Standort achten, Erle wird ca. 30 m hoch
  • Erle daher nicht zu dicht an Haus- oder Grenzmauern pflanzen
  • beliebte Erlenarten: Schwarzerle (Alnus glutinosa), Grauerle (Alnus incana)
  1. Schritt – Pflanztermin wählen: Pflanzen Sie Ihre Erle am besten im Frühjahr nach den letzten Bodenfrösten. Das Erdreich ist hier meist gut durch Frühlingsniederschläge vorgefeuchtet, was dem Baum sehr zu gute kommt.


  2. Schritt – Boden vorbereiten: Aufbereiten müssen Sie den Standortboden für Erlen nur, wenn dessen pH-Werte oder Feuchtigkeitsgehalt nicht den Ansprüchen der Birkengewächse genügt. Neben einer geeigneten, schwachsauren bis neutralen Substratmischung ist hierbei auch das Mulchen, bzw. Einschlämmen des Bodens sinnvoll, vor allem dann, wenn Alnus nicht in Gewässernähe angesiedelt wird.


  3. Schritt – Erle Pflanzen: Gepflanzt werden sollte die Erle entweder als Solitär oder Alleebaum. Für die Kultivierung mehrerer, nebeneinander wachsender Bäume ist in diesem Zusammenhang ein Pflanzabstand von mindestens fünf bis sechs Metern unerlässlich, damit sich die flachen Wurzeln des Alnus ungehindert ausbreiten können. Darüber hinaus müssen Sie darauf achten, dass die Wurzeln der Erle nach dem Einsetzen ins Pflanzloch von einer mindestens 60 bis 70 Zentimeter dicken Erdschicht bedeckt sind. Ist dies nicht der Fall, könnten sich sowohl Blätter, als auch Blüten und Stamm des Baumes kümmerlich entwickeln.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Pflanztermin für Erlen: Frühjahr nach den Eisheiligen
  • pH-Werte des Bodens vor der Pflanzung nach Bedarf anpassen
  • bei Kultivierung des Alnus fernab eines Gewässers Boden Mulchen und Einschlämmen
  • Pflanzgrube sollte tief genug für 60 bis 70 cm dicke Bodenoberschicht sein
  • Pflanzabstand einzelner Erlen: mindestens 5 bis 6 m

Pflege der Erle – gießen, düngen, schneiden

© MasterSergeant - Fotolia.com
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Für Erlen, die an Seen, Teichen oder fließenden Gewässern stehen, erübrigt sich der Gießvorgang meist völlig. Anders sieht es bei einem Alnus aus, der von entsprechenden Wasservorkommen gänzlich abgeschnitten ist. Hier müssen Sie vor allem im Sommer zusätzlich bewässern, wobei sich gesammeltes Regenwasser am besten eignet. Gehen Sie ruhig großzügig mit den Feuchtigkeitsgaben um, denn wie schon gesagt, handelt es sich bei der Erle um einen Baum, der gerne nass steht und selbst bei anhaltender Nässe keine Fäulinserscheinungen zeigt. Verwechseln Sie dauerhafte Bodennässe aber dennoch nicht mit Staunässe. Hier könnte die Erle wie viele Pflanzen empfindlich reagieren.

Für die natürliche Nährstoffversorgung der Erle sorgt ein Bakterium namens Frankia alni. Es zählt zu den Aktinomyzeten und ist dazu in der Lage, den vom Alnus aus der Luft absorbierten und in seinen Wurzelknöllchen gebundenen Stickstoff in eine Naturdünger umzuwandeln. Im Gegenzug versorgt der Baum die Bakterien mit für sie wichtigen Nährstoffen. Ähnliche Wurzelsymbiosen geht Alnus auch mit einigen Bodenpilzen ein, etwa dem Erlen-Täubling, Erlen-Milchling oder dem Erlengrübling. Bei einer adäquaten Düngung der Erle geht es für Gärtner deshalb in erster Linie darum, den für Bakterien und Pilze angemessenen Boden-pH-Wert stabil zu halten und den Standort der Erle mit gelegentlichen Stickstoffgaben attraktiv für die Kleinstlebewesen zu halten.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Erlen, die am Ufer wachsen benötigen keine Wasserversorgung
  • alle anderen Kulturen des Alnus müssen gelegentlich gegossen werden
  • Erle darum v.a. in sommerlichen Trockenperioden großzügig bewässern
  • Düngung der Erlen erfolgt wenn, nur moderat mit stickstoffhaltigen Düngemitteln
  • Großteil der Nährstoffversorgung erfolgt durch Symbiosen mit Bakterien und Pilzen

Sofern Sie eine besonders junge Erle in Ihrem Garten gepflanzt haben, ist in den ersten Standjahren ein regelmäßiger Formschnitt notwendig. Führen Sie diesen am besten an frostfreien Tagen im Frühjahr, unmittelbar nach der Blüte durch. Geschnitten werden vorzugsweise unverzweigte Äste, um die Krone kompakter werden zu lassen. Ausreichend scharfe Gartenscheren und Baumsägen, ebenso wie ein geeignetes Baumwachs zur Wundschließung sind für den Schneidvorgang natürlich unabdingbar. Auch darf der Formschnitt erst erfolgen, wenn der Jungbaum sein drittes Lebensjahr erreicht hat. Erst dann ist er robust genug, um nach dem Schneiden nicht allzu sehr zu schwächeln.

    Vermehrung durch Aussaat: Die Vervielfältigung von Erlen durch Stecklinge ist häufig nicht von Erfolg gekrönt, wie viele Gärtner berichten. Auch nimmt die Fähigkeit, sich auf diese Weise vegetativ zu vermehren mit voranschreitendem Alter der Erle ab, weshalb eine gelingende Vermehrung durch Aussaat deutlich sicherer ist. Sammeln sie hierzu im November die auch Kätzchen genannten Zapfenfrüchte des Alnus ein und lagern Sie die darin befindlichen Samen bis Ende Januar an einem trockenen Ort. Danach geht es für das kaltkeimende Saatgut etwa eine Woche in den Kühlschrank, ehe es ca. 14 Tage im Wasserbad vorquellen muss – erst dann sind die Erlensamen bereit zu Pflanzung. Bedecken Sie die Samen hierbei nur leicht mit Erde und halten Sie den Boden um die Anzucht gleichmäßig feucht. War die Aussaat erfolgreich, setzt nach drei bis vier Wochen die Keimung ein.

Kurztipps zum Schneiden und Vermehren:

  • Junge Erlen benötigen nach dem 3. Lebensjahr einen regelmäßigen Formschnitt
  • unverzweigte Äste kürzen und Schnitt in den ersten Standjahren wiederholen
  • beste Zeit für Formschnitt: Frühling, direkt nach der Blüte
  • zum Schneiden nur scharfe Gartenscheren und Baumsägen verwenden
  • für Vermehrung durch Aussaat im November Erlenkätzchen sammeln
  • bis zum Januar im Trockenen ausreifen lassen
  • danach Saatgut des Alnus für eine Woche in den Kühlschrank geben
  • vor der Pflanzung 2 Wochen lang im Wasserbad vorquellen lassen
  • im Anschluss Erlensamen ausbringen und leicht mit Erde bedecken
  • Anzuchtboden konstant feucht, aber nicht zu nass halten
  • Keimung erfolgt nach ca. 3 – 4 Wochen

Junge Erlen richtig überwintern

Eine ausgewachsene Schwarzerle ist bis zu -40 Grad frosthart. Und auch andere Arten des Alnus vertragen zwischen -20 und -30 °C. Jüngere Exemplare benötigen jedoch in den ersten drei Standjahren einen leichten Winterschutz, um sicher durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Nehmen Sie einfach ein spezielles Gartenvlies zur Hand und umwickeln Sie den Stamm Ihrer Jungerle großzügig damit. Es schützt die Rinde vor Erfrierungen und sorgt für eine schrittweise Gewöhnung der Erle an stärkere Fröste.

Interessante Arten und Sorten des Alnus

Zur Gattung Alnus zählen ungefähr 35 Arten, wobei sich die einzelnen Erlenarten bisweilen sehr in ihrem Erscheinungsbild unterscheiden. So besitzt die Grauerle (Alnus incana) beispielsweise eine hellgraue Rinde. Sie geht nahezu ins Weiße über, weshalb Grauerlen gelegentlich auch als Weißerlen bezeichnet werden. Die Rinde der Schwarzerle (Alnus glutinosa) erscheint hingegen eher in einem sehr dunklen Grau, das aus der Ferne fast schwarz erscheint. Zudem bildet die Art glutinosa eine Borke aus, womit sich diese Variante der Erle ebenfalls deutlich von der Art incana unterscheidet. Weitere artspezifische Eigenheiten haben wir gemeinsam mit anderen wichtigen Informationen zu interessanten Erlenarten in der nachstehenden Übersicht für Sie zusammengefasst:

SorteBeschreibung
Grauerle (Weißerle)
Alnus incana
Blütezeit: März bis April
Blattfarbe: grüne Blätter, braune Zapfennüsse
Wuchshöhe: bis zu 10 m
Herkunft: Europa
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: hohe Toleranz bzgl. Stadtklima und sauerstoffarmer Böden
Grünerle
Alnus viridis
Blütezeit: April bis Juni
Blattfarbe: grüne Blätter, braune Zapfennüsse
Wuchshöhe: bis zu 3 m
Herkunft: Eurasien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: Straucherle; benötigt Boden-pH-Wert von mind. 6,4
Roterle
Alnus rubra
Blütezeit: März bis April
Blattfarbe: grüne Blätter, rote Kätzchen
Wuchshöhe: bis zu 10 m
Herkunft: Nordamerika
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: mittlere Toleranz bzgl. leicht kalkhaltiger und zeitweise trockener Böden
Schwarzerle
Alnus glutinosa
Blütezeit: März bis April
Blattfarbe: grüne Blätter, schokoladenbraune Kätzchen
Wuchshöhe: bis zu 25 m
Herkunft: Eurasien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
gute Sorte: 'Imperialis'
Japanische Erle
Alnus japonica
Blütezeit: April bis Mai
Blattfarbe: grüne Blätter, braune Zapfennüsse
Wuchshöhe: bis zu 20 m
Herkunft: Asien
Eignung für Kultivierung: sehr gut
Besonderheiten: zählte bis 1840 zu den Birken

Erle – mögliche Krankheiten und Schädlinge

© anton vasilev - Fotolia.com
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Auch wenn die Erle mehr als robust ist, selbst auf sehr feuchte Böden kaum mit Wurzelfäule reagiert und mit vielen Pilzen in Symbiose lebt, so gibt es doch eine Pilzkrankheit, die dem Baum in Sachen Fäulnis zum Problem werden kann. Es handelt sich hierbei um das sogenannte Erlensterben, welches durch den Scheinpilz Phytophthora alni ausgelöst wird. Dieser gilt als einziger bekannter Krankheitsauslöser von Wurzelfäule bei Erlbäumen, welche daraufhin mit vergilbtem und spärlichem Blattwuchs, sowie orange- bis schwarz-braunen Rindnekrosen reagieren. Gerade Schwarzerlen zeigen sich äußerst anfällig für das Erlensterben und leider wird die Krankheit häufig erst zu spät erkannt, da sie im Laufe von bis zu zehn Jahren relativ schleichend verläuft.

Ist das Erlensterben erst einmal umfangreich an einer Erle ausgebrochen so gibt es keine Rettung mehr für den Baum. Geeignete Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung der Krankheit existieren bislang nicht, weshalb die einzige Maßnahme zur Eindämmung des Pilzes im Abfällen des Baumes liegt. Danach sollten Sie am einstigen Standort der Erle mindestens fünf Jahre lang keine Pflanzen mehr ansiedeln, um sicher zu gehen, dass die Pilzsporen auch wirklich ausgerottet sind.

Fazit

Für Standorte an stehenden und fließenden Gewässern ist die Erle wie geschaffen. Hier bekommt der feuchtigkeitsliebende Baum nämlich genügend Wasser, um seinen beachtlichen Durst zu stillen. Ansonsten ist Alnus wenig pflegeintensiv und bedarf allenfalls in jungen Jahren des Öfteren eines Formschnitts. Da er von Natur aus in Symbiose mit Nährstofflieferanten wie Wurzelbakterien und Pilzen steht, ist zudem auch die Düngung häufig überflüssig. Insbesondere Gartenlaien werden deshalb viel Freude mit dem unkomplizierten Baum haben und durch eine eigene Alnuskultur vielleicht sogar noch selbst zum ‚Erlkönig‘ mutieren.

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