Englischer Garten

Englischer Garten

Englischer Garten – wie kann ich einen englischen Garten anlegen

© cameraman - Fotolia.com
© cameraman – Fotolia.com
Die englische Gartenkunst begeistert sowohl im Großen, als weitläufiger, herrschaftlicher Landschaftspark, als auch im Kleinen: als romantisch, verträumter „Cottage Garden“. Beiden Gartenarten ist ihre ideale Natürlichkeit gemein, und ihre verträumt romantische Grundstimmung. Wenn es in den herrschaftlichen Anlagen auch um das Zähmen, das Beherrschen der Natur ging, war die ideale Landschaft stets das oberste Gestaltungsziel.

Einen englischen Garten im klassischen Sinne (Die Kew-Gardens nahe London, Sussex in Südengland, Englischer Garten München, Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau, Gartenreich in Dessau-Wörlitz) anzulegen, wäre schon aus Platzgründen ein nahezu unmögliches Vorhaben. Dennoch bildet die klassische Schule den Ausgangspunkt für die – nicht ohne Grund – so beliebten „Cottage“-Gärten oder auch Landhausgärten englischer Prägung. Das betrifft vor allem die Pflanzen- und Materialauswahl.

Die Landschaft als verträumten Rückzugsort zu gestalten, mit kunstvoller Staffage zu beleben und akzentuieren und fließende Formen in sich sowie Übergänge in die Umgebung zu schaffen sind die großen Leistungen der einstigen Gartenmeister. Transformiert auf die Landhausgärten, die sich einst als Gegenentwurf zur damaligen, sich rasant entwickelnden Industrialisierung im beginnenden 18. Jahrhundert herum, entwickelten bedeutet dies: Lockerheit, Natürlichkeit, Romantik, Farben, Düfte – das kleine natürliche, private Paradies auf engstem Raum. Das kleine, wohl fein abgesteckte Lebensglück fernab der wachsenden Fabriken und qualmenden Schornsteine.

Halten Sie die Natur in Grenzen

Das Geheimrezept nahezu aller „Cottage“-Gärten ist ihre räumliche Ab- und Begrenzung, vornehmlich aus Hecken oder Mauern aus Natursteinen oder Ziegelwerk. So entsteht der äußere Rahmen für die blühende Üppigkeit im Inneren. Dabei bilden das obligatorische Landhaus (das „Cottage“) und der herum befindliche Garten eine charakteristische Einheit aus Architektur, „grünem“ Bühnenbild und spürbarer Natürlichkeit. Was das Vorhandensein eines Landhauses jedoch nicht zwangsläufig bedingt.

Die Gestaltung des Gartens fällt durch markante Architekturen prinzipiell leichter, denn die Form- und Materialwahl wird dadurch offensichtlicher, „greifbarer“. Dazu kommt die vertikale Akzentuierung der Gartenfläche durch Spaliere, Pergolen etc., die für Spannung und ein gewisse Undurchsichtigkeit sorgen. Vor allem kleine Flächen können Sie so in kleine, unterschiedlich ausgestattete Gartenzimmer ausgestalten. Ein wichtiges Gestaltungsmittel der „Cottage“-Gärten. Und der Garant für einen dauerhaften Rahmen, in dem sich die Natur voll und vor allem blühend entfalten kann.

Gartenstruktur, Materialien und Co.

Generell liegen Sie mit natürlichen, und idealerweise regional vorkommenden Materialien, bei der Anlage eines englisch inspirierten Landgartens genau richtig. Perfektion und Geradlinigkeit wirken der Natürlichkeit entgegen. Setzen Sie stattdessen lieber auf Lücken, Verspieltheit und einen lebendigen Materialmix.

Neben der äußeren Begrenzung ist die innere Einteilung – in „Räume“ – besonders bedeutungsvoll. Wegeeinfassungen aus Ziegelsteinen oder auch Klinkern, Beetbegrenzungen mit Weidengeflecht oder Hölzern und ganz generell die Verwendung von Holz für Rankgerüste usw. sorgen für ein gleichsam abwechslungsreiches und harmonisches Bild, welches durch die ähnliche, da natürliche, Farbgebung entsteht.
Durch den Lauf der Zeit, durch Witterungseinflusse, dem so bedingten „Verfall“ und Zurückerobern der Natur entsteht über einen längeren Zeitraum dann die einmalige Romantik der „Cottage“-Gärten. Ein wenig Zeit ist also von Nöten, bis Natur und Architektur ineinander verwachsen und Patina für nachdrücklichen Charme sorgt.

Tipp: Sie wollen gleich von Beginn an Charakter und Patina? Verwenden Sie gebrauchte und aussortierte, unperfekte Materialien. Mixen Sie verschiedene Materialien zu Flächen und scheuen Sie nicht die Nachfrage im Fachhandel nach Resten und 2nd-hand-Ware.

Da die Übergänge im Garteninneren fließend sind, beziehungsweise auf den ersten Blick so erscheinen, spielt das Übergreifen der Vegetation auf Gebautes (Wege, Gebäude, Plastiken) eine wichtige Rolle. Sie dürfen also gerne nachlässig bei der Pflege sein. Hier noch einmal die wichtigsten Grundsätze für den englischen Landhausgarten:

  • Regional vorkommende, natürliche Materialien verwenden
  • Auf Lücken und Verspieltheit setzen
  • Einteilung in „innere Räume nutzen (Holzgeflechte als Beetabgrenzung, hölzerne Rankgeflechte)
  • Mit der Pflege nicht zu vorbildlich sein (Ineinanderfließen von Natur und Gebautem)

Englische Gärten sind Pflanzengärten

Ganz klar, die richtigen Pflanzen machen die Wirkung! Das blühenden Ensemble vor geschnitten Eiben- und Buchshecken oder zentral gelegenen Beeten (umrahmt von markanten Ziergehölzen) bestimmen vor allem reichblühende Stauden, Zwiebelblumen – und Rosen. Rosen sind fast schon zwingend für englische Gärten, die Einsatzmöglichkeiten und vor allem Sortenvielfalt schier unüberschaubar.

Rosen-Tipp: Achten Sie unbedingt auf resistente und geprüfte Rosensorten. Eine gute Hilfe ist das Label der Allgemeinen Deutschen Rosenneuheitenprüfung (ADR), was Ihnen neben guter Pflanzengesundheit auch der erhoffte Blütenerlebnis verspricht.

Rosen kommen im „Cottage“-Garten in nahezu allen Formen zum Einsatz. Als üppige begrünte Pergolen (Strauch- und Kletterrosen) oder als blühende Begrenzung und Rahmengebung in den „mixed boarders“, einer unnachahmlich attraktiven Form der natürlichen Beetanlage mit differenzierten Farbharmonien und immensen Formenreichtum. Durch das Ineinanderwachsen verschiedenster Pflanzen in einem zugewiesenen Farbschema wird so eine ganz charakteristische Optik erreicht.

Charakteristische Pflanzen – ohne geht`s nicht!

  • Rosen!
  • Hecken (z. B.: Eibe, Buchsbaum)
  • Stauden (z. B.: Eisenhut, Ehrenpreis, Knautie, Lilie, Phlox, Königskerze)
  • Zwiebelblumen (z. B.: Lauch, Dahlien, Gladiolen, Frühjahrsblüher)
  • Ziersträucher (z. B.: Hortensie, Flieder, Schneeball)
  • Kletterpflanzen (z. B.: Clematis, Blauregen)
  • Obstgehölze (vornehmlich alte Sorten von Äpfeln

Dazu sorgen Sie mit auffälligen Lupinen, Stockrosen, Kosmeen, Mohnblumen, Ziertabak und attraktiven Kräutern (Lavendel, Salbei etc.) für den richtigen Landcharme.

Nicht nur schön, sondern auch nützlich

Der Aspekt der Selbstversorgung spielt auf dem Land eine übergeordnete Rolle. So finden sich in englischen Landgärten immer auch kleine Ecken, in denen zum Beispiel Gemüse (z. B.: Kohlarten, Rhabarber, Mangold) Obst (z. B. Beerenobst) und Küchenkräuter vorkommen.

Lassen Sie es wachsen und denken Sie ans Mobiliar

Ein Garten wirkt immer auch durch sein Mobiliar. Wählen Sie Sitzgelegenheiten, Plastiken (die Staffage) usw. also stets passend zum Flair und Ambiente ihres Gartens, damit ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Und bleiben Sie entspannt was Verwitterungs-erscheinungen, Ausblühungen etc. betrifft, denn das garantiert Ihnen Charakter und die natürliche Patina, die „Cottage“-Gärten so einzigartig macht.

Die Pflege der Ziergehölze, Beete und Rosen sollte nicht durch Übereifer gekennzeichnet sein, sondern sich auf die notwendigen Arbeiten (Rückschnitt, Auslichtung) beschränken, denn in der maximalen Entspanntheit (bei klar ablesbaren Strukturen) liegt der romantische Zauber englischer Gärten begründet.

Ganz generell: Rahmen und Dimension des Gartens festlegen und dann ausfüllen und -schmücken. Fangen Sie vorerst mit einer überschaubaren Anzahl von Pflanzen an und steigern diese dann sukzessive mit den ersten Erfahrungen im Umgang mit der „gezähmten Natürlichkeit“, die alle englischen Gärten prägt

Die Kommentare sind geschloßen.