Willkommen im Grünen Archiv

Willkommen im Grünen Archiv

„Wer einen Garten hat, lebt schon im Paradies.“

 

So schrieb es einst die Essayistin und Botanikliebhaberin Aba Assa. Und sie hatte recht. Denn wer es erst einmal geschafft hat, sein eigenes Gartenkonzept gestalterisch zu verwirklichen, der wandelt fürwahr auf den Pfaden der Schöpfung. Es gibt nichts paradiesischeres, als im eigenen Privathain die Blütenpracht der hiesigen Flora zu entfachen, leckere Gemüse- und Obstsorten selbst anzupflanzen, heilsame Kräuter und wohlriechende Gewürze zu ziehen, oder einfach nur der wilden Notanik beim wachsen zuzusehen. Gleichzeitig ist das heimische Grün auch Quell der Ruhe und Erholung sowie Zuflucht für allerlei Tiere und Nützlinge wie Vögel, Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge. Allerdings bedarf es ein wenig Planung, um den Traum vom Gartenidyll umzusetzen. Erfahren Sie bei uns, was es an grundlegenden Vorbereitungen bedarf, um Ihren Garten nach eigenen Wünschen zu gestalten.

 

Mutter Natur und ihre Wächter

Die Kultivierung und Aufzucht von Pflanzen nahm in der Menschheitsgeschichte seit der Sesshaftwerdung unserer Art stets eine zentrale Rolle zur Sicherung des Überlebens ein. Überlieferungen wie jene vom biblischen Garten Eden und anderen legendären Gartenanlagen wie den Hängenden Gärten der Semiramis, die als eines der Sieben Weltwunder bekannt sind, zeugen noch heute von der besonderen Bedeutung der Pflanzenzucht für unsere Zivilisation. Eine Bedeutung die nicht nur von der Kreativität des menschlichen Geistes in Sachen Pflanzenarrangements zeugt, sondern auch wiedergibt, wie sehr die Natur seit jeher die Fantasie des Menschen beflügelte. Bestes Beispiel ist hier der botanische Begriff Flora für die Gesamtheit der Pflanzenwelt. Das Wort entstammt dem Lateinischen und war ursprünglich der Name der römischen Blumengöttin Flora, welche in der Antike den Frühling verkörperte und folglich für das Erblühen aller Pflanzen in der Natur zuständig war. In gewisser Weise gab Flora das Konzept des göttlichen Gärtners wieder – ein Charakter, der in vielen Kulturen festen Bestandteil hat.

Bei den Griechen nahm Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit, des Pflanzenwachstums und des Ackerbaus, diese Stellung ein. Die Kelten verehrten Brighid als Vegetationsgöttin. In der nordischen Mythologie kannte man Jörd als Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin und in der germanischen Nerthus und Rinda. In China besagen die Legenden, dass der erste Kaiser des Reiches, Urkaiser Shennong den Beinamen des göttlichen Gärtners trug. Er wurde gelegentlich auch Kräuterkaiser genannt und soll gemäß der Traditionellen Chinesischen Medizin der Verfasser des ersten Heilkräuterkompendiums gewesen sein. Im alten Ägypten war Geb der Schutzgott der Pflanzen. Sein Segen war für die Ackerbauern, welche die Felder an den Ufern des Nils bestellten und deren Ernteerfolg maßgeblich von dem fruchtbaren Schlamm abhängig war, den der Fluss an Land spülte, unerlässlich.

Die Liste der heiligen Patrone auf dem Gebiet der Gärtnerei und des Ackerbauchs ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen. Sie alle bezeugen, dass die Natur für den Menschen schon immer etwas wundersames, magisches und auch spirituelles an sich hatte. Die Kunst der Gärtnerei stellte hier eine Kardinaldisziplin des botanischen Studiums dar. Vielfach wurde eine professionelle Gartengestaltung im Altertum deshalb auch als Ausdruck spiritueller Erhabenheit dar. Wer einen idyllischen und wohl strukturierten Garten mit üppigem Ertrag und besonderem Blütenreichtum besaß, war dem Göttlichen, beziehungsweise der göttlichen Schöpfung stets ein Stück näher und konnte durch die detailgetreue nachbildung dieser natürlichen Schöpfung bisweilen sogar einen gewissen Herrscheranspruch geltend machen.

Ob Pharaonen, Könige, Kaiser oder Fürsten – sie alle ließen sich von ihren royalen Gärtnern unvergleichliche Gartenanlagen erschaffen, welche ihren stellvertretenden Schöpferstatus auf Erden untermauern sollten. Für das Volk behielt die Kultivierung von Gartenpflanzen dagegen lange Zeit ihren ursprünglichen, eher praktisch orientierten Aspekt. Wer sich durch Obst- und Gemüsegärten selbst versorgen konnte, hatte es bis ins Mittelalter deutlich leichter als jene, die ihre Lebensmittel auf dem Markt einkaufen und so zusätzliches Geld in Verpflegung investieren mussten. Auch konnten sich viele Menschen damals keine regelmäßigen Arztbesuche leisten, weshalb der Anbau von Heilkräutern ein fester Bestandteil zur privaten Gesundheitsvorsorge war. Selbstverständlich war hier und da auch im Privatgarten Platz für so manches kreatives Pflanzenarrangement, woraus sich im Laufe der Zeit traditionelle Gartenkonzepte wie der Bauerngarten entwickelten.

 

Das Erbe der Botaniker, Bauern und Kräuterkundigen

Einen entscheidenden Beitrag zur schier endlosen Pflanzenvielfalt, die sich in Gärten beobachten lässt, leisteten die Pflanzenliebhaber des Altertums. Botaniker reisten seinerzeit um die ganze Welt, um bis dato unbekannte Pflanzenarten zu entdecken. Die Reisen, die vornehmlich mit dem Schiff unternommen wurden, waren mitunter sehr gefährlich. Auch hielten ferne Länder oftmals gefährliche Krankheiten bereit, die den Entdeckern zu schaffen machten. Dem Drang drang der Pflanzenkundigen, die botanischen Archive ihrer Heimat mit Seiten neuen Wissens zu füllen, tat dies aber keinen Abbruch. Und so ist es Chefbotanikern wie Carl von Linné oder Leonhart Fuchs zu verdanken, dass sich unser Wissen um die Pflanzenwelt stetig vergrößerte.

Auch namhafte Kräuterkundige wie Hildegard von Bingen oder Hieronymus Bock und Mediziner wie Hyppokrates trugen in hohem Maße dazu bei, dass das Wissen um Pflanzen und ihre Verwendungsmöglichkeiten nicht verloren ging. Indem sie alte Schriften übersetzten und zusammentrugen oder ihre eigenen Beobachtungen zu Wirkung und Standortbedingungen verschiedener Gewächse festhielten, legten sie in vielen Fällen überhaupt erst den Grundstein für eine weitere Erforschung der behandelten Pflanzen. Ihre Werke gehörten schon zu Lebzeiten der Autoren zum Kulturschatz ihrer jeweiligen Heimatländer und waren sowohl Gärtnern als auch Ärzten ein unbezahlbarer Schatz. Doch gerade im gärtnerischen Bereich trieben diese „grünen Schriften“ einen Kultivierungseifer voran, wie er seines Gleichen sucht. Beispielsweise sind die Klostergärten des Mittelalters vornehmlich der Liebe zur Kräuterkunde zu verdanken. Die Leidenschaft der Botaniker und Taxonomen, fremde Pflanzen zu beobachten, brachte wiederum die botanischen Gärten hervor, die heute in jeder größeren Stadt zu finden sind und Besucher mit einer atemberaubenden Pflanzen- und Blütenvielfalt aus aller Welt faszinieren. Ebenfalls Anerkennung ist in diesem Zusammenhang den Bauernfamilien des Altertums geschuldet, deren Wissen um den Anbau von Feldfrüchten und Obstpflanzen sowohl der Gestaltung von Obst- und Gemüsegärten, als auch der professionellen Landwirtschaft den Weg ebnete.

 

Schätze des Wissens, die es zu wahren gilt

Heute sind Gärten noch weitaus mehr als ein Quell der Gesundheit, Nahrungsfülle und Blütenpracht. Sie sind Inspirationsquelle, Therapiezentrum, Wellnessoase und letzte Grünflächen in einer schnelllebigen und urbanen Gesellschaft, in der die Natur immer mehr aus dem alltäglichen Leben verschwindet. Diesem Trend entgegen zu wirken, daran wollen wir mit unserem Botanikarchiv mitwirken. Durch naturrelevante Beiträge, detaillierte Pflanzratgeber, Infos zu Gestaltungsmöglichkeiten mit und Verwendungszwecken von Pflanzen ist es unser Ziel, die Welt wieder ein Stückchen grüner zu machen. Darüber hinaus sind wir auch bemüht, schon fast Vergessenheit geratene Schätze botanischen Wissens zu bewahren. Ob antike Kräuterweisheiten, Gestaltungskniffe des Altertums oder der Schutz vom Aussterben bedrohter Pflanzenarten – das Archiv der Grünen Schriften bringt alles unter einen Hut.