Rotkohl – Anbauen, Pflegen und Ernten

Rotkohl – Anbauen, Pflegen und Ernten

© Björn Wylezich - Fotolia.com
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Der auch als Blaukohl bekannte Rotkohl (Brassica oleracea convar. capitata var. rubra) gehört zu den eher anspruchsvollen Gemüsearten. Das schmackhafte Wintergemüse zeichnet sich durch seine dunkelvioletten Kohlblätter aus, die einen mild-süßlichen Geschmack aufweisen. Aus ihnen wird bei uns das wohlbekannte Blau- bzw. Rotkraut zubereitet, wobei es deutlich mehr Rotkohlsorten gibt, als man zunächst denken mag. Unterschieden wird hier zwischen frühen, mittelspäten und späten Sorten. Da die Ernte je nach Sorte bis in den Herbst hinein möglich ist, gehört Rotkohl zum sogenannten Wintergemüse, das in der kalten Jahreszeit eine wertvolle Nährstoff- und Vitaminquelle liefert. Wie Sie die gesunden Rotkohlsorten am besten im eigenen Garten anbauen, verraten wir Ihnen nachstehend.

Wissenswertes: Rotkohlblätter enthalten zahlreiche wichtige Inhaltsstoffe, so zum Beispiel Eisen, Magnesium, Senföle und Ballaststoffe. Auch zeichnen sich Rotkohlsorten durch ihren hohen Vitamin-C-Gehalt aus, der Rotkohl gerade im Winter zu einer der wichtigsten Gemüsearten Deutschlands macht. Dabei können bereits 200 g Rotkohl den erforderlichen Tagesbedarf an Vitamin C decken.



Rotkohl anbauen – Standort und Ablauf

Rotkohl gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) und entstammt der Mittelmeerregion Kleinasiens. Allerdings wird er heute vor allem in Nord- und Osteuropa angebaut, wo er als klassisches Wintergemüse Basis vieler Traditionsgerichte ist. Um sich bis zum Herbst optimal entwickeln zu können, müssen die meisten Rotkohlsorten schon im Frühjahr in Freilandbeete gesetzt werden. Bei guter Pflege und ausreichender Nährstoffzufuhr entwickelt der Rotkohl dann bis zu den Herbstmonaten seine markanten, dunkelvioletten Kohlblätter.

Wer Rotkohlsorten anbauen möchte, sollte unbedingt einen vollsonnigen Standort mit einem gut durchlässigem, feuchtem, humosem und lehmigem Bodensubstrat wählen. Der ideale pH-Wert für Rotkohlkulturen liegt je nach Sorte zwischen 6,5 und 7,5 Punkten, und damit im neutralen Bereich. Der tatsächliche Wert ist später auch für die finale Färbung des Rotkohls verantwortlich, welcher von blauviolett bis rotviolett reichen kann. Für eine Mischkultur im Gemüsebeet eignen sich für Rotkohl Pflanznachbarn wie Salate, Erdbeeren, Sellerie und Spinat. Andere Kohlsorten, Wurzelgemüse oder Zwiebelgewächse sind hingegen nicht als direkte Beetnachbarn geeignet, da ähnlich starkzehrend sind, wie der Rotkohl selbst und so zu Problemen in der bodeneigenen Nährstoffversorgung führen können.

Anbautipp: Beim Anbau von Rotkohlköpfen im Gemüsebeet muss eine strenge Fruchtfolge eingehalten werden. Generell sollte man einzelne Kohlsorten nur im Abstand von 3 Jahren am selben Standort anbauen, da sie zu den Starkzehrern unter den Gemüsearten gehören und den Boden deshalb schnell auslaugen. Wird dem Substrat nicht genügen Zeit zur Erholung gegeben, könnte dies Pilzerkrankungen wie die Kohlhernie befördern und auch die Ernte fällt ohne geeignete Fruchtfolge von Jahr zu Jahr spärlicher aus.

 

Einzelheiten zum Standort für Rotkohl:

  • für Sorten des Rotkohls unbedingt vollsonnigen Standort wählen
  • das Wintergemüse benötigt einen lehmigen, feuchten und humosen Boden
  • eine gute Bodendurchlässigkeit ist ebenfalls wichtig
  • pH-Wert des Bodens: neutral, von 6,5 bis 7,5
  • tatsächlicher pH-Wert nimmt Einfluss auf die Färbung der Kohlblätter
  • gute Beetnachbarn für Rotkohl: Salate, Erdbeeren, Sellerie und Spinat
  • ungeeignet sind andere Starkzehrer wie Kohlsorten, Wurzelgemüse oder Zwiebeln
  • zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit Kohl nur alle 3 Jahre am selben Standort anbauen
  • bei Nichtbeachten der Fruchtfolge drohen spärliche Ernten und Kohlhernie
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Rotkohl wird in Freilandbeeten in Reihen angebaut. Dies gelingt am besten, wenn Sie für den Anbau vorgezogene Jungpflanzen verwenden. Diese können sie für gewöhnlich in jeder Gärtnerei oder auch im Online-Gartenhandel erwerben. Die Aussaat von Rotkohlsamen gestaltet sich bei uns aufgrund der niedrigen Temperaturen im Frühjahr hingegen schwierig und ist selten von Erfolg gekrönt. Gehen Sie bei der Kultivierung des Rotkohls deshalb wie folgt vor:

  1. Schritt – Pflanztermin wählen: Vorgezogene Setzlinge des Rotkohls können Sie von April bis Mai ins Beet pflanzen. Je früher die Jungpflanzen gesetzt werden, desto widerstandsfähiger entwickeln sie sich im späteren Verlauf. Achten Sie hier auch auf die individuelle Entwicklungsdauer von frühen, mittelspäten und späten Rotkohlsorten, damit die Ernte im Herbst zum gewünschten Zeitpunkt erfolgen kann.
  2. Schritt – Boden vorbereiten: Bevor sie eine Kohlsorte im Gemüsebeet anbauen, sollten Sie den Boden tiefgründig umgegraben und störende Bodenhindernisse entfernen. Um einem Befall durch die berühmt berüchtigte Kohlhernie vorzubeugen, wird das Bodensubstrat vor der Pflanzung mit Kalk angereichert. Für eine optimale Nährstoffversorgung kann dem Boden zudem Kompost beigemischt werden.
  3. Schritt – Rotkohl pflanzen: Die Reihenpflanzung von Rotkohl in Freilandbeeten erfolgt in einem Abstand von 50 cm zueinander. Ähnliche Abstände sollten Sie auch bei Mischkultur einhalten, damit die starkzehrenden Kohlpflanzen das Wachstum ihrer Beetnachbarn nicht nur Nährstoffraub oder Wurzelkonkurrenz hemmen. In Sachen Setztiefe müssen Jungpflanzen des Rotkohls bis zum Wurzelhals in der Erde versenkt werden. Abschließend werden die Pflänzchen großzügig angewässert.

Kurzschritte zur Pflanzung im Überblick:

  • Pflanztermin für Rotkohl im Freiland: April bis Mai
  • Aussaat von Rotkohlsamen ist bei uns nicht empfehlenswert
  • vor dem Anbauen den Standortboden tiefgründig auflockern und Hindernisse entfernen
  • empfehlenswert ist eine Substratoptimierung mit Kompost und Kalk
  • danach Jungpflanzen des Rotkohls bis zum in die Erde einlassen
  • Pflanz- bzw. Reihenabstand: 50 cm
  • nach der Pflanzung die jungen Pflänzchen großzügig erstbewässern
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Pflege des Rotkohls – gießen, ernten und vermehren

Gemüsearten wie der Rotkohl zählen zu den Starkzehrern, was bedeutet, dass sie üppige Wasser- und Nährstoffgaben benötigen. Geht es um die Bewässerung, sollten Sie vor allem in den heißen Sommermonaten darauf achten, dass der Boden stets feucht ist und nicht austrocknet. Kalkhaltiges Leitungswasser ist bei Rotkohl kein Problem, denn es kann dafür sorgen, dass nach der Ernte zubereitetes Blau- bzw. Rotkraut weniger bläht. Auch sorgt der Kalk für eine bläulichere Färbung des Kohls, was für manche Gärtner durchaus erstrebenswert ist.

Das Pflanzenwachstum des Rotkohls können sie durch die Gabe von Kompost in zweiwöchentlichen Abständen unterstützen. Damit der Rotkohl ungestört seine Blätter ausbilden kann, sollte das Beet zudem konstant von Unkraut befreit werden. Am besten wird dies gleichzeitig mit dem Harken der Beeterde unternommen, wodurch der Lehmboden nach anfänglicher Verdichtung wieder ausreichend belüftet wird. Zusätzlich kann die gelockerte Erde rings um die Rotkohlpflanzen hin und wieder angehäufelt werden. Dies verschafft zusätzliche Stabilität und schützt das Wintergemüse vor Schädlingen.

Kurztipps zum Gießen und Düngen:

  • Rotkohl regelmäßig gießen, um den Boden stets feucht zu halten
  • insbesondere im Sommer ist eine kontinuierliche Bewässerung wichtig
  • für den Gießvorgang kann kalkhaltiges Leitungswasser verwendet werden
  • ergänzend alle 2 Wochen Kompost ins Standortsubstrat einbringen
  • zur weiteren Wachstumsförderung Unkraut entfernen
  • ein gelegentliches Harken und Anhäufeln der Erde ist ebenfalls nützlich
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Die ersten jungen Rotkohlblätter können bereits im Frühsommer geerntet werden. Die Haupternte der Kohlköpfe erfolgt jedoch von Ende August bis Anfang November. Eine vollständige Abernte des Rotkohls sollte dann spätestens mit dem Einsetzen der ersten Nachtfröste abgeschlossen sein. Verwenden Sie für die Ernte ein scharfes Messer, mit dem Sie die Rotkohlköpfe direkt am Wurzelansatz abschneiden. Damit sich nach dem Abernten keine Schädlinge oder Krankheitserreger in der Beeterde ansiedeln können, sollten die Wurzeln des Rotkohls ausgegraben und entfernt werden. Für eine Kompostierung eignen sich diese Wurzelreste allerdings nicht.

Nach der Ernte können Sorten des Rotkohls bis zu 2 Wochen im Kühlschrank gelagert werden. Für eine längere Einlagerung, beispielsweise in einem kühlen und dunklen Keller, ziehen Sie die Pflanzen am besten mitsamt der Wurzeln aus dem Boden und entfernen die äußeren Hüllblätter. werden die Pflanzen am besten mitsamt ihrer Wurzel aus der Erde gezogen und die äußeren Hüllblätter entfernt. Anschließend kann der Rotkohl kopfüber aufgehängt oder in Holzkisten eingelagert werden. Hierbei sollte eine unmittelbare Nachbarschaft zu Äpfeln vermieden werden, da diese ein schnelles Verwelken des Rotkohls begünstigen. Zubereiten lässt sich Rotkohl am besten in Form von Blau- bzw. Rotkraut. Doch auch Suppen und Salate aus Rotkohl sind durchaus denkbar.

Kurztipps zum Ernten und Lagern von Rotkohl:

  • Haupternte des Rotkohls zwischen August und November
  • für frische Verarbeitung die Kohlköpfe mit einem Messer am Wurzelansatz abschneiden
  • hier müssen die Wurzeln nach der Ernte vollständig aus dem Beet entfernt werden
  • bei Lagerung im Kühlschrank ist der Kohl dann bis zu 2 Wochen haltbar
  • für längere Lagerung des Rotkohls die Kohlköpfe mitsamt ihrer Wurzeln ernten
  • das Wintergemüse wird dann kopfüber aufgehängt oder in Holzkisten gelagert
  • ein kühler und dunkler Standort ist im Anschluss wichtig
  • von einer direkten Lagerung neben Äpfeln ist abzuraten
  • Weiterverarbeitung des Rotkohls zu Blau- bzw. Rotkraut, Suppen oder Salaten möglich
  • ein Kompostieren der Wurzelreste ist mit Blick auf Schadbefall nicht sinnvoll

Interessante Sorten des Brassica oleracea convar. capitata var. rubra

Dank seiner großen Beliebtheit gibt es von Rotkohl inzwischen über 400 verschiedene Sorten. Diese unterscheiden sich maßgeblich in ihrer Färbung, sowie in ihrer Entwicklungszeit. Letztere beträgt normalerweise zwischen 70 und 160 Kulturtagen. Zur besseren Übersicht haben wir einige der schönsten Sorten nachstehend für sie aufgelistet.

SorteBeschreibung
Rotkohl 'Amarant'
Brassica oleracea convar. capitata var. rubra 'Amarant'

Farbe: blauviolette Kohlköpfe
Entwicklungszeit: 85 bis 105 Tage
Ernte: ab Ende Juni
Besonderheiten: Frühsorte mit kurzem Strunk und flacher Blatthaltung; Die Köpfe neigen zum Aufplatzen
Rotkohl 'Dauerrot'
Brassica oleracea convar. capitata var. rubra 'Dauerrot'

Farbe: rotviolette bis braunrote Kohlköpfe
Entwicklungszeit: 128 bis 154 Tage
Ernte: ab Anfang August
Besonderheiten: alte Spätsorte mit besonders langer Lagerungsfähigkeit und hohen Ansprüchen
Rotkohl 'Frührot'
Brassica oleracea convar. capitata var. rubra 'Frührot'

Farbe: rotviolette Kohlköpfe
Entwicklungszeit: 70 bis 80 Tage
Ernte: Juni bis August
Besonderheiten: Frühsorte, die sich selbst im Herbst noch anbauen lässt
Rotkohl 'Herbstrot'
Brassica oleracea convar. capitata var. rubra 'Herbstrot'

Farbe: rotviolette bis braunrote Kohlköpfe
Entwicklungszeit: 130 bis 140 Tage
Ernte: ab August
Besonderheiten: gehört zu den mittelspäten Sorten und ist relativ anspruchslos; die Kohlsorte ist bis Jahresende gut lagerfähig
Rotkohl 'Kalibos'
Brassica oleracea convar. capitata var. rubra 'Kalibos'

Farbe: rotviolette, spitz zulaufende Kohlköpfe
Entwicklungszeit: 90 bis 120 Tage
Ernte: Juni bis August
Besonderheiten: mittelspäte Kreuzung aus Spitzkohl und Rotkohl; auch als Roter Spitzkohl oder Spitzer Rotkohl bekannt
Rotkohl 'Subaro'
Brassica oleracea convar. capitata var. rubra 'Subaro'

Farbe: blauviolette Kohlköpfe
Entwicklungszeit: ca. 135 Tage
Ernte: ab August
Besonderheiten: mittelspäte Lagersorte mit besonders festen Köpfen
Rotkohl 'Topas'
Brassica oleracea convar. capitata var. rubra 'Topas'

Farbe: schwarzviolette Kohlköpfe
Entwicklungszeit: 50 bis 70 Tage
Ernte: ab Juli
Besonderheiten: Frühsorte mit bedingter Lagereignung, die sich jedoch auch noch im Juli anbauen lässt

 

Rotkohl – Mögliche Krankheiten und Schädlinge

© sandra zuerlein - Fotolia.com
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Sorten des Rotkohls sind vor allem gegenüber Pilzerkrankungen wie der Kohlhernie oder der Blattfleckenkrankheit besonders anfällig. Gegen diese hilft vorab eine Kalkung des Bodensubstrates. Sollte dennoch eine Pflanzenkrankheit auftreten, ist es besser, den befallenen Bestand aus dem Beet zu entfernen und gesondert im Restmüll zu entsorgen, ehe das bestehende Schadbild auf Nachbarpflanzen übergreifen kann.

Neben Krankheiten können am Rotkohl auch Schädlinge wie die Weiße Fliege, Kohlschaben oder die Raupen des Kohlweißlings auftreten. Sie schädigen sowohl das Wurzelwerk als auch die Blätter der Rotkohlpflanzen, was nicht selten zu Kümmerwuchs führt. Gegen die Schädlinge helfen Pappkrägen, die um den Wurzelansatz der Kohlköpfe gesetzt werden. Auch spezielle Gartenschutznetze sind empfehlenswert.



Fazit

Rotkohl ist ein gesundes Wintergemüse, das am besten in Reihenpflanzung anbauen. Für die Kultivierung eignen sich vor allem vorgezogene Jungpflanzen, die von April bis Mai in die Erde gesetzt werden. Auch wenn die Rotkohlpflanzen in den folgenden Sommer- und Herbstmonaten umfassende Pflege in Form regelmäßiger Gießgänge und Düngungen benötigen, lohnt sich ein Anbau im eigenen Garten auf jeden Fall. Der rot- bis blauviolette Kohl ist nämlich eine wichtige Vitamin- und Nährstoffquelle, die vor allem durch ihren hohen Gehalt an Vitamin C das eingeschränkte Obst- und Gemüseangebot im Winter kompensieren kann.

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